Messerattacke in Schongau

Hund überfahren, Herrchen tickt aus

Schongau - Es war ein rabenschwarzer Tag für einen 53-jährigen Schongauer, dieser 3. Juni im vergangenen Jahr. Der Hund des Hausmeisters wurde bei einem Unfall getötet und der Mann verlor die Nerven. Gegen den Strafbefehl wegen Bedrohung hatte der Mann Einspruch eingelegt und saß nun im Amtsgericht Weilheim auf der Anklagebank.

„Sie geben doch hier alles zu, warum dann der Einspruch?“, wunderte sich Richter Michael Eberle. Dieser fand die im Strafbefehl festgesetzte Höhe der Geldstrafe einfach zu hoch. „Wie soll ich das bezahlen?“, fragte er. Eberle erließ dann den Beschluss, dass der Einspruch sich auf die Tagessatzhöhe bezog.

An dem besagten Tag war der Angeklagte im Umzugsstress. An der Marktoberdorfer Straße in Schongau bezog er ein kleines Zimmer und schleppte Kisten in das Haus. Sein Hund befand sich im Vorgarten. In einem kurzen unbeaufsichtigten Moment konnte das Tier jedoch durch die geöffnete Gartentür entkommen. Der Hund lief kreuz und quer über die zu diesem Zeitpunkt stark befahrene Straße. Ein 36 jähriger Autofahrer konnte nicht mehr bremsen.

Das Auto erfasste den Hund. Der wurde über die Straße geschleudert und sofort getötet. „Er hätte ihn sehen müssen“, sagte der Angeklagte. Das stritt der Unfallverursacher aber vehement ab. „Es war Kolonnenverkehr. Der Hund ist plötzlich zwischen den Autos aufgetaucht“, sagte er vor Gericht. Er habe sofort gebremst und sei rechts herangefahren. Den Zusammenstoß hat er jedoch nicht mehr verhindern können.

Der Hundebesitzer verlor beim Anblick seines toten Tieres die Nerven. Zunächst beschimpfte er den Autofahrer als „Mörder“ und „Tierschänder“. Als dieser und ein Kollege ihm dann sagten, dass es doch nur ein Hund sei, eskalierte das Ganze.

Der Angeklagte rannte ins Haus und kam mit einem Messer zurück. „Er ist direkt auf mich zugelaufen“, sagte der Unfallverursacher. Er flüchtete sich in eine Apotheke. Beobachten konnte er noch, wie der Angeklagte versuchte, den rechten Vorder- und dann auch den Hinterreifen mit dem Messer zu zerstechen. Aber das klappte nicht. Ein zufällig vorbeifahrender Polizeibeamter außer Dienst sah den Vorfall und verständigte seine Kollegen.

Die Polizei fand den Angeklagten dann wenige Minuten später in seinem Garten sitzend. Das Messer steckte im Boden. Vor Gericht war der Angeklagte sichtlich zermürbt. „Ich habe mir den Mist eingebrockt, den muss ich jetzt auslöffeln“, erklärte er.

Der Richter berücksichtigte die Ausnahmesituation in der sich der Schongauer befunden hatte. Er passte die Geldstrafe mit 60 Tagessätzen zu je 30 Euro den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen des Angeklagten an und blieb damit unter der im Strafbefehl veranschlagten Summe.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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