Ein Blumenmeer wird – wie hier 2010 in Rosenheim – stets mit einer Landesgartenschau verbunden. Bei einer kleinen landesgartenschau muss es aber nicht immer so ausufernd mit Folgekosten sein. foto: marcus schlaf

Landesgartenschau: Schongau ist interessiert

Schongau - Eine Landesgartenschau in Schongau? Klingt wie ein schlechter Scherz. Doch der Stadtrat hat die Initiative von Heike Grosser, Kreisfachberaterin für Gartenbau, am Dienstagabend durchaus wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Wer bei einer Landesgartenschau an riesige Parks und überbordende Blumenbeete denkt, hat im Prinzip Recht. Doch das gilt nur für die normalen Landesgartenschauen, die in Bayern alle zwei Jahre stattfinden. Im regelmäßigen Wechsel gibt es an ungeraden Jahreszahlen stets eine sogenannte kleine Landesgartenschau, die in deutlich bescheidenerem Rahmen stattfindet. Grosser hatte Anfang 2012 die Initiative ergriffen und wollte ausloten, ob sich eine der fünf großen Kommunen im Landkreis für so eine kleine Landesgartenschau im Jahr 2021 bewerben will. „Sie eröffnet die Chance, Ortsbereiche attraktiver zu machen und Problemstellungen städtebaulich zu bearbeiten“, warb Landrat Friedrich Zeller in einem Brief an die Stadt Schongau. Man sehe die Chance, örtliche Strukturen deutlich und dauerhaft zu verbessern und die durchführende Gemeinde in weitem Umkreis bekannt zu machen.

Während Peiting ohne große Diskussion abgelehnt hat und Penzberg die Angelegenheit gestern diskutierte, hat Weilheim bereits sein Interesse bestätigt (siehe unten). „Deshalb sollten wir uns eine Meinung darüber bilden“, sagte Stadtförster Klaus Thien, der sich als Anhänger der Idee outete. Die bisher letzte Landesgartenschau in Oberbayern sei 2010 in Rosenheim gewesen, deshalb habe eine oberbayerische Kommune 2021 gute Chancen, an die Reihe zu kommen. Das Thema werde in Schongau seit 20 Jahren diskutiert, aber immer intern, nie öffentlich.

Thien hat sich schon Gedanken gemacht und könnte sich gemäß dem Motto „Natur in der Stadt“ vorstellen, die Schau rund um die Altstadt und am Lech zu positionieren. „Mit einem guten Gesamtkonzept könnte man eine Infrastruktur schaffen, die sonst nicht zu bewerkstelligen wäre“, sagte Thien. Sollte der Stadtrat einer Bewerbung grundsätzlich zustimmen, sei das noch nicht mit Kosten verbunden. Und Kosten bis zur Höhe von 1,6 Millionen Euro würden mit 50 Prozent staatlich gefördert. „Geschätzt 250 000 bis 350 000 Besucher werden zu so einer Schau, die auf zwölf Wochen Dauer begrenzt ist, erwartet“, sagte Thien. Natürlich gebe es viele Konkurrenten, ergänzte Grosser, und es sei sehr viel Arbeit. „Aber Städte, bei denen alles in Ordnung ist, bekommen auch keine Landesgartenschau. Wenn dagegen viel im Argen liegt, kann man damit einiges erreichen“, sagte Grosser. Auf die Frage von Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl, wer denn bei mehreren Interessenten aus dem Landkreis sich letztlich bewerbe, wollte und konnte sie noch keine Antwort geben. „Da müssen wir erst ausloten, wo die besten Chancen bestehen, und so weit sind wir noch nicht.“

Gerbl findet es natürlich positiv, wenn man sich überregional präsentieren kann. Doch er fürchtet die Kosten, zumal die Stadt unter anderem mit dem Schulzentrum riesige Projekte in den nächsten Jahren stemmen muss. Er hat sich beim Bürgermeister von Rain am Lech erkundigt, das 2012 die Landesgartenschau ausgerichtet hat, und erfahren, dass die Stadt letztlich 1,2 bis 1,5 Millionen Euro allein tragen musste.

Das Geld war auch die zentrale Frage von CSU-Fraktionschef Michael Eberle, doch da konnte ihm Grosser noch nicht viel sagen. „Für die Bewerbung reicht theoretisch erst einmal ein Ideenkonzept, das kann notfalls mit gutem Personal auch selbst erarbeitet werden.“ Robert Bohrer (SPD) fürchtet allerdings, dass so eine Veranstaltung für Schongau eine Nummer zu groß ist. „Auf 3000 bis 4000 Gäste pro Tag ist unsere Gastronomie doch gar nicht eingestellt, und wo sollen die alle parken?“ Er sehe auch die Folgekosten, sagte er skeptisch, und Stephan Hild (UWV) pflichtete ihm bei. Zwar seien acht Jahre noch eine Menge Zeit, doch fehlen ihm Informationen, weshalb er Bohrers Vorschlag aufgriff, Verantwortliche der Landesgartenschau einzuladen.

Laut Grosser müsse für eine Landesgartenschau keine zusammenhängende Fläche präsentiert werden, da gebe es viele Möglichkeiten. Die Flächen, die Thien sich vorstellen könnte, seien 15 Hektar und damit weit größer als bei vergangenen Schauen. Bettina Buresch (ALS) und Ilona Böse (SPD) sahen denn auch viele positive Aspekte und Chancen bei einer Bewerbung, „das sollten wir in Angriff nehmen“. Auch Peter Blüml (CSU) schlug eine intensive Prüfung vor: „Wenn wir wissen, wie hoch der Aufwand ist, können wir eine Entscheidung treffen.“

Boris Forstner

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