Immer präsent: Pfarrer Hartmuth Stamm (2.v.l.), hier beim Friedengebet im Mai in Schongau mit (v.l.) Pfarrer Karl Klein, Arif Sirin und Imam Veli Bayar.

Evangelische Kirche

Schongaus Pfarrer Hartmuth Stamm (59) überraschend gestorben

Schongau - Schock für die evangelische Kirchengemeinde Schongau: Völlig überraschend ist Pfarrer Hartmuth Stamm im Alter von nur 59 Jahren gestorben. Er hatte nach dem Weggang von Pfarrer Friedrich Nägelsbach vergangenes Jahr die Gemeinde alleine geführt.

Dekan Axel Piper kann es immer noch nicht fassen. „Am Mittwoch habe ich noch mit ihm gesprochen, weil er sich sehr über seine künftige neue Kollegin gefreut hat“, berichtet Piper über Pfarrer Stamm. „Wir haben über Dienste und die künftige Arbeitsverteilung geredet.“ Am 1. September fängt die neue Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes ihre Arbeit in Schongau an, gestern ist sie nach Schongau umgezogen – in eine trauernde Kirchengemeinde.

Per du mit dem Bürgermeister

„Ich habe Pfarrer Stamm sehr gemocht, weil er ein so freier, zugewandter Mensch war“, sagt Piper. Das können wohl alle bestätigen, die mit Stamm zu tun hatten. Offen, immer freundlich, manchmal unkonventionell, so hat er sich seit seinem ersten Auftritt 2012 in Schongau gezeigt. Das bestätigt auch Bürgermeister Falk Sluyterman, der mit Stamm viele Termine absolviert hat, zuletzt im Juni die Einweihung der Fußgängerzone. „Wir haben uns geduzt“, das sage schon einiges aus. Stamm sei ein offener und lustiger Zeitgenosse gewesen, so Sluyterman. „Als ich am Montag die Todesnachricht in der Zeitung gelesen habe, hat mich das ziemlich mitgenommen.“

Trotz seiner fröhlichen Art hatte es Stamm in Schongau nicht immer leicht. Im Herbst 2012 kam er, zunächst befristet für ein Jahr, in eine zerrüttete Kirchengemeinde, die unter dem langen Streit zwischen Kirchenvorstand und Pfarrer Friedrich Nägelsbach gelitten hatte. Zwar behielt er offiziell die zweite Pfarrstelle unter Nägelsbach, doch war er längere Zeit erkrankt und wurde für Arbeiten zum Dekanat Weilheim abgestellt. Erst im Juli vergangenen Jahres kehrte Stamm zurück, als Nägelsbach nach acht Jahren in Schongau überraschend nach Augsburg wechselte. Fast ein Jahr lang hatte er nun vertretungsweise die erste Pfarrstelle inne, sollte ab 1. September wieder ins zweite Glied rücken. Dazu wird es nicht mehr kommen.

Stamm war theologisch sehr breit aufgestellt

Auch im Kirchenvorstand ist man fassungslos über den tragischen Verlust. Wegen Urlaubs und Krankheit habe man Pfarrer Stamm zuletzt Ende Juli gesehen, sagt Thomas Redmann. „Es ist gut gelaufen, er war ein guter Pfarrer“, sagte Redmann. Man habe sich auch gestritten, aber das sei normal. „Wichtig war, dass man mit ihm über alles reden konnte und er vom theologischen Wissen sehr breit aufgestellt war.“ Man müsse sich jetzt erst einmal sammeln und schauen, wie es weitergeht. „Denn wir hatten große Projekte vor, unter anderem die Amtseinführung der neuen Pfarrerin am 25. September“, so Redmann.

Die neue Pfarrerin Menezes muss sich nun ohne Übergabe zurechtfinden. „Aber es gibt hilfsbereite Kollegen, zum Beispiel aus Peiting, sowie Ruhestandspfarrer. Wir werden sie nicht alleine lassen“, sagt Dekan Piper. Aber natürlich sei es einfacher, wenn man schnell den örtlich erfahrenen Kollegen fragen könne – das falle nun weg.

Piper muss am morgigen Mittwoch noch den Abschied von Hartmuth Stamm gestalten. „Seine Familie, die mich am Samstag über seinen Tod informiert hat, hat mich gebeten, seine Beerdigung zu übernehmen. Das werde ich tun“, so Piper. Stamm, der in Uffing lebte, war geschieden und hinterlässt zwei Kinder (16 und 18). Die letzte Ruhe findet er im Familiengrab in München-Untermenzing, wo er herstammt. Auch Bürgermeister Sluyterman hofft, Termine verschieben zu können, um sich von dem beliebten Schongauer Pfarrer verabschieden zu können.

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