Defekt: Seite Wochen funktioniert der Automat an der Christophstraße nicht. foto: bo

Nach Wut-Welle: Neue Parkautomaten

Schongau - Vergangenen Oktober hatte der Stadtrat den Komplett-Austausch aller Parkautomaten noch vertagt, weil man auf den City-Manager warten wollte. Das hat sich gerächt.

Weil gleich drei der antiken Apparate den Geist aufgaben, mussten sie einzeln gekauft werden. Jetzt wurden doch alle bestellt - allerdings ohne das von der Werbegemeinschaft beantragte Chip-System. 1994 kandidierte Rudolf Scharping gegen Helmut Kohl, Michael Schumacher holte seinen ersten Formel 1-Titel, vom Euro war noch lange nicht die Rede, und in Schongau wurden neue Parkscheinautomaten aufgestellt. Kohl ist längst Geschichte, Schumacher auch - nur sechs der Parkscheinautomaten stehen heute noch in Schongau. Die restlichen 14 der insgesamt 20 oberirdischen Automaten haben auch schon mindestens 14 Jahre auf dem Buckel, und das merkt man ihnen leider auch an: Regelmäßig behalten die Automaten Geld, ohne einen Schein auszuspucken, Münzen fallen einfach durch, Wasser läuft ein und ertränkt die Parkscheine - das ist nur eine kleine Aufzählung der Mängelliste, die Reinhold Jaser von der Stadtverwaltung im Stadtrat präsentierte.

Seiner Aussage nach spielen sich regelmäßig unwürdige Szenen ab, wenn aufgebrachte Autofahrer seine Mitarbeiter wüst beschimpfen, weil sie mehrere Automaten ausprobieren müssen und er im schlimmsten Fall doch einen Strafzettel bekommen. Der Automat an der Christophstraße ist bereits bestellt (4000 Euro), zwei andere am Lindenplatz und Marienplatz, die schon vorher den Geist aufgegeben hatten, bereits in Betrieb (7100 Euro) - jetzt bat Jaser, doch gleich alle Apparate auszutauschen. Man könne nicht warten, bis der City-Manager irgendwann einmal installiert sei, außerdem komme ein gemeinsamer Austausch billiger. Und auch die Kosten für Reparaturen würden wegfallen, vom Verdienstausfall wie in der Christophstraße (350 Euro pro Woche) ganz zu schweigen. Jaser rechnet für die verbleibenden 17 Parkscheinautomaten mit 60 000 bis 63 000 Euro.

Peter Blüml (CSU) versteht die Probleme, hatte aber selber welche damit, gleich alles neu zu kaufen. Es reichten doch erst einmal wenige mit Option, um sich Rabatte zu sichern. Denn vielleicht bringe der City-Manager andere Ideen, dann wären die Automaten nutzlos, so seine Überlegung.

Doch Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) sah keine Alternative, um die Besucher der Altstadt nicht weiter zu verärgern. Und sein Parteikollege Robert Bohrer bezweifelte, dass man bei den paradiesisch günstigen Parkgebühren in Schongau auch noch auf einige Automaten verzichten wolle. „Wichtig ist die Zuverlässigkeit, die Geschäftsleute bekommen den Ärger ja auch ab.“ Der Beschluss fiel letztlich mit fünf Gegenstimmen.

Überhaupt nicht debattiert wurde dagegen der Antrag der Werbegemeinschaft Altstadt, die die Automaten mit einem Chip-System ausstatten wollten. Die Chips würden an die Kunden verteilt, die dann in der Altstadt mit dem Chip beim nächsten Einkauf kostenlos parken können. „ich war überrascht, dass wir keine Info bekommen haben und unser Antrag nicht berücksichtigt wurde“, sagt Fritz Köpf, Vorsitzender der Werbegemeinschaft. Jaser sagte auf SN-Nachfrage, er habe das Thema nicht überfrachten wollen - ihm ging es vor allem um die neuen Automaten. „Die können problemlos mit dem Chip-System nachgerüstet werden“, versprach er. Damit gab sich auch Köpf zufrieden.

Boris Forstner

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