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Ein Könner und Kenner an der Sandtner-Orgel: der frühere Wies-Organist Anton Guggemos verzauberte das Publikum.

lange orgelnacht in mariae himmelfahrt

Überwältigenden Klangreichtum aufgezeigt

Schongau - Drei bedeutenden Todestagen war jetzt die lange Orgelnacht in der Schongauer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt gewidmet: Werke von Max Reger sowie Hommagen an Dominikus Zimmermann und Heinrich Huber begeisterten dabei das Publikum.

Es war ein Kommen und Gehen bei der jüngsten Orgelnacht, bei der die „Königin der Instrumente“ im Mittelpunkt stand. Mit der Querflöte, brillant beherrscht von Katharina Ehlich, stand nur ein anderes Instrument mit auf dem Programm. Dafür erlebten die Besucher eine Sternstunde der Orgelmusik.

Organisator und Programmchef Andreas Wiesmann hatte laut Stadtpfarrer Norbert Marxer den vierstündigen Orgel-Abend wieder mit musikalischer Begeisterung und viel Fachkompetenz vorbereitet. Zudem war es ihm gelungen, noch zwei außergewöhnliche Organisten für das Konzert zu gewinnen: Den ehemaligen Organisten der Wieskirche, Anton Guggemos, und den Organisten und Orgelbauer Martin Geßner, der die Sandtner-Orgel anlässlich ihrer Restaurierung intoniert hatte. Und natürlich griff er auch selbst kräftig in die Tasten des erhabenen Instruments.

Einer, der die Möglichkeiten der Sandtner-Orgel bis ins kleinste Detail kennt und zudem ein glänzender Improvisateur ist, ist Martin Geßner, der an dem Instrument wahre Wunderdinge vollbrachte. Im Konzert hatte er den Part der Improvisation in Gedenken an den ehemaligen Schongauer Chorregenten Heinrich Huber (1879-1916), von dem überliefert ist, dass er „seine Zeit oft stundenlang an der neuen Orgel in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche verbrachte und nach Herzenslust improvisierte“. Er hat in diesem Jahr seinen 100. Todestag, ebenso wie Max Reger (1873-1916), der ebenfalls ein großer Improvisateur war.

„Sie haben ja gespielt wie der Teufel“, meinte Anton Guggemos mit einem anerkennenden Lächeln zu Martin Geßner. Der gestand, dass es an der Orgel „mit ihm durchgegangen“ sei, aber jetzt sei ihm „warm“. Wer ihn gesehen hat, wie er virtuos an den Tasten und Pedalen der Orgel wirbelte und geradezu genüsslich Register wählte, bekam den Eindruck, dass Orgelspiel Schwerstarbeit ist. Eine Arbeit, die sich lohnte.

Spielte Querflöte bei der langen Orgelnacht: Katharina Ehlich aus Osterzell, dahinter Andreas Wiesmann.

Nach den berauschenden Klängen trieb es sogar einige Besucher auf die Empore, um zu sehen, wer da so glänzend aufgespielt hatte. Etwas ruhiger, aber nicht weniger fingerfertig, präsentierte sich Anton Guggemos. Er huldigte in seinem Konzert dem Baumeister Dominikus Zimmermann (1685-1766), dessen 250. Todestag in diesem Jahr gedacht wird.

Zeugnisse von Zimmermanns Baukunst sind die Wieskirche, aber auch die Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt. So bot sich Guggemos, der 40 Jahre lang Organist in der Wies war, als Interpret geradezu an. Er verzauberte das Publikum mit Werken von Zeitgenossen Zimmermanns aus ganz Europa wie Gaston Bélier, Jean-Baptiste Senaillé, Justin Heinrich Knecht, Joseph Haydn und Giovanni Morandi. Passenderweise wurde dieser Programmblock mit der Variationenfolge „Alle Menschen werden Brüder“ des Komponisten Bert Koelewijn über das berühmte Thema aus der 9. Symphonie Beethovens, landläufig bekannt als „Europa-Hymne“, beendet.

Für die Einleitung und den Schluss des Konzerts zeichnete Andreas Wiesmann verantwortlich. Zu Beginn mit Werken von Bach, Liszt und Reger aus dem Repertoire Heinrich Hubers. Weiter als einfühlsamer Begleiter von Flötistin Katharina Ehlich mit romantischen Werken von Telemann, Bach, Mozart, Reger und Chaminade.

Und zum Schluss als Höhepunkt zwei Choralphantasien aus der Feder von Max Reger, die zum Schwierigsten aller Orgelliteratur gehören. Der dramaturgisch düster und mit niedersausenden Blitzen vorbereitete Engelsruf: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und die Krönung des kompositorischen Schaffens von Max Reger: „Halleluja! Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud“ bildeten den von Andreas Wiesmann gefühlvoll gestalteten Ausgang des bewegenden Konzerts, das den überwältigenden Klangreichtum der Orgel geradezu feierte.

Ursula Fröhlich

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