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Prominente Gäste beim Wies-Konzert: (v.l.) der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler mit Ehefrau Eva Luise, Theo Waigel mit Ehefrau Irene Epple-Waigel, CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt mit Ehemann Wolfgang Zeitlmann, Ex-Landtagspräsident Alois Glück und das Ehepaar Helma und Erwin Huber, der langjährige Minister und CSU-Parteichef

Festlicher Sommer in der Wies

Pure Lebensfreude musikalisch umgesetzt

Wies - Das „Air“ von Johann Sebastian Bach stand gar nicht auf dem Programm des fünften Konzerts der Reihe „Festlicher Sommer in der Wies“. Der künstlerische Leiter Christoph Garbe präsentierte am Sonntagabend in der Wieskirche dieses Werk im Gedenken an die Opfer des Anschlags in München.

Es war ein sehr bewegender, berührender Auftakt für die sehr zahlreich erschienen Zuhörer in der nahezu ausverkauften Wieskirche. Vom musikalischen Standpunkt aus hätte dieser Einstieg im Vergleich zu den beiden weiteren Werken gegensätzlicher nicht sein können. Das ruhige, sanfte „Air“ im Kontrast zu Beethovens vor Freude sprühender 7. Sinfonie A-Dur op. 92 und der feierlichen „Litaniae de venerabili altaris Sacramento B-Dur (KV 125) von Wolfgang Amadeus Mozart, spiegelte die große musikalische Bandbreite der Künstler an diesem Abend wider.

Beethovens 7. Sinfonie galt zu seiner Zeit als das Evangelium der Freude. Und Christoph Gardes Interpretation faszinierte. In allen vier markanten Sätzen arbeitete er vor allem das typisch Beethovensche heraus: die alternierende Dynamik, das Wechselspiel vom Aufpeitschen eines Klangs bis hin zur Innigkeit eines einzelnen gehauchten Tons.

Beim Wieskonzert: Vorne von links Niklas Mallmann (Bassbariton), Regine Jurda (Mezzosopran), Frieder Lang (Tenor) und Anna Karmasin (Sopran).

Zeitgenossen des Komponisten bewunderten die Siebte „mit Schrecken“. Und man kann es verstehen. Die Sinfonie hält für den Zuhörer eine ganze Palette an Gefühlen bereit. Feierliche Harmonien im ersten Satz, düstere Gedanken zu Beginn des zweiten, die sich dann durch den wunderbaren Einsatz der Hörner in eine sanfte Stimmung verwandeln.

Nicht umsonst wurde dieser beliebte zweite Satz bei allen Aufführungen, die unter der Leitung von Beethoven selbst stattfanden, wiederholt. Nicht so in der Wies. Garbe führte mit seinem hervorragenden Orchester Neue Süddeutsche Philharmonie das Publikum kontinuierlich weiter auf der musikalischen Gefühlsskala.

Pure Lebensfreude entwickelt sich nun im dritten Satz. Das dahinwirbelnde Thema sprüht vor Fröhlichkeit und Übermut und leitet ein zum „Schrecken“ des vierten Satzes. Mit weit ausholenden Gesten peitschte Garbe nun sein Orchester durch den rasenden Rhythmus hin zu dem grandiosen ekstatischen Finale.

Es ist eine hohe Kunst, nach dieser aufwühlenden Sinfonie den Bogen nun zu Mozarts Litanei zu spannen. Aber auch hier prägte Garbe das Werk durch sein Einfühlungsvermögen in die Intention des Komponisten. Als Lobpreis der Eucharistie diente Mozarts erste Sacraments-Litanei, komponiert in neun Sätzen für Orchester, Chor und vier Solisten. Der Chor der Stadt Schongau sang gemeinsam mit dem Auswahlchor der Berufsfachschule für Musik Krumbach und glänzte wie immer durch gute Intonation und vor allem Konzentration.

Mit diesem Chor konnte Garbe auch die Fuge im siebten Satz deutlich schneller nehmen als üblich. Mit einer nahezu spielerischen Leichtigkeit und spürbarer Freude wurde hier gesungen. In den Solopartien hatte in erster Linie der Sopran die tragende Rolle. Den Part des Mezzosopran übernahm Regine Jurda, die ein wenig mit einem zu starken Tremolo zu kämpfen hatte. Tenor Frieder Lang übertrieb trotz guter Stimme in einigen Takten, und Bassbariton Niklas Mallmann verschwand etwas kraftlos bei seinem kurzen Auftritt im Soloquartett.

Mit der Münchner Sopranistin Anna Karmasin traf man eine hervorragende Wahl. Sie schenkte dem Publikum ihre strahlende, auch in der Tiefe kraftvolle Stimme. Ihre gefühlvolle Einleitung zum letzten Satz des Werkes, dem Agnus Dei, beeindruckte nachhaltig.

Es ist Tradition in der Wieskirche, nach Beendigung eines Konzerts noch ein wenig innezuhalten. So ertönten auch an diesem Sonntagabend dazu die sieben Glocken der Wallfahrtskirche. Ein friedlicher Abschluss, bevor langanhaltender jubelnder Applaus ausbrach.

Regina Wahl-Geiger

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