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Die Audifahrerin lenkt ihren Wagen trotz des deutlichen Hinweises durch die Fußgängerzone – und war damit nicht allein.

Probebetrieb auf dem Marienplatz

Fußgängerzone? Ups!

Schongau - Völlig gleich, ob Auto-, Motorrad- oder Radlfahrer, sie alle sind gestern über den Marienplatz gerauscht. Es sei denn, Politesse Elisabeth Straif war rechtzeitig zur Stelle. Eine erste Beobachtung.

Politesse Elisabeth Straif hat seit gestern eine besonders unangenehme Aufgabe. Sie weist Auto- und Radfahrer auf die neue Fußgängerzone am Marienplatz hin. Sprich: Durchfahren verboten, parken verboten. „Ja wenn das so ist, kaufe ich hier nicht mehr ein“, sagt eine hörbar erböste Frau, als sie von Straif darauf aufmerksam gemacht wird, dass auch der Parkplatz vor Mode Huber zur Zone gehört.

Zehn Minuten beobachten reichen aus, um deutlich festzustellen, dass sich mehr als 80 Prozent aller Rad- und Autofahrer nicht an die neuen Regeln halten. Straif ist sich sicher, „dass die meisten die neue Beschilderung gar nicht lesen“. Das sei ein Grundsatzproblem, nicht nur hier auf dem Marienplatz.

Hinzu kommt die Umstellung auf etwas komplett Neues. Fußgängerzone statt Poser-Stadt-Runde. Trotz unzähliger Berichte in den örtlichen Medien haben erstaunlich viele Bürger noch immer nichts davon gehört.

Vorbildhaft verhielt sich der VW-PoloFahrer (unten), der die neue Streckenführung, von der Ballenhausstraße nach links auf den Marienplatz, richtig befolgte. Von Süden kommend ist die Durchfahrt ab jetzt verboten. 

Der beste Beweis beider Probleme: Ein rund 50 Jahre alter Rollerfahrer, der von Straif aufgehalten wird, weil er weder das Schild noch Zeitung gelesen hat. „Seit wann ist das eine Fußgängerzone? Nur für heute, oder für immer?“, fragt er die Politesse, die mit „für immer“ antwortet. „Ja wahnsinn“, sagt der Mann, der das Fußgängerzonen-Schild erst dann erkennt, als er sich samt Roller die drei Meter wieder zurückbewegt.

Derweil spaziert Stadtrat Paul Huber (CSU) mit einem breiten Grinsen im Gesicht über den Marienplatz, unterhält sich kurz mit Straif. „Das Problem haben wir vor 20 Jahren auch schon gehabt“, sagt er. Nur mit dem Unterschied, dass damals der Poller ständig kaputtgefahren worden sei. „Die Leute brauchen noch einige Zeit, bis sie sich an die neue Regelung gewohnt haben“, sagt er weiter.

Das sieht Eudard Fahnenschmidt nicht anders. Eine ganz Weile schon tummelt der Rentner sich mit seiner Gattin auf dem Marienplatz herum. Neugierig ist er. Er möchte wissen, wie die Fußgängerzone aussieht, wie sich die Bürger darauf einstellen. „Den Wassergraben hätten sie sich sparen können“, sagt er kritisch. „Dafür so tief graben und so viel Beton reinschütten – dafür habe ich kein Verständnis.“

"Meistens sind es die Jugendlichen, die ihre Runden drehen"

Grundsätzlich aber ist Fahnenschmidt von der verkehrsfreien Zone begeistert. „Meistens sind es eh die Jugendlichen, die nur ihre Runden drehen, da muss im Grunde keiner durchfahren“, sagt er, bevor er mit seinem rechten Zeigefinger auf die westliche Häuserreihe zeigt. „Da wohnt keiner mehr drin, da auch nicht, und da hinten nur noch zwei, drei Ältere.“ Beschwerden von Anwohnern kann er definitiv nicht nachvollziehen, weil es ohnehin nur sehr wenige sind.

Die wichtigste Frage aber lautet: Wie wirkt sich die Zone auf die Gewerbetreibenden am Marienplatz aus? Optiker Robert Kassebaum sieht dem Ganzen recht gelassen entgegen. „Wenn das Wetter gut ist, kommen die Leute, wenn’s schlecht ist, kommt keiner – mit oder ohne Fußgängerzone.“ Entscheidend wird für ihn die Frequenz der älteren Kunden sein, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. „Ich denke, in drei, vier Monaten wissen wir, ob sie trotzdem noch kommen.“

Diese Frage stellen sich auch die Gewerbetreibenden auf der anderen Seite, wo die wohl komplizierteste Änderung vorgenommen wurde. Einerseits ist es für Auto-, Motor- und Radlfahrer verboten, von der Lechtorstraße auf den Marienplatz zu fahren. Andererseits aber erlaubt, von der seitlichen Ballenhausstraße nach links in den Marienplatz einzubiegen. Und tatsächlich: Am Mittwochnachmittag um exakt 15.20 Uhr ist ein junger Fahrer mit seinem VW-Polo die neue Strecke so gefahren, wie es sich gehört. Ganz anders als zwei Damen mittleren Alters, die ungebremst und ohne zu schauen das „Durchfahrt-Verboten-Schild“ missachtet haben – die hat Straif wohl noch nicht erwischt.

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