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Das ehemalige Frauenzimmer in der Löwenstraße soll zweimal im Monat zum Esszimmer umfunktioniert werden.  Die Premiere mit literarischen Erklärungen von susanne Amberg (l.) war ein voller Erfolg.

Neue Aktion von Schongau belebt

Frauenzimmer wird zum Esszimmer

Schongau - Es war der Probelauf einer Idee, die im Advent geboren wurde. Damals hatte Sternekoch Christian Loisl bei Maria Mader im Modegeschäft Frauenzimmer als Aktion für „Schongau belebt“ live Plätzchen gebacken. Jetzt folgte Loisls zweiter Streich: ein Acht-Gänge-Menü im „alten“ Frauenzimmer.

Die zarten Plätzchen mussten damals eine Initialzündung ausgelöst haben. So ist es zu erklären, dass Christian Loisl wieder zu einem Gastspiel in die Lechstadt gekommen ist. Aus dem Gastspiel soll jedoch eine feste Einrichtung werden, eine weitere Erfolgsgeschichte von „Schongau belebt“.

Die Idee von Loisl war, an zwei Tagen im Monat das alte Frauenzimmer in der Löwenstraße zum Esszimmer umzufunktionieren. Geburtshelfer waren Maria und Rupert Mader, die ihre Räume zur Verfügung stellen. Wechselnde Themen auf der Speisekarte werden für lukulische Vielfalt sorgen. Fisch, Wild und auch exotische Speisen sollen die Gäste verführen. Dazu ein literarisches Schmankerl. Christian Loisls Partnerin Susanne Amberg wird passend zu jedem Gang humorvolle Erklärungen vorlesen. „Gerichte mit Geschichte“, charmant vorgetragen.

Christian Loisl (oben) in der Küche.

Wie aus Fliegendeckeln Tapas wurden

Je 25 Personen kamen in den Genuss der ersten beiden Abende. Loisl zauberte zu dieser Premiere kostenlos, die Spenden der Gäste kommen dem Schülerhort Schongau zugute. Doch seine Zauberei ist keine Hexerei, Loisl lässt sich dabei gerne über die Schulter schauen. Für ihn ist Kochen nicht nur Arbeit, sondern Leidenschaft und Liebe zu den Produkten. Während er bei den Zubereitungen in der Küche wirbelt, hat Susanne Amberg vor den Gästen Platz genommen. Nach dem Aperitif als Overtüre des Abends stellt die gelernte Buchhändlerin die Gäste auf spanische „Fliegendeckel“ ein. Es sind Tapas, die im Ursprung die Hirten zum Schutze ihrer mit Wein befüllten Gläser obenauf legten. Diese einfachen Deckel entwickelten sich zu raffinierten Köstlichkeiten. „Tapas zu essen ist wohl die schönste Art, Alkohol zu trinken“, so der literarische Hinweis von Susanne. Dazu ein trockener Weißburgunder, wohl bekommt’s.

Dschinghis Khan gesellt sich zu den Gästen. Literarisch gesehen. Er und seine wilden Tataren sollen ihr Fleisch vor dem Verzehr unter ihren Sättel weich geritten haben. Nicht so Christian, er benutzt eine uralte Technik. Er dreht seinen Fjiordlachs durch den Fleischwolf. Daraus zaubert er Lachstatar. Serviert auf einem Klecks Creme fraiche, mit Limetten abgerundet. Ein Zungenschnalzer.

Tabasco, Pfeffer? Nein, Chili ist der Gaumengau

„Was ist eigentlich scharf? Wie müsste man Schärfe beschreiben?“, fragt Susanne in die Runde der schon gut angeheiterten Gäste. Tabasco, Pfeffer? Nein, Chili ist der Gaumengau. Das Fegefeuer frisst sich durch die Speiseröhre. Jetzt wird es wirklich heiß, sauheiß. Was harmlos wie „Energiesüppchen vom Gemüse mit Zitronengras und Ingwer“ klingt, entpuppt sich als „gebratene Garnelen mit Tomatenwürfel und Gin“.

Das Feuerwerk für Gaumen und Sinne geht in die nächste Runde. Das Zauberwort: Basilikumsorbet. So müssen kalte Küsse von heißen Engeln schmecken. Olivenöl und Basilikum Piccolino verfeinern die Creme fraiche-Unterlage.

„King Crin“, ein Vino Rosso, lockert die Gespräche. Man stimmt sich auf den Hauptgang ein. Die weiblichen Gäste dominieren mittlerweile durch Lachsalven im stimmlich hohen Frequenzbereich. Die tieferen Oktaven der Männer geraten ins Hintertreffen. Ungezwungen, heiter, charmant, „so soll Esszimmer!“ Dem Hausherrn Rupert Mader gefällt’s, „so könnte es jede Woche sein“.

Napoleon spielt auch noch eine Rolle

Napoleon Bonaparte kommt jetzt zu Ehren. Jedenfalls hatte er bei dem nächsten Gang seine Finger im Spiel. Ein geklautes gerupftes Huhn stillte damals seinen Hunger. Ostwärts von Turin, genauer gesagt in Marengo. Das hat so eingeschlagen, dass dieses Gericht 1820 erstmals in einem Pariser Lokal als Zugpferd serviert wurde. „Hähnchen a la marengo“.

Käse schließt bekanntlich den Magen. Aber doch nicht „ein von Salzletten durchstoßenes Scheibletten-Quadrat“, wie es Susanne amüsant formuliert. Hier ist es ein Camembert mit Trüffel-Honig und Ananas Apfel Chutney. Darauf wenige Tropfen Himbeer-Essig – der Hammer.

„Schon unser guter Wolfgang von Goethe wusste zu schätzen, wie hilfreich Rhabarber bei Stuhlverstopfung hilft“, so die literarische Version des vorletzten Schmankerls. Christian liefert die lukulische Version. Topfenknödel mit Rhabarber und Erdbeeren. Der Moscato di Asti das i-Tüpfelchen. Kann es wirklich noch eine Steigerung geben? Ja: Selbst gefertigte Pralinen zum Espresso. Bleibt nur noch die Frage: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“

Wer sich anmelden will, kann sich unter susanne.amberg@t-online.de Informationen mailen lassen.

Hans-Helmut Herold

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