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Kunstwerke vor dem Abriss

Cobi Reisers Erben legen Einspruch ein

Schongau - Jetzt haben sich die Nachkommen des Künstlers Cobi Reiser bei der Stadt Schongau gemeldet. Sie sind nicht damit einverstanden, dass das große Uhrenbild und der Märchengiebel an der Staufer-Grundschule in Schongau durch Abbruch zerstört werden sollen. Gemäß dem Urheberrecht haben sie Einspruch erhoben.

„Wir bitten um unbedingte Rettung dieser bedeutenden Werke der Nachkriegszeit“, teilt Stephanie Felbinger, die Enkelin von Cobi Reiser, dem Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman mit. Sie und ihre Mutter Veronika Teuscher (Tochter von Cobi Reiser) haben sich erst jetzt gemeldet, da sie eigenen Angaben zufolge nichts nichts davon gewusst haben, dass in Schongau Abbrucharbeiten im Gange sind. „Es hat leider länger gedauert, bis sehr bemühte Bürger der Stadt Schongau uns ausfindig machen konnten“, schreibt Stephanie Felbinger, die in Immenstadt (im Allgäu) wohnt.

Mit den „sehr bemühten“ Bürgern ist vor allem Irmgard Schreiber-Buhl gemeint. Die Lehrerin aus Schongau hatte bereits im Juni dieses Jahres die Initiative ergriffen und eine Rettungsaktion für die Tiermosaike von Cobi Reiser gestartet. „Schüler suchen die Erben eines Künstlers“, lautete damals die Schlagzeile.

Auf diesen Artikel im Bayern-Teil des Münchner Merkurs hin bekam Irmgard Schreiber-Buhl Hinweise, dass eine Tochter von Cobi Reiser in München wohnt. Bis diese dann ausfindig gemacht werden konnte, vergingen noch Tage und Wochen. Doch der Recherche-Aufwand hat sich gelohnt. Irmgard Schreiber-Buhl konnte schließlich Kontakt zu Veronika Teuscher, geb. Reiser, aufnehmen und ihr schildern, wie in Schongau um den Erhalt der Kunstwerke von Cobi Reiser gekämpft wird.

Cobi Reiser hat auch in Schongau zahlreiche Kunstwerke hinterlassen.

„Es ist toll, dass sich die Schongauer so für die Werke meines Vaters einsetzen“, freut sich Veronika Teuscher. Im Gespräch mit der Heimatzeitung erzählt sie stolz über das Leben ihres Vaters, der eine Lehre als Chromochemiegraf absolviert und die Fachschule für Buchdruck und Chemiegrafie besucht hat. Anschließend folgten ein Semester Fresko-Malerei an der Staatlichen Kunstakademie in München (bei Prof. Feuerstein) und zehn Semester an der Staatlichen Akademie für angewandte Kunst (bei Prof. Ehmke und weiteren namhaften Professoren).

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Schaffenskraft von Cobi Reiser. Von 1941 bis 1945 musste er Kriegsdienst an der russischen Front leisten, anschließend geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im Juni 1949 zurückkehrte. Nach einer Erholungszeit führte er wieder Aufträge aus, besonders Wandmalereien und Fresken. Unter anderem arbeitete er mit dem namhaften Architekten Sepp Ruf zusammen, der unter anderem den denkmalgeschützten Kanzler-Bungalow in Bonn gebaut hat.

Warum Cobi Reisers Werke in Schongau nicht von ihm signiert worden sind, bleibt wohl ein Rätsel. Das weiß auch seine Tochter nicht.

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman hat auf Anfrage der Heimatzeitung bestätigt, dass ein Einspruch von Cobi Reisers Tochter und Enkelin eingegangen ist, „aber das Urheberrecht steht einem Abbruch nicht im Wege“, gab Falk Sluyterman zu verstehen.

Michael Gretschmann

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