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Ein dickes Loch klafft in der Wand der Turnhalle, wo eben noch das Uhrenbild prangte. Es wurde im Bild rechts abgestellt.

Monumentales Wandbild in Schongau gerettet

Cobi Reiser-Uhr tickt jetzt nebenan

Schongau - Nach dem finanziellen Spenden-Endspurt um die Rettung des monumentalen Uhrenbildes von Cobi Reiser an der Grundschul-Turnhalle war die Frage: Kann das tonnenschwere Kunstwerk unbeschädigt gerettet werden? Denn so eine Aufgabe war selbst für die Spezialisten der Firma Josef Feiler Neuland.

Das Szenario auf dem Areal der Staufer-Grundschule gleicht einem großen Freilufttheater. Die Bühne mit den Kulissen strahlend von der Sonne beleuchtet, die Akteure stehen für ihren Auftritt bereit, die Rollen sind festgelegt. Nicht zu vergessen, die Zuschauer. Sie haben im ersten Stock der angrenzenden Schule Platz genommen, wollen unbedingt dabei sein. Schließlich ist es eine einmalige Sache, wenn das mächtige Uhrenmosaik aus der Wand geschnitten wird. Schussbereit die mitgebrachten Kameras und Smartphones. Eine stille Dokumentation vom Logenplatz aus für die Ewigkeit.

Chef steuert den Kran persönlich

Das Schauspiel beginnt. Punkt 13.30 Uhr am Freitagnachmittag fährt der mächtige 120 Tonnen-Autokran der der Firma Albrecht aus Etting auf die Bühne. Andreas Albrecht persönlich steuert das Gefährt, er will bei diesem Akt dabei sein. Mittels Maßband wird der Punkt festgelegt, wo Albrecht mit seinem Monster stehen muss. Exakt zwischen dem Wandmosaik und der dafür neu gebauten Plattform am Rande des Grundstücks.

Während der Begleittransporter mit den Gegengewichten für den Kran auf das Gelände steuert, hat Firmenchef Josef Feiler noch ein paar Ruheminuten für Erklärungen. Die Vorbereitungen für diese Rettungsaktion dauerten eine Woche. Dort, wo das Wandmosaik bis zur Wiederverwendung am Rande des Grundstücks lagern soll, wurden zwei Fundamente betoniert und darauf Querbalken verschraubt. Dicke Brummer, denn das Mosaik hat ein errechnetes Gewicht von 15 Tonnen. Dazu kommen drei Tonnen der vorbereiteten Trägerschalung aus 76 Dokas und zehn Balken. Von den 17 Spindelschrauben mit Spannschlössern ganz zu schweigen.

Mittlerweile ist es 14.25 Uhr. Der erste Probelauf nur mit Eisenketten und Bändern. Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Konzentration von Kranführer Andreas Albrecht macht sich durch gesteigerten Zigarettenkonsum bemerkbar. Diese Steigerung ist auch bei Stephen Elzbeck und Michael Naumov zu erkennen. Die beiden Männer, die schon die acht Tierbilder aus den Wänden gesägt haben, tätigten während der Woche alle Vorarbeiten an der Wand. Zwei Decken mussten von der Wand abgetrennt, das Dach über dem Mosaik entfernt werden. Alles Wundertüten – man wusste nie, was alles zum Vorschein kommt. Erst dann konnte der Betonklotz im Unterbereich mit Querschnitten abgesägt werden. Das Abstützen forderte ebenfalls absolute Genauigkeit. „Wenn du die Seitenschnitte machst und das Ding ist nicht stabil, dann ....“, sagt Michael und programmiert seine Sägefernbedienung.

Warten auf den letzten Schnitt

Alles ist fertig für den letzten Schnitt. Kranführer Albrecht geht auf Spannung. Hebt die vorher berechneten 18 Tonnen an. Als Naumov beginnen will, unterbricht Kollege Elzbeck. Dringender Telefonanruf. Das Gesicht angespannt, alle Blicke sind ihn gerichtet. Dann ein erleichtertes Lächeln: „Es ist ein Junge, er heißt Samuel.“ Gratulation, Elzbeck ist zum ersten Mal Opa geworden. Und das mitten in einer anderen schweren Geburt.

Jetzt geht’s um Alles oder nichts. Lustspiel oder Tragik. Wie auf der Bühne. Naumov hat nochmals alles Einstellungen in der Fernbedienung überprüft. Zum dritten Mal, zur mindestens fünften Zigarette. Er lässt die Säge laufen. Die Zuschauer bekommen Futter für ihre Kameras. Alle Mitarbeiter sind ein eingespieltes Team im letzten Akt.

So richtig hat es eigentlich keiner mitbekommen. Nur der Kranführer hat den letzten kleinen Ruck verspürt. Die Trennung ist erfolgt. Albrecht hat alles am Haken. Zwar noch eine Tonne schwerer, aber bombenfest. Mit Fingerspitzengefühl hebt er die nun 19 Tonnen aus der Wand. Zentimeter für Zentimeter. Nichts abgebrochen, nichts beschädigt, alles perfekt. Es dauert noch gute eineinhalb Stunden, bis der Block auf dem provisorischen Fundament aufgesetzt und verzurrt ist. Dann kann der Beifall der Zuschauer entgegengenommen werden.

Hans-Helmut Herold

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