Fünf Knöpfe muss Fritz Kaletta drücken, wenn aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle weißer Rauch aufsteigt. foto. Can

Mesner sind bereit

Für den neuen Papst läuten die Glocken

Schongau - Sie müssen jetzt immer auf Abruf sein - die Mesner im Schongauer Land. Die Wahl des neuen Papstes bringt ihren Alltag ein wenig durcheinander. Steht ein Ergebnis fest, müssen die Kirchenpfleger nämlich richtig laut werden.

Ein Schornstein steht momentan im Fokus der ganzen Welt. Der Schornstein der Sixtinischen Kapelle in Rom. 115 Kardinäle sind zusammen gekommen, um einen neuen Papst zu bestimmen. Der erste Wahlgang ist bereits vorüber. Ob ein Ergebnis feststeht, zeigt der Schornstein. Weißer Rauch wird aufsteigen, wenn es soweit ist. Dann wird es auch für die Mesner unserer Pfarreien ernst.

„Sobald es einen neuen Papst gibt, lassen wir eine Viertelstunde lang alle Glocken läuten“, erklärt Stadtpfarrer Bernhard Mooser. Zur gleichen Zeit wird es auch in Verklärung Christi laut werden. „Wir sprechen uns ab, um gemeinsam die Glocken anzuschalten“, so Mooser. Das Läuten ist eine „Anordnung von oben“. Nicht von ganz oben vom Himmel. Von der Diözese.

Auch in Schwabsoien wird Mesnerin Miriam Seelos alle Glocken im Turm der Pfarrkirche St. Stephan läuten lassen. Das ganze sei aber noch ein bisschen chaotisch. „Ich hoffe, ich erfahre es auch gleich. Mich wird schon jemand anrufen“, sagt Seelos. Zur Sicherheit laufe das Radio bei ihr jetzt aber ununterbrochen.

„Das krieg ich dann schon mit, wenn ein Ergebnis feststeht“, glaubt Elfriede Reichhart. Sie ist Mesnerin in der Basilika in Altenstadt. „Bei mir läuft den ganzen Tag das Radio“, sagt sie.

Auch Fritz Kaletta hat sein Radio für die nächsten Tage etwas lauter gestellt. Er verlässt sich nicht darauf, dass ihm jemand Bescheid gibt. Er bleibt die nächsten Tage zu Hause, um nichts zu verpassen. „Mit Weihnachten und Ostern ist das für mich schon ein Highlight“, so Kaletta.

Sollte es dann soweit sein, geht es bei ihm ganz schnell. Er wohnt nämlich „gleich ums Eck“ von der Hohenfurcher Pfarrkirche. Weit hat er es also nicht, um die fünf Knöpfe der fünf Glocken zu betätigen. Normalerweise muss er hier nicht so oft drücken. Alles ist programmiert. Die Glocken läuten im Alltag automatisch zum Gottesdienst und zu den viertel, halben und ganzen Stunden. Doch in dieser Woche ist eben kein Alltag.

Gespannt schaut auch Peitings Mesner Josef Schleich in den Vatikan. Auch er nimmt die Aufgabe mit dem 15-minütigen Glockengeläut ernst. „Es ist mir eine große Freude, den neuen Papst herzlich willkommen zu heißen“, sagt Schleich. Auch den ehemaligen, den „bayerischen Papst“ Benedikt XVI. hat Schleich damals vor acht Jahren begrüßt und vor gut zwei Wochen auch wieder verabschiedet. Via Glockengeläut versteht sich.

„Das ist eine schöne Aufgabe. Emotional“, sagt Schleich. Fünf Glocken, fünf Schalter sind es auch beim ihm. Doch er muss nicht einmal extra in die Kirche fahren. Schleich hat tatsächlich eine Fernbedienung für die Glocken der Peitinger St. Michaels Kirche. „Ich weiß noch nicht, ob ich sie von daheim aus einschalten werde, und das Geläut von dem Sofa aus mit geöffneten Fenstern höre, oder ob ich in die Kirche fahre. In jedem Fall aber werde ich es genießen“, sagt Schleich.

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