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Fleißig bei der Arbeit: (v.l.) Hans Hartung vom Tourismusverein mit Paul Keller und Simpert Christa vom Maschinenring Oberland, die das Floß zusammenbauen.

Zusammenbau gestartet

Schongau bald wieder Flößerstadt

Schongau - Es waren einige Hürden der Bürokratie zu überwinden, oder treffender ausgedrückt: Es musste manche Untiefe im Gewässer erkundet und ausgelotet werden, bis man jetzt zur Tat schreiten kann. Die Rede ist vom Floß, das derzeit aus 17 Holzstämmen am Lido zusammengebaut wird und die neue Attraktion auf dem Lech werden soll.

Seit Wochenanfang nehmen die Pläne von Hans Hartung Form an. Werden Nägel mit Köpfen gemacht. Obwohl: Genagelt wird eigentlich nichts, eher geschraubt. Auf der Liegewiese am Lido neben dem Gelände der Wasserwacht, wo sonst die Sonnenanbeter ihre Körper bestrahlen lassen, liegen schon seit Wochen die mächtigen ausgewählten Baumstämme. Hier sollen sie zu einem großen Floß zusammengebaut werden, um ab Mitte September die Gäste über den Fluss zu schippern.

Messen, Richten, Schneiden ist derzeit die Devise von Paul Keller und Simpert Christa. Die beiden Facharbeiter vom Maschinenring Oberland aus Peiting arbeiten an den abgeschälten Langholzstämmen. Sie bringen sie in die richtige Position, damit sie optimal zusammengefügt werden können. Gute 40 Zentimeter Durchmesser hat ein Stamm am Fußende, das Kopfende misst um die 25 Zentimeter. Heißt im Klartext, dass Fuß- und Kopfende im Wechsel abgerichtet und passend geschnitten werden.

Am Ufer wird das Floß zusammengebaut

Paul und Simpert müssen ihr Handwerk verstehen, sonst wäre Hans Hartung kaum ein „die arbeiten wie die Teufel“ zu entlocken gewesen. Vor Ort auf dem Uferbereich mit seiner leichten Schräge zum Wasser werden die 18,50 Meter langen Stämme auf Unterleghölzern zusammengebaut. So kann die ganze Konstruktion nach Fertigstellung ins Wasser geschoben werden. Quasi ein seitlicher Stapellauf – oder ein Stapellauf für Querdenker.

Wo in früheren Zeiten Hanfseile und Bauklammern Verwendung fanden, werden jetzt Drahtseile verspannt und verschraubt. „Das gibt wesentlich mehr Stabilität und Sicherheit“, verrät Simpert Christa. Im selben Atemzug erklärt er, dass die Baumstämme in der Breite von sieben Metern mit zwei Querriegeln verbunden werden. Diese werden ebenfalls wieder mit den einzelnen Stämmen verschraubt. Schließlich will man ja sicher ans Ziel kommen.

Während Paul Keller das Benzin seiner Motorsäge nachfüllt, ist ihm etwas über die Herkunft der Stämme zu entlocken. Sie kommen aus den Wäldern rund um Schongau und wurden von Stadtförster Klaus Thien sorgfältig ausgewählt. Material stand genug zur Verfügung, schließlich hatte Sturm Niklas das Seine beigetragen. Nach der Sichtung und Auswahl lagerte man die Stämme sicher vor Befall des Borkenkäfers am Galgenbichl. Willibald Bießle aus Urspring schaffte es dann, die Stämme über die enge Zufahrt zum Lido zu transportieren. Wahre Zentimeterarbeit mit dem Langholzfuhrwerk.

Floßtaufe wohl Angang September

Wenn die Zulieferer der Schnitthölzer, die als Oberdecke verwendet werden, trotz Urlaub und Ferienzeit das Material rechtzeitig liefern, wird die Floßtaufe Anfang September über die Bühne gehen. Dann kann Kapitän Hartung vom Steg oberhalb des Bootshauses das erste Mal in See stechen. Auf den Spuren der alten Floßfahrer, die in längst vergangener Zeit gute 600 Mal im Jahr hier vorbeigekommen sind.

Hans-Helmut Herold

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