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Mitwirkende beim Adventskonzert in der Stadtpfarrkirche Schongau.

Im Advent

Musik aus dem Herzen für die trostreiche Zeit

Schongau - Mit einem beeindruckenden Adventskonzert in der Schongauer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt hat sich die Reihe „Musik im Pfaffenwinkel“ aus dem Jahr verabschiedet.

Man sieht kleine Atemwölkchen aufsteigen in der kalten Stadtpfarrkirche. Auch wenn das Kirchenschiff bis auf den letzten Platz gefüllt ist, bleibt die Temperatur frostig. Selbst das so herzwärmende Musizieren wird daran am ersten Adventssonntag nichts ändern können. Mit klammen Fingern ist das Saitenspiel immer eine Herausforderung, vor allem die Intonation der Instrumente kann quasi ein Lied davon singen. Doch die vielen Mitwirkenden der „Musik im Advent“, veranstaltet von der Konzertreihe „Musik im Pfaffenwinkel“, sind unbeirrbar konzentriert und trotzen den ungemütlichen Temperaturen.

Anspruchsvoll im vierstimmigen Satz eröffnet das junge, gut geschulte Posaunenensemble der Musikschule Pfaffenwinkel im „Nun singet und seid froh“ den Nachmittag. Den nicht nur unter Volksmusikanten beliebten BR-Sprecher Johannes Hitzelberger hatte man als Moderator gewinnen können. Was für ein Glücksgriff. Denn nicht nur mit seinem bekannten Gitarrenduo pflegt er einen besonderen Stil. Er ist ein begnadeter Erzähler, der in seiner Textauswahl subtil zwischen heimeliger, aber nie klischeehafter Gedicht-Atmosphäre, ans Gemüt greifenden Erzählungen changieren kann. Er knüpft ein Band zwischen Tradition und heutigen Fragen, die er behutsam in eine spirituelle Waagschale legt.

Der alte Hirte spricht Allgäuerisch

Den alten Hirten Anderl in Bethlehem, den kleinen Buben im verpatzten Krippenspiel, alle seine Figuren entstehen direkt vor dem Auge der Zuhörer. Dass sein waschechtes Allgäuerisch ein Ohrenschmaus ist, gibt seine sehr persönliche Farbe noch obendrein.

Ideal gelingt es dem ganz in der Balance stehenden Peitinger Harfenduo, genau diese so wohlwollenden Gedanken fliegen zu lassen in der sanften Barbara-Weis oder dem Abend am See. Herrlich in seinem weichen, vollen Klang auch der Gemischte Chor im Pfaffenwinkel unter Leitung von Andreas Wiesmann. Was für eine schöne Geste, bei der Programmwahl auch auf von Joseph Kraus gesetzte Werke zuzugreifen. Im dynamisch fein abgestimmten Marien-Advent von Max Eham gelingt der Halleluja-Jubel so mitreißend, schallt eine Freude durchs Kirchenrund, die zum Erlebnis für alle wird. Den reinen Volksmusikcharakter dieses Traditionsnachmittags mit Werken der Wiener Klassik etwas aufzubrechen, damit ja durchaus auch an die Wurzeln zu erinnern, ist mit dem Streichertrio der Musikschule, das sich leichtfüßige Haydn-Menuette zu eigen macht, eine liebenswürdige Idee.

Französische Salonviruosität passt nicht richtig ins Programm

Kontrastreich im Programm auch Katharina Ehlich mit der von der Orgel begleiteten Querflöte, die mit einem tonschönen langsamen Danzi-Konzertsatz die Aufmerksamkeit an sich zieht. Ob es jedoch eine gute Idee war, französische Salonvirtuosität ins Programm zu integrieren, ist Geschmacksache. In einem Konzert, das vornehmlich dem gemeinschaftlichen Singen und Musizieren zugewendet ist, mit so viel Dominanz solistisch durchaus beeindruckend brillieren zu wollen, darf zumindest hinterfragt werden.

Dass Organist Andreas Wiesmann hingegen mit Stolz und geradezu triumphalen „Tochter Zion“-Variationen demonstriert, was für ein Klangwunder die 2012 eingeweihte Kaps-Orgel doch ist, kann gewiss jeder Schongauer Kirchenbesucher nachvollziehen. Während draußen ein getunter Motor aufheult, tastet sich das Musikschul-Streicher-Trio auf Zehenspitzen, ganz sacht und unprätentiös an das „Im Wald is so staad“ zu Thomas unvergesslichem Weihnachtsklassiker aus der „Heiligen Nacht“ heran. Auch die Illachtaler Soatnmusi fällt mit den „Anklöpfelweisen“ nicht mit der Tür ins Haus, sondern macht sich vorsichtig auf den Weg.

Hitzelbergers Texte und die Stücke fügen sich wie aus einem Guss. Natürlich muss auch der unbegleitete Sunnseitn Vierg’sang positive Erwähnung finden. Auch wenn die Mittelstimmen mitunter nicht immer ganz so klar und ausgewogen klingen wie Sopran und Fundament, tut es der Seele gut, hier abzulauschen, wieviel Achtung und Freude in den Liedern der Sängerinnen und Sänger wohnt. 

Dorothe Fleege


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