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Die alte Schmiedekunst beherrscht Otmar Schilcher (71) noch perfekt. Er schmiedet das dritte Tor für den Friedhof.

Otmar Schilcher fertigt neues Friedhofstor

Handarbeit wie damals

Schongau - Wer kennt sie nicht, die beiden eisernen Tore an den Eingängen zum Schongauer Stadtfriedhof. Geschmiedet, nach alter Handwerkskunst. Fast für die Ewigkeit. Jetzt soll ein drittes Tor gefertigt werden, das nach Fertigstellung am neuen Seiteneingang an der Stadtmauer eingebaut wird.

Vor über 40 Jahren bekam der Schongauer Schmiedemeister Robert Schönstein sen. den Auftrag, zwei große Eisentore zu fertigen. Diese sollten etwas Besonderes für den Eingangsbereich des Schongauer Stadtfriedhofs sein. Für Robert Schönstein gewiss eine große Herausforderung. Denn Schönsteins Vorschläge galten damals als ganz moderne Kunst. Doch Schönstein setzte sich durch und bekam den Auftrag.

Dem Meister zur Seite stand der Geselle Otmar Schilcher. Dieser hatte 1959 bei der Schlosserei Schönstein seine Lehre begonnen und mit großem Erfolg abgeschlossen. Zu diesem Beruf braucht man Schmackes in den Oberarmen, denn die meisten Teile zu den künstlerischen Arbeiten wurden von den Schlossern noch per Handarbeit hergestellt. Und diese Kraft hatte Otmar, der sich förmlich bei seinen Werken am Amboss austobte.

Grenzenlose Fantasie

„Robert Schönstein hatte immer tolle Ideen“, erinnert sich Schilcher. „Bei dem Seniorchef sollte nie ein Teil dem anderen gleichen, in seiner Fantasie war er grenzenlos“, ergänzt sein alter Geselle von damals.

Und dieser Geselle von damals, der 2008 in den Ruhestand ging, steht jetzt wieder am Amboss. Er kann es einfach nicht lassen, eigentlich muss man Gott sei Dank sagen. Denn der Kunstschmied soll jetzt das dritte Friedhofstor für den Seiteneingang fertigen. In der Technik von damals. Damit sich die Tore gleichen.

Schilcher strotzt vor Kraft. Sein Alter von 71 Jahren nimmt man ihm nur schwerlich ab. Also wird er für diese Arbeit rekrutiert. Mit allem drum und dran, damit man der Bau- und Kunstschlosserei nicht ins Essen spucken kann. Steuer, Krankenkasse usw., alles hat seine Richtigkeit. In der Werkstatt kennt sich Otmar aus wie in seiner Westentasche. Die Techniken beherrscht er ebenfalls noch wie aus dem ff. Einige Vorteile kommen dazu. So bekommt er Unterstützung durch einen Lufthammer, der ihm viel Arbeit und Zeit abnimmt. Aber trotzdem muss jeder Schlag kontrolliert gehämmert werden.

Geduldige Handarbeit

Die Frage „Wie lange es noch dauern wird, bis das Tor fertig ist“, steht im Raum. Doch Otmar Schilcher antwortet nur mit einem Lächeln, das so viel bedeutet wie: „Alles braucht seine Zeit, vor allem gute Handarbeit.“ Und diese will er unbedingt abliefern, das ist er schon seinem alten Lehrmeister Robert Schönstein sen. schuldig, der 1999 verstorben ist.

Hans-Helmut Herold

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