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Ein Stier (zu erkennen am Nasenring) drängt sich zwischen die Jungviehherde. Nicki Geisenberger, Landwirtschaftslehrling auf dem Hof von Thomas Bertl in Wildsteig-Ilchberg, hat sicherheitshalber einen Stock zur Hand.

Nach tödlichem Unfall 

So unberechenbar sind Stiere

Schongau - Stiere sind unberechenbar. Das hat der jüngste Fall aus Lechbruck gezeigt, bei dem am vergangenen Wochenende ein 48-jähriger Landwirt ums Leben gekommen ist. Vorsicht sei deshalb immer angebracht, raten Fachleute.

„So ein Stier entwickelt eine eigene Dynamik. Zuerst unterwirft er die Herde, dann knöpft er sich den Bauer vor“, berichtet der Wildsteiger Bürgermeister Josef Taffertshofer, selber Landwirt und Stierhalter. Allerdings hält sich der Stier bei ihm nicht auf der Weide, sondern in einem abgegrenzten Laufstall auf, in den hin und wieder Kühe hineingelassen werden, die dann im Natursprung besamt werden.

„Wenn der Stier den Bauer als Konkurrenten sieht, kann’s gefährlich werden“, weiß Taffertshofer. Und je älter die Stiere, desto argwöhnischer seien sie. Besonders bei Stieren auf der Weide müsse man aufpassen. „Die verstehen keinen Spaß“, bestätigt Taffertshofer.

Vor allem die schmusenden Stiere können brandgefährlich werden

BBV-Kreisobmann Wolfgang Scholz aus Sachsenried weiß ebenfalls um die Unberechenbarkeit von Stieren. Auch er hat einen im Stall stehen. „Vor allem die zutraulichen Stiere, die immer schmusen möchten, können verdammt gefährlich sein“, warnt Scholz. Und er weiß aus seiner Kindheit von einem Fall in Burggen. Da hat es einen Genossenschaftsstier gegeben, der immer ganz brav war und sich sogar von der Bäuerin führen ließ. Doch dieser Stier hat den Mann der Bäuerin später zu Tode gedrückt. „Ein ausgewachsener Stier kann bis zu einer Tonne schwer werden“, klärt der BBV-Kreisobmann auf.

Auf Gut Schildschwaig gibt es noch einen Stier, der sich mit der Herde im Freien aufhält. „Der ist anständig und lieb“, beschreibt Gutsverwalter Ferdinand Rommel den Zuchtbullen. „Ich bin jeden Tag draußen auf der Weide, der Stier hat mir noch nie was getan“, berichtet Rommel. Allerdings gibt er zu, dass eine gewisse Aufmerksamkeit schon angebracht sei und man den Stier, der mit der Herde mitlaufe, immer im Auge behalten sollte.

"Er hat furchtbar geschnaubt und wild mit den Vorderfüßen gescharrt"

Auch der Böbinger Naturschutzwächter Werner Schubert hat bei seinen Streifzügen in der Natur schon so manchen Stier auf der Weide erlebt. „Einer ist mal auf mich zugestürmt, er hat furchtbar geschnaubt und ganz wild mit den Vorderfüßen im Erdreich gescharrt“, erzählt Schubert, der sich zum Glück außerhalb der Umzäunung befand und somit einigermaßen sicher vor dem wilden Stier war.

„Jeder Stier hat einen anderen Charakter“, erklärt Xaver Eiband aus Burggen. Jahrelang stand bei ihm der Gemeindestier im Stall. „Ich habe jeden Tag Kontakt zu ihm gehabt, da baut sich ein ganz anderes Verhältnis auf, als bei einem Stier, der auf der Weide steht und seinen Besitzer nur selten sieht“, ist Eiband überzeugt. Auch er kennt einen Fall aus Burggen, wo ein Landwirt von einem Stier gegen eine Wand gedrückt worden ist und an seinen Verletzungen starb. „Das muss gar nicht bösartig gewesen sein, zeigt aber, dass man nicht vorsichtig genug sein kann.“

Auch hornlose Stiere können gefährlich sein

Bei Thomas Bertl in Wildsteig-Ilchberg läuft ebenfalls ein junger Stier mit anderen Rindern frei auf der Weide herum. Der schaut gar nicht so gefährlich aus. Liegt’s daran, weil er hornlos ist? Mag sein, „aber wir haben trotzdem Respekt vor ihm“, sagt Nicki Geisenberger aus Böbing, der als Landwirtschaftslehrling auf dem Hof von Thomas Bertl arbeitet.

Übrigens: Im Lechbrucker Todesfall gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Die Ermittlungen dauern noch an, doch geht die Kriminalpolizei in Kempten davon aus, dass es zweifellos der Jungstier war, der den Tod des 48-jährigen Lechbrucker Landwirts verursacht hat.

MG

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