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Zum Schluss kommen alle Zutaten in den Topf mit Suppenbrühe. 

Nationalgericht der Ukraine

So kocht Deutschlands Auftakt-Gegner

Schongau - Wie speisen eigentlich die Gruppen-Gegner der Deutschen Nationalelf? Zum Auftakt kocht für uns Natalja Kasjanenko, geboren in Kiew, aufgewachsen in Schongau.

Deutschland gegen die Ukraine: Bei Natalja Kasjanenko (26) schlagen am Sonntagabend definitiv zwei Herzen höher. Die Schongauerin ist in Kiew geboren. Als sie zwei Jahre alt ist, packen ihre Eltern das Nötigste zusammen und machen sich als blutjunge Familie auf den Weg nach West-Deutschland. „Die wirtschaftliche Lage in unserer Heimat war damals schlecht“, sagt Kasjanenko. Erst, nach dem 1989 die Mauer fällt, ist der Weg in ein hoffentlich besseres Leben frei. Ihr Vater ist so mutig und nutzt die Gunst. Endstation: Schongau – eine Gegend, wo bis heute kaum Ukrainer oder Russen leben.

Für die Kasjanenkos ist das kein Problem. Sie schließen schnell neue Freundschaften, halten die ukrainischen Wurzeln einfach anderweitig aufrecht. Zum Beispiel durch das Lesen russischer Zeitschriften. „Mein Vater wollte auch unbedingt, dass ich seine Muttersprache lerne.“ Oder durch leckeres Kochen. Traditionell ukrainisch, klar.

Natalja Kasjanenko bereitet schon mal die Kartoffeln zu. 

Borschtsch heißt eines der kulinarischen Lockmittel, mit dem Kasjanenkos Mutter ihre Tochter in aller Regelmäßigkeit aus München – lebt und arbeitet inzwischen dort – zurück nach Schongau lockt. Borschtsch? „Das ist das Nationalgericht der Ukraine.“

Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Weißkohl, Rindfleisch und – ganz wichtig – Rote Bete sind die Zutaten. „Daher auch die rötlich lilane Farbe.“ Letztlich landet all das gut gekocht, gegart und geschnitten in einem Topf mit reichlich Suppenbrühe.

Obwohl die Zutaten allesamt auf ukrainischem Boden wachsen, daher vor allem den armen Bauern als überlebenswichtige Grundnahrungsmittel dienen, kommt diese Rote-Rüben-Suppe meistens nicht als Hauptgericht auf den Tisch. „Egal, was es bei uns zu Essen gibt, der Borschtsch wird wenn dann als Vorspeise serviert“, sagt Kasjanenko.

So auch am Sonntagabend, wenn Kasjanenko gemeinsam mit Mama und Papa vor dem Fernseher sitzt und leidenschaftlich mitfiebert. Die Frage ist nur: Für wen eigentlich? Eher die deutsche, oder die ukrainische Elf? „Bei uns ist es Tradition, nach jedem Tor der Ukrainer ein Stamperl Wodka zu trinken“, sagt sie mit breitem Grinsen im Gesicht. Ob ihr der Vollrausch lieber ist als ein klarer Favoriten-Sieg, weiß sie selbst nicht so recht. Fakt ist: Ein Punkt gegen den Weltmeister wäre für die Ukrainer eine große Überraschung. Und Europameister wird von diesen beiden Mannschaften so oder so keiner. „Ich schätze diesmal Frankreich und Spanien am stärksten ein.“

Russen und Ukrainer im Clinch - Borschtsch ist unser Nationalgericht!

Abgesehen davon haben die Ukrainer aufgrund der angespannten politischen Lage mit Russlands Putin ohnehin ganz andere Sorgen. Das liegt mit Sicherheit auch am ausgeprägten Nationalstolz der Bürger beider Länder. Gestritten wird sogar über den Ursprung der Nationalgerichte. „Die Ukrainer behaupten, der Borschtsch kommt aus der Ukraine. Die Russen, aus Russland.“ Woher das Gericht wirklich stammt? „Man vermutet, dass es sich durch die UdSSR-Zeit in den osteuropäischen Ländern verbreitet hat.“ Und dank Wirtschaftsflüchtlingen wie Familie Kasjanenko es sogar bis nach Schongau geschafft hat.

Obwohl die Städte Kiew und Schongau stolze 1865 Auto-Kilometer voneinander entfernt sind, ist das ukrainische Nationalgericht hierzulande auch gar nicht so fremd. „Es schmeckt so ähnlich wie Hühnersuppe, sieht nur anders aus“, verrät Kasjanenko.

Eine gesunde Suppe also, gut gewürzt, aber keinesfalls zu scharf. Und für Kasjanenko die perfekte Vorspeise ihres wahren Lieblingsgerichtes. „Pelmeni, das sind mit Hackfleisch gefüllte Teigtagschen, gern gegessen mit Schmand.“ Klingt auch nicht schlecht. An dieser Stelle: Guten Appetit. 

Das Rezept

Für den klassisch ukrainischen Borschtsch werden – für vier Personen – folgende Zutaten benötigt:

500 Gramm Rindfleisch, fünf große Zwiebeln, drei große Karotten, eine Sellerie, drei große Kartoffeln, eine große Rote Bete und ein Kopf Weißkohl. Außerdem drei Knoblauchzehen, etwas Petersilie und Dill sowie einen Becher Schmand.

Die Zubereitung:

Zunächst Fleisch, drei Zwiebeln, und zwei Karotten sowie Sellerie in gesalzenem Wasser kochen, bis das Rindfleisch zart ist. Ist die Suppenbrühe fertig, Fleisch und Gemüse aus dem Topf nehmen.

Derweil die restlichen Zwiebeln schneiden und in Öl goldbraun anbraten. Anschließend (in dieser Reihenfolge) eine fein geschnittene Karotte, sowie die fein geschnittene Rote Bete in die Pfanne geben. Fünf Minuten später kleingehackten Knoblauch dazutun. Wer möchte, kann jetzt noch Tomaten oder Tomatenmark in die Pfanne rühren – die Basis für den Borschtsch ist geschafft.

Nun gestückeltes Fleisch, angebratenes Gemüse, gestückelte Kartoffeln und geschnittener Weißkohl in die Suppenbrühe geben und rund 20 Minuten kochen lassen. Zum Schluss Dill und Petersilie in den Topf werfen, salzen und pfeffern nicht vergessen – je länger er anschließend noch steht, desto besser schmeckt er.

Wieder aufgewärmt, wird der Borschtsch letztlich in Suppentellern und einem Klecks Schmand serviert. Guten Appetit!

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