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Ein Klapperstorch weist im Eingangsbereich des Schongauer Krankenhauses auf die Neugeborenen hin. Lena macht den Anfang. Mit auf dem Bild neben der Familie im Vordergrund (v.l.) Gerda Guderian (Stationsleitung), Birgit Schmid (Hebamme), Sandra Maschke (Hebamme), Stephanie Glötzl-Widl (Mutter Kind Oase), Andrea Jochner-Weiß (Landrätin) und Thomas Lippmann (Geschäftsführer).

Geburtshilfe Schongau

Ärztemangel: Macht der Kreißsaal dicht?

Schongau - Schließt die Geburtshilfe in Schongau? Die Gerüchteküche brodelt. Tatsächlich gibt es noch immer keine Lösung für das zerbröckelnde Belegarztmodell. Findet die Krankenhaus GmbH keine Gynäkologen für den Kreißsaal, steht das Gebären in Schongau auf der Kippe.

Ganz oft breitet Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Lippmann im Gespräch die Arme aus, die Handflächen nach oben. Die Geste eines Unschuldigen. Und auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß wirkt alles andere als glücklich. „Es liegt uns schwer im Magen“, sagt sie. Die Existenz der Geburtshilfe in Schongau ist auf der Kippe.

Schuld ist der Personalmangel. Der hat schon viele kleinere Häuser in der deutschen Klinik-Landschaft die Geburtshilfe schließen lassen und bringt auch Schongau an den Rand der Existenz. Drei Belegärzte halten die Geburtsabteilung am Laufen. Und zwar richtig gut. Zusammen mit dem Schongauer Hebammen-Team haben im vergangenen Jahr 400 Kinder das Licht der Welt in Schongaus Kreißsaal erblickt. Höchststand seit Jahren und bemerkenswerte Zahlen für ein vergleichsweise kleines Haus wie Schongau.

Viel Arbeit, wenig Geld

Leider jedoch ein für Ärzte weder lukratives, noch attraktives Geschäft: 24 Stunden-Bereitschaftsdienste bei mangelhafter Bezahlung: „Das ist nicht attraktiv, es fehlt beim Nachwuchs an Ärzten und Hebammen“, sagt Lippmann. So war es bislang unmöglich, Ersatz für Belegarzt Dr. Gerhard Schmidbauer zu finden, der sich demnächst aus der Geburtshilfe verabschieden und ausschließlich in seiner Praxis weiterarbeiten wird. Die zwei „Verbliebenen“ können das Arbeitspensum nicht alleine bewältigen.

Am Geld liegt es nicht, betont Lippmann fast bei jeder Gelegenheit. Damit die Belegabteilung erhalten bleiben kann, habe man in Frage kommenden Gynäkologen einiges an Tantiemen angeboten. Doch die haben offenbar dankend in Sachen undankbarer Job abgelehnt.

Die beste Variante für ein Weiterbestehen der Geburtshilfe – die Belegabteilung mit drei Frauenärzten, wie sie jetzt besteht – scheint damit in weite Ferne gerückt zu sein. Außer, es findet sich rein zufällig kurzfristig ein Gynäkologe, der in einer heimischen Praxis einsteigt und im Dauer-Standby-Modus Babys auf die Welt hilft. Eher unwahrscheinlich.

Gynäkologen für die Geburtshilfe sind nirgendwo zu finden

Dass Schongau nicht wie Weilheim in eine Hauptabteilung umgewandelt wird: Auch das sei keine Geldfrage erklärt die Landrätin. Der Kreistag habe schließlich ausdrücklich bestimmt, dass an beiden Klinik-Standorten die Geburtshilfe erhalten werden soll. Und dafür auch Geld locker gemacht wird – die Gynäkologie-Hauptabteilung in Weilheim schlägt beispielsweise mit einer halben Million Euro Defizit zu Buche. Jährlich. Die Belegabteilung in Schongau kostet den Landkreis nicht mal die Hälfte.

Spielt aber alles keine Rolle. Denn: „Wir können uns die Ärzte nicht schnitzen“, so Lippman schulterzuckend. Jochner-Weiß erinnert sich noch daran, wie man händeringend nach Ärzte für die Weilheimer Hauptabteilung gesucht – und die erst auf den letzten Drücker gefunden hatte. Sie weiß: „In Schongau rennt uns die Zeit davon.“ Und es könnte noch schwieriger werden als im München-nahen Weilheim. Traurige Zwischenbilanz: „Wir haben keine Lösung, wie wir die Geburtshilfe im Altlandkreis Schongau künftig darstellen“, so Lippmann.

Man hat schon mit anderen, größeren Häusern Gespräche aufgenommen. Das Ziel: Eine Kooperation, bei der Personal nach Schongau ausgeliehen werden kann. Klingt ganz einfach. Ist aber mit dem Zweier-Belegarztmodell, das auf jeden Fall weiterbestehen soll, rechtlich nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Apropos Belegärzte: Die hoffen, dass es in Schongau weitergeht mit der Geburtshilfe. Jürgen Karbach spricht auch für seine Kollegin Marlene Schweyer, wenn er sagt: „Wir sind bereit, unsere ganze Erfahrung und Arbeitsleistung auch in ein neues Konzept einzubringen.“ Wenn die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind.

Weiteres Personal-Loch tut sich auf

Zumal sich für Geschäftsführer Lippmann und den Landkreis eine weitere Baustelle auftut: Informationen unserer Zeitung zufolge möchte Chefarzt Dr. Bernd-Michael Grauel bereits nach knapp zwei Jahren zum Jahresende als Leiter der Hauptabteilung wieder die Segel streichen. Ein weiteres großes Personal-Loch, das gestopft werden muss.

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