Maciej und Katarzyna Bienert mit ihren vier Töchtern beim gemeinsamen Mittagessen.

Nationalgericht Polens

Das Bigos von Familie Bienert

Schongau - Wie speisen eigentlich Deutschlands Gruppengegner? Zum zweiten Spieltag kocht für uns Familie Bienert – vor sieben Jahren total gefrustet aus Polen geflüchtet, mittlerweile so etwas wie die fleißigste Familie im Altlandkreis. Eine beeindruckende Geschichte.

Mit einer Therapie-Schule für suchtkranke und behinderte Kinder hat Familie Bienert zuhause in Polen viel Geld verdient. Nach dem Geschmack der Regierung offenbar zu viel. Ein neuer Chef des Finanzamts verlangt plötzlich Steuernachzahlungen über fünf Jahre, obwohl gesetzlich nie vorgeschrieben war, eine solch soziale Einrichtung derart hoch zu besteuern. Die Bienerts sind stinksauer. Sie wehren sich, ziehen zwei Mal vor Gericht. Doch die Macht des Finanzamts ist stärker.

Nachdem sie auch noch Morddrohungen erhalten, geben sie den Kampf auf. Sie bezahlen die geforderte Steuersumme nach, 37 Prozent Zinsen pro Jahr inklusive. „Das war wirklich unglaublich“, sagt Maciej Bienert mit einem Kopfschütteln. Dann nimmt er die silberne Gabel in seine linke Hand und schiebt genussvoll ein Stück Pierogi in den Mund. „Hmm“, seufzt er. Diese mit Hackfleisch gefüllten Maultaschen in Buttersoße schmecken köstlich.

Gekocht hat Bienerts Frau Katarzyna schon am Dienstagnachmittag. Nicht nur die Pierogi. Es gibt auch Bigos, das bedeutendste Nationalgericht Polens, ein Festessen für Arm und Reich. „Man kocht es zu Heilig Abend, Geburtstagen, Hochzeiten oder auch einfach auf Vorrat“, sagt Maciej. Die Grundzutaten sind Sauerkraut, Weißkohl, Rind- und Schweinefleisch sowie diverse Würstchen. Das alles landet in einem großen Topf und wird bei geringer Hitze gegart.

Pierogi sind mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, serviert mit Zwiebeln und Buttersoße serviert.

Doch zurück zur facettenreichen Geschichte der Bienerts, die aus Regierungs-Frust ihr polnische Heimat verlassen – in Richtung Italien. „Wie wollten dort ein Haus kaufen“, sagt Maciej. „Das war schon alles geplant.“ Dass sie in Italien nie ankommen, liegt letztlich an einer Autopanne bei Ingenried. „Dort hat uns eine sehr nette Familie geholfen, meine Frau hat dann gesagt, dass wir doch hier bleiben sollen.“ Überredet.

Die Bienerts bauen sich in kürzester Zeit ein kleines Imperium auf. Die Basis ist inzwischen ein Fensterhandel in Schongau-West: zehn Mitarbeiter, Arbeit weit über die Landkreisgrenze hinaus. Läuft. Zusätzlich referiert Maciej als Dozent für Erfolgs-Psychologie an Universitäten in München, Augsburg und Warschau. Außerdem ist er Teilzeit-Betreuer für Menschen in Herzogsägmühle, und – weil’s ihm besonders wichtig ist – Journalist für Fernsehen, Radio und Zeitung in Polen. Übrigens umsonst.

Woher nimmt dieser Mann diese Energie? „Das werde ich oft gefragt“, sagt er. „Meine Mutter war auch so fleißig, vielleicht habe ich das von ihr.“ Bienert braucht, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, nur vier Stunden Schlaf pro Tag. Das heißt: Während sich andere am Abend geschafft vor die Glotze hauen, fangen er und seine Frau, sofern alle vier Mädels im Bett sind, nochmals zu malochen an. „Man glaubt gar nicht, wie viel man von 22 bis 1 Uhr schafft“, sagt Maciej. Zum Beispiel die Büroarbeit, Videobeiträge für die Presse – oder Vorkochen polnischer Nationalgerichte.

Dass Katarzyna schon am Vortag Kraut, Fleisch und Würstchen im großen Topf gekocht hat, kommt nicht von ungefähr. „Bigos schmeckt am allerbesten, wenn es über längeren Zeitraum steht. Optimal wäre, es einmal am Tag für eine halbe Stunde aufzukochen.“ Wenn also das EM-Spiel Deutschland-Polen Geschichte ist, schmeckt das Bigos von Familie Bienert noch besser.

Unabhängig vom Ausgang der Partie? „Ganz ehrlich, uns interessiert nicht, ob ein Lewandowski mit dem Helikopter zur Mannschaft geflogen wird.“ Die Bienerts haben in ihrer großen Betriebsleiterwohnung in Schongau-West gar keinen Fernseher stehen. „Ich bin zwar selbst schon öfter im Fernsehen gewesen, schaue aber so gut wie nie“, sagt Maciej. Vor allem wegen des Programminhalts, der aktuen Verblödungsgefahr. Beispiel Bauer sucht Frau, das auch in Polen in aller Munde ist. Und bei Bienert nur Kopfschütteln auslöst. „Konsum macht nicht glücklich, nur die Begegnung mit Menschen.“ Vor allem, wenn es sich bei diesen Menschen um seine Frau Katarzyna und die vier Töchter handelt, die gemeinsam am Küchentisch sitzen und das seit Tagen gereifte Bigos genießen.

Bigos ist ein deftig nahrhafter Eintopft mit reichlich Sauerkraut und Weißkohl. sowie gegartem Fleisch und Würstchen.

Folgende Zutaten werden für fünf Portionen Bigos benötigt:

Ein großer Kopf Weißkohl, eine große Dose Sauerkraut, 500 Gramm Rind-, 500 Gramm Schweinefleisch, eine große Zwiebel, 150 Gramm Tomatenmark sowie reichlich Gewürze (Lorbeerblätter, Wacholderbeeren, Paprikapulver scharf und süß, Salz und Pfeffer).

Zunächst das Fleisch in Stücke schneiden, kräftig würzen und anbraten, danach im Backofen rund eine Stunde lang braten. Derweil Weißkohl stücken und in halbem Liter Wasser weich kochen. Außerdem Sauerkraut kochen und zum Weißkohl dazugeben. Danach gewürfelte Zwiebel, Lorbeerblätter, Wacholderbeeren, Tomatenmark und das gebratene Fleisch inklusive Bratensaft dazu geben und gut durchmischen. Alles zusammen noch rund eine Stunde köcheln und nochmals nachwürzen (sollte angenehm scharf sein). Ab und zu umrühren nicht vergessen, da wenig Flüssigkeit im Topf ist, kann es schnell anbrennen.

Grundsätzlich gilt: Je öfter man dieses Gericht aufwärmt, desto besser schmeckt es. Es ist daher hervorragend zum Einfrieren bzw. Einwecken geeignet. Vor allem die polnischen Bauern haben sich so auf harte Winter vorbereitet.

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