+
Die Vorreiter beim Leonhardiritt in Schongau: Von links Franz Reßle sen., Franz Reßle jun. und Thitikorn Pramchuen.

Eine Tradition blüht  auf

Leonhardiritt gewinnt an Bedeutung in Schongau

Schongau - Bayernland ist wahrlich Leonhardiland. So könnte ein Slogan über den Eindruck lauten, wenn man in den späten Vormittagsstunden am Samstag der Altstadt von Schongau einen Besuch abstattete. Prächtig herausgeputzte Pferde, gepflegte Kutschen, Reiterinnen und Reiter hoch zu Ross in ihren Trachten, goldgelb schimmerndes Laub – Szenen wie aus dem Bilderbuch.

Einmal mehr bot diese Kombination ein farbenfrohes Bild beim traditionellen Leonhardiritt. Und Petrus spielte perfekt mit.

 Schon von weitem ist das Hufgeklapper am Frauentor zu hören. Die Reiter sind im Anrücken. Initiator Franz Reßle sen. hat gerufen, und sie sind aus allen Himmelsrichtungen gekommen, um in Schongau am traditionellen Leonhardiritt teilzunehmen. Ein beeindruckenter Moment: Die drei Vorreiter Franz Reßle sen., Thitikorn Pramchuen und Franz Reßle jun. reiten durch das Frauentor. Franz jun. trägt als Mittelreiter das Kreuz, darüber breitet Maria auf dem gemalten Bild auf dem Torbogen ihren Mantel schützend über Mensch und Tier aus. Nicht inszeniert, einfach Momente, die „von oben“ gesteuert sind. Ein Augenblick zum besinnlichen Innehalten.

Oben in der Christophstraße reihen sich die Kutschen ein. Landrätin Andrea Jochner-Weiß mit Bürgermeister Falk Sluyterman und den beiden Sparkassen-Vorständen Alexander Schmitz und Michael Lautenbacher als Quartett winken den Zuschauern aus der Ehrenkutsche von Klement Kölbl aus Forst zu, daneben als Braxer Stefan Kassebaum. Diakon Hans Steinhilber hat schon einen gewissen Vorsprung. Er reitet hoch zu Ross hinter dem Kreuzträger. Die beiden Pfarrer Norbert Marxer und Hartwig Obermüller haben in der Pfarrerkutsche „Viktoria“ ihren Platz gefunden, sicher kutschiert von Stefan Erhard mit seinem Braxer Reinhard Bock. Diesem wurde die ehrenvolle Aufgabe aus einem ganz besonderen Grund übertragen. Reinhard Bock kommt seit 30 Jahren aus Ahlsfeld in Hessen angereist, um in Burggen am Rosstag dabei zu sein. Und wer so pferdenarrisch ist, hat diesen Braxerplatz wahrlich verdient.

Der Gottesdienst wie ihn sich Franz Reßle gewünscht hat: Alle miteinander hoch zu Ross mit Blick auf den Altar. Seitlich mit einbezogen die Gäste, das Miteinender im Mittelpunkt. Pfarrer Marxer erinnert in seiner Predigt an die alte Tradition des Leonhardiritts, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Dabei betont er, dass schon damals der ehemalige Einsiedler Leonhard die Kraft des christlichen Glaubens erkannt hat. „Der Heilige. Leonhard ist ein Mann Gottes und Zeuge eines ungebrochenen begeisterten Glaubens“, so Marxer. Der Gottesdienst wird musikalisch durch die Stadtkapelle unter der Dirigentin Barbara Schmid umrahmt. Marschmusik zum gemeinsamen Umritt durch die Altstadt. An der Pfarrkirche segnet Pfarrer Norbert Marxer die Vorbeireitenden. Dazu der Regimentsgruß der Stadtkapelle. Im Kastenwagen eine wahrlich kostbare Fracht. Die Trachtenfrauen werden von Reinhard Bair aus Tannenberg durch Schongaus Straßen kutschiert. Die reiferen Damen tragen den Schalk, die Frauen Festtagstracht. Nicht zu vergessen die Ministranten, die allesamt in der Wagonette Platz gefunden haben. Christian Schmid aus Peiting hält die Zügel fest in der Hand, Franz Multerer hat daneben den Überblick über die Lausbuben Gottes. Dahinter der Strauß Michi aus Deutenried, der die Ehrenkutsche der Austragler lenkt. Neben ihm Andreas Seelos. In dieser Kutsche hätte auch Josef Reßle einen ihm würdigen Platz gefunden. Man erinnere sich an ihn, der leider vor zwei Jahren verstorben ist. 1979 hat er mit ganzen vier Pferden dem Leonhardi Ritt in Schongau Leben eingehaucht, heute ist die Veranstaltung „eine beeindruckende, bärige Sach, bei der Tradition ganz groß gelebt wird“, so Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Sie ist in diesem Jahr das zweite Mal in Schongau dabei und ist von den Trachten geradezu begeistert. Und natürlich auch von der „Baronin“, die ihre Kutsche so ruhig mitgezogen hat. Da gibt’s extra Streicheleinheiten von der Landrätin.

Bürgermeister Sluyterman sieht in der Tradition eine fantastische Bereicherung für die Stadt. Ihren ersten Ritt in Schongau hoch zu Ross hat Ramona Möhrle mit Bravour absolviert. Für die 17-Jährige war es nicht nur wunderschön, sondern auch aufregend, hoch zu Ross an den Zuschauern vorbei ihre Heimatstadt zu betrachten. Neben ihr Nicole Wöhnl (15), die noch im vergangenen Jahr auf einem Pony saß und jetzt eine Stufe höher geklettert ist. Dahinter Sandra Mayr (16) mit ihrem Vater Hermann (gute 40) aus Rottenbuch. Für beide ist es eine Selbstverständlichkeit, mit ihrer Teilnahme die Schongauer Freunde zu unterstützen.

Und Organisator Franz Reßle? Seine leuchtenden Augen verraten eigentlich alles. Er erinnert, dass die Rösser über Jahrhunderte treue Helfer der Menschen waren. „Deshalb haben sie unsere Wertschätzung verdient.“ Dabei hebt er hervor, wie großartig er es findet, dass gerade die Jugend diese Tradition weiter pflegt.

Bilder: So schön war Leonhardi in Schongau

Hans-Helmut Herold

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Von Lichterglanz und süßen Düften

Schongau – Weihnachtsmarkt in Schongaus guter Stube. 18 Tage lang können sich Besucher an all den geschmückten Buden vorweihnachtlich verwöhnen lassen. Am erste …
Von Lichterglanz und süßen Düften

Falsche 50-Euro-Scheine am Schongauer Weihnachtsmarkt

Schongau – Am Schongauer Weihnachtsmarkt sind beim Eröffnungsabend am Donnerstag zwei falsche 50-Euro-Scheine in Umlauf gebracht worden.
Falsche 50-Euro-Scheine am Schongauer Weihnachtsmarkt

Besinnliche Klänge und Gerd Anthoff

Weilheim-Schongau – Viel Musik liegt in der Luft: Das Wochenend-Programm im Schongauer Altlandkreis ist nicht nur dank Blasmusik vollgepackt bis oben hin.
Besinnliche Klänge und Gerd Anthoff

Weihnachtsbeleuchtung für Stadt teurer

Schongau - Auch in diesem Jahr wurden die Schongauer Unternehmen um einen Beitrag zur weihnachtlichen Inszenierung der Schongauer Altstadt gebeten. Zwar ist die Zahl der …
Weihnachtsbeleuchtung für Stadt teurer

Kommentare