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Die Litzauer Schleife – hier darf der Lech noch ein Wildfluss sein, mit Kiesbänken und großer Artenvielfalt.

Filmemacher Heinz Förder

Der Lech – gefürchtet, geliebt, gefangen

Schongau - Wenn man in die Geschichte des Lechs eintaucht, wird man traurig. So auch nach dem Betrachten des Films „Der bayerische Lech – gefürchtet, geliebt, gefangen“ des Augsburger Filmemachers Heinz Förder. Auf Anlass der Umweltinitiative Pfaffenwinkel wurde der Film im Sparkassenforum in Schongau gezeigt.

Dass den Bürgern „ihr“ Fluss am Herzen liegt, zeigte der große Andrang – der Saal war zum Bersten gefüllt. „Vor 20 Jahren war noch nicht so viel Resonanz da, wenn man auf die Problematik des Flusses aufmerksam machen wollte“, stellte Hans Schütz zur Begrüßung fest. Der gebürtige Lechbrucker hat schon mehrere Bücher über den Lech geschrieben und freute sich über die hohe Besucherzahl. „Es gibt einen Lechhöhepunkt“, sagte er.

Der Filmemacher selbst gab zu Beginn einige kurze Erklärungen zum Film ab. So hab er sich auf den „bayerischen Lech“ konzentriert. Von Österreich kommend, würden zwei Drittel des Flusses dann durch Bayern führen. „Ich habe dabei viel gelernt“, erklärte Förder. Der rund 50-minütige Film ist aber nicht nur äußerst lehrreich. Mit viel Gespür für die Details, mit imposanten neuen Aufnahmen und auch gespickt mit alten Fotos, verdeutlicht Förder seine Liebe zum Lech.

In Bayern ist er zu Ende, der wunderschöne Wildfluss. Dort zwischen den Allgäuer Alpen und Tirol darf er sich noch so richtig austoben. Er führt Kies und Schotter mit sich und sucht sich bei Hochwasser neue Wege. Ein für die Verbreitung der Artenvielfalt sehr wichtiger Vorgang. Nach der Grenze zu Südbayern stürzt der Fluss ab – und das in zweierlei Hinsicht. Zwölf Meter hoch ist der Lechfall, ein Stauwehr am südlichen Stadtrand von Füssen. Und damit beginnt auch der eigentliche Abstieg des einstigen Wildflusses. Der Lech wird nun zu einem Energieproduzenten versklavt. 31 Kraftwerke zerschneiden den Fluss bis er bei Marxheim in die Donau mündet. Die Wasserkraft keines anderen Flusses in Deutschland wird so genutzt, wie die des Lechs. „Der Brennstoff ist ja kostenlos“, heißt es in dem Film.

Filmemacher Heinz Förder bei seinem Lech-Vortrag.

Das erste Wasserkraftwerk ging schon 1901 in Gersthofen in Betrieb. Und der ständig steigende Strombedarf führte zu immer weiteren Kraftwerken. 1951 begann das Projekt Lechspeicher. Es wurde mit dem Bau einer Talsperre begonnen, dem heutigen Forggensee. Dazu wurden 1954 die Ortschaften Brunnen, Forggen und Deutenhausen überflutet. Einmalige Biotope wurden dabei unwiderruflich zerstört. Wo einmal hunderte verschiedener Schmetterlingsarten, sehr selten Pflanzen wie Orchideen, Almrausch und Enzian zu finden waren, liegt heute ein künstlicher See. Im Sommer lockt er Touristen an, im Winter ist er durch das zur Energiegewinnung erforderliche Absenken des Wassers ein hässlicher Anblick.

Umweltschützer konnten damals verhindern, dass die Staustufe fünf bei Schongau gebaut wurde. Hier ist die sogenannte Litzauer Schleife erhalten geblieben. Der Lech darf wieder ein kleines Stück Wildfluss sein, mit Kiesbänken und einer Artenvielfalt an Flora/Fauna, die man sonst eher im österreichischen Teil des Lechs findet. Aber man tut auch heute etwas für den Lech. „Die Probleme sind erkannt“, heißt es im Film. Viele Gebiete um rund um den Fluss sind naturgeschützt. Man arbeitet mit Schaf- und Kuhbeweidung. Man will durch Kiesverlagerung vor allem im Raum Augsburg verhindern, dass der Lech sich nach der Staustufe 23 weiter eintieft und letztendlich zum Grundwasser durchbricht. Dazu wurde „Liccer liber – der freie Lech“ gegründet, ein Projekt, das sich mit der Renaturierung des Lechs befasst. „Oh Lech, welch Pech“ hörte man noch am Ende des Films. Ein Gedicht von Hans Schütz brachte die Tragik des Lechs auf den Punkt.

Regina Wahl-Geiger

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