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Führen jetzt gemeinsam das Landhaus Pfaffenwinkel: Dr. Andreas Wöller und seine Schwester Bettina Wöller inmitten der inzwischen vier Häuser umfassenden Einrichtung.

Junge Menschen im Landhaus Pfaffenwinkel

Auf dem Weg in ein neues Leben

Schongau - Seit 31 Jahren existiert mittlerweile das Landhaus Pfaffenwinkel, in dem jungen Menschen mit psychischen Problemen geholfen werden soll, wieder ein möglichst selbständiges Leben führen zu können. Nahezu 60 Beschäftigte tragen dafür Sorge, dass die Bewohner dabei ein ideales Umfeld vorfinden.

Für viele Schongauer war es über Jahrzehnte ein Rätsel, was sich da hinter verschlossenen Toren tut und so wurde oft hinter vorgehaltener Hand getuschelt, gemutmaßt oder auch schon mal die Angst bemüht. Damit wollen Dr. Andreas Wöller und seine Schwester Bettina jetzt aufräumen. Offen und transparent wollen sie auf die Bevölkerung zugehen, die zahlreichen Mythen und Legenden, die rund um das Landhaus gestrickt wurden, ins Land der Fabel verbannen.

30-jähriges Jubiläum 

Im vergangenen Jahr konnte die Einrichtung, die 1985 von Dr. Renate Wöller und Josef Höhenberger-Wöller gegründet wurde, ihr 30-jähriges Jubiläum feiern. Kurz zuvor übernahmen Andreas und Bettina Wöller. Damals, im Jahr 1980, hatte sich Renate Wöller, die Mutter der heutigen Betreiber, als Psychotherapeutin in der Lechstadt in der Hermann-Ranz-Straße 14 niedergelassen. Und seinerzeit wurde auch der erste Psychiatrie-Plan der Regierung von Oberbayern publiziert. Zu diesem Zeitpunkt gab es viele stationäre Langzeit-Patienten in der Psychiatrie. Andreas Wöller spricht von „16 000 belegten Betten in der Erwachsenen-Psychatrie und Menschen, die nur noch ganz schwer dort wieder raus kamen“. Das sollte sich ändern und hat sich auch geändert. Heute sind es noch etwa 6000 Betten, die von Psychiatrie-Patienten belegt werden.

Eine Frau Arnold von der Regierung war es Anfang der 80er Jahre, die zu einer Einrichtung für Jugendliche und Erwachsene riet. Bei den Wöllers stieß sie damit auf offene Ohren, 1985 wurde die GmbH Landhaus Pfaffenwinkel aus der Taufe gehoben, zunächst als Kinder-, später dann als Jugendheim. Heute sind es junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, die dort stationär therapeutisch betreut werden.

Ob Depressionen, Psychosen, bipolare Störungen, posttraumatische Belastungs- oder auch Persönlichkeitsstörungen: Die Krankheitsbilder sind vielfältig. Wobei Dr. Andreas Wöller Wert auf die Feststellung legt, „dass wir keine Patienten mit Drogen- oder Alkoholproblemen sowie mit Fremdaggressivität aufnehmen.“ Die Bewohner haben dabei zuvor alle entweder eine andere Einrichtung besucht oder kommen aus einer Klinik. Akutfälle sind nicht dabei, werden zuvor in der Klinik behandelt.

Wie aber sieht die Arbeit im Einzelnen aus, die Andreas Wöller und sein Team leisten? „Das ist ein komplexes Programm aus Psychotherapie, sozialpädagogischer Anleitung und Unterstützung sowie ergotherapeutischen Elementen“, erklärt der Mediziner. Dazu gehören Einzel- und Gruppentherapien, Sport-Ergotherapie, Freizeitpädagogik oder auch eine Anleitung zum Lernen, beispielsweise in Hausaufgabengruppen. Die Patienten wohnen dazu im Schnitt zwei bis drei Jahre im Landhaus.

Bewohner leiden auch unter Depressionen

Der Tagesablauf setzt sich so zusammen, dass nach dem Frühstück zwei Drittel der Bewohner in Schulen oder auch an einen Ausbildungsplatz gehen, während das verbleibende Drittel mit Ergotherapie beginnt, auf die eine Sportgruppe folgt. Danach gibt es eine weitere Ergotherapie, das Mittagessen und nachmittags nochmal zwei Stunden Ergotherapien. Alle Bewohner haben dabei sogenannte Wochenstrukturpläne, die eine Hilfestellung bei der Gestaltung des Tagesablaufs geben sollen. 44 Patienten sind es durchschnittlich pro Jahr, die dieses Angebot wahrnehmen. Und das in mittlerweile vier Häusern, die über die Jahre hinweg entstanden sind, nachdem es die ersten Jahre nur ein Haus gab.

Damit diese Menschen „ein intaktes, quasi familiäres Umfeld“ vorfinden, wie Wöller es nennt, gibt es etwa 60 Beschäftigte in der Einrichtung, die über das Wohl der Bewohner wachen. Beginnend beim Arzt und sich erstreckend über Psychologen, Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger, Erzieher, Ergotherapeuten bis hin zu den Beschäftigten des Sekretariats, Hausmeister, Buchhaltung, Köchinnen und Einkäufer. Ein kleines Unternehmen also, das von guter Organisation lebt. Und natürlich von den Erfolgen.

Integration in Beruf und Alltag

Und dann hat Wöller auch noch Worte des Dankes parat – an Schulen, Vereine und Ausbildungsbetriebe in Schongau und in der Umgebung. „Die sind maßgeblich daran beteiligt, unseren Bewohnern die Integration im Alltag und im Beruf zu ermöglichen.“

Und er fährt fort: „Es ist jedes Mal eine große Freude, junge Menschen dahingehend unterstützen zu können, einen Weg in ein neues Leben zu finden.“ Richtig schwierig werde es nur dann, wenn psychische und physische Erkrankungen zusammenfielen. Doch da zeige sich der große Zusammenhalt des Teams, „das immer gut zusammenhält, wobei jeder jeden unterstützt“.

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