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Symbolischer Akt: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (Bildmitte) durchschnitt das Band gemeinsam mit der Prominenz von Stadt und Bahn. Vierter von links ist Bürgermeister Falk Sluyterman.

Bahnhof Schongau

Video-Reisezentrum läutet neue Ära ein

Schongau - Eine neue Ära ist am Dienstag am Schongauer Bahnhof eingeläutet worden. Im Beisein von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt wurde das Video-Reisezentrum eröffnet, das ab sofort den bisherigen Fahrkartenschalter ersetzen wird.

Ob’s an den vielen Ehrengästen lag oder woran auch immer: Minister und Gefolge erreichten den Schongauer Bahnhof erst mit fünfminütiger Verspätung. Gekommen waren sie per Bahn aus Peißenberg, wo auch ein Video-Reisezentrum eröffnet worden war und der Minister quasi ein Heimspiel hatte. Dobrindt erinnerte an die längeren Diskussionen in Bezug auf die moderner werdende Pfaffenwinkel-Bahn und daran, was hierfür nötig sei. Um mehr Kunden zu bekommen, müsse man noch attraktiver werden.

Daher sei es wichtig, dass die Modernisierung der Schienen und der Service am Kunden gebündelt verbessert würden. Dazu habe man in Kempten freundliche DB-Mitarbeiter, die via Bildschirm dafür Sorge tragen würden, dass alle Fragen beantwortet werden. Und das in exzellenter Technik und nicht abgehackt oder stark verpixelt. Auf diese Weise könnten sogar Übernachtungen gebucht werden. Und auch das Bezahlsystem funktioniere – und das nicht nur über EC- und Kreditkarte, sondern auch via Bargeld.

Sehr kundenfreundlich seien auch die Öffnungszeiten, denn das Videozentrum steht den Bahnkunden künftig 70 statt bislang 40 Stunden zur Verfügung – und das auch an Sonn- und Feiertagen. Dobrindt lobte in diesem Zusammenhang die Bereitschaft der Bahn, auch die Pfaffenwinkel-Bahn zu stärken. Der Minister erklärte zudem, dass er sich künftig dafür einsetzen wolle, dass kostenloses WLAN künftig auch in Nahverkehrszüge integriert werden soll. „Heute“, so Dobrindt weiter, „ haben wir ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Pfaffenwinkel-Bahn zukunftsträchtig ist und uns langfristig als attraktives Reiseunternehmen zur Verfügung stehen wird.“

Ein wichtiger Schritt für die Bahn

Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der DB, freute sich über augenfällig zahlreichen Besuch und sprach von der Realisierung des Video-Reisezentrums als wichtigem Schritt für die Bahn. Sei im Vorfeld von Bürgerseite aus noch von einer vermenschlichten Automatisierung gesprochen worden, weil nun ein Automat den Mitarbeiter vor Ort ersetze, könne man heute von einer idealen Alternative sprechen, zumal die Öffnungszeiten deutlich erweitert worden seien. Das Reisezentrum sei auch Beleg für eine Technik, die sich zusehends mehr vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen weiterentwickelt habe. Schongau gehöre nun zu bayernweit zwölf Reisezentren, die jetzt eine zweijährige Pilotfunktion hätten. Ende des Jahres soll ein solches Zentrum auch am Peitinger Bahnhof Ost installiert werden. Josel wünscht sich eine möglichst hohe Akzeptanz des Zentrums, für das 70 000 Euro Kosten investiert wurden.

Johann Niggl, Chef der bayerischen Eisenbahngesellschaft, sprach von neuen Wegen, die man mit derlei Zentren gegangen sei, weil der Trend bei Fahrkarten für die Bahn immer mehr zu Online-Buchungen gehe und man mit der Entwicklung gehen müsse. Er hofft, „dass wir nach den zwei Jahren Pilotfunktion weitermachen und es flächig anbieten können“.

Bürgermeister Falk Sluyterman erinnerte daran, „dass ich mit dem Minister jetzt binnen eines Jahres schon zum dritten Mal den Bahnhof besuche“. Dobrindts Anwesenheit werte er als Zeichen dafür, „dass Sie sich für unseren Bahnhof einsetzen“. Die Ära des personenbedienten Fahrkartenverkaufs sei nun beendet, wobei er all denen, „die den Schalter über viele Jahre gemanagt haben“, dankte. Sehr erfreut ist er, dass keine betriebsbedingte Kündigungen erfolgt seien.

Scheu vor dem neuen System soll abgelegt werden

Älteren Menschen, die eine gewisse Skepsis gegenüber der neuen Technik an den Tag legten, empfahl er, regelmäßig ins neue Reisezentrum zu kommen , um sich davon zu überzeugen, „dass man die Scheu vor dem neuen schnell ablegen wird“. Er selbst habe diese Erfahrung bereits beim Besuch eines Reisezentrums in Unterfranken machen können. Sluyterman weiter: „Ich glaube, dass wir hier den richtigen Schritt gegangen sind.“

Wichtig ist ihm, „dass die Bahnsteige nicht wegkommen vom Bahnhof“, wie dies kurzfristig von der DB einmal angedacht worden sei. „Für eine Weiterentwicklung wäre das fatal, Bahnsteige müssen dort sein, wo auch das Bahnhofsgebäude ist“, sagte der Bürgermeister.

Der verwies in der Folge noch einmal darauf, „dass eine Verlängerung der Pfaffenwinkel-Bahn zum Krankenhaus für Schongau elementar wichtig ist“. Dazu soll – auch nach dem Willen des Kreistags – das Gleis vier jetzt ebenfalls barrierefrei werden. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt durch eine kleine Abordnung der Stadtkapelle. Auch eine kleine Stärkung wurde gereicht.

Stephan Penning

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