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Redzep Catic aus Schongau hat schon viele Geldbeutel auf der STraße gefunden – und alle abgeliefert.

Ein ehrlicher Mensch

Hadzi, der Geldbeutelfinder

Schongau - Im Fundamt in Schongau ist Redzep Catic bereits bekannt. Der 66-jährige Bosnier, der seit 1972 in Schongau wohnt, hat ein besonderes Gespür, wenn es darum geht, verloren gegangene Geldbeutel zu finden. Einen Finderlohn lehnt Catic aber stets ab.

„Meine Frau wundert sich immer wieder, wie ich das bloß mache“, erzählt der 66-jährige Schongauer, wenn er wieder mal mit einem fremden Geldbeutel heimgekommen ist, den er auf der Straße oder am Gehweg gefunden hat. „Anscheinend habe ich den richtigen Riecher“, schmunzelt Redzep Catic, der in Schongau auch unter dem Spitznamen Hadzi bekannt ist.

Der jüngste Fall liegt erst wenige Tage zurück

Catic war zu Fuß in Schongau in der Altenstadter Straße unterwegs, als er auf Höhe der Abzweigung Semerstraße auf der Straße etwas liegen sah. „Es wird doch nicht schon wieder ein Geldbeutel sein...“, dachte sich der 66-jährige Rentner, der viele Jahre bei einer Schongauer Baufirma als Maurer gearbeitet hat. Hadzi hat sich nicht getäuscht: Es war tatsächlich ein Geldbeutel – wieder mal!

„Ich habe schon mehr als zehn Geldbeutel auf der Straße bzw. auf Gehwegen gefunden“, erzählt der Bosnier. Auch in diesem Fall rührte er das Geld in dem Portemonnaie nicht an, sondern holte ganz vorsichtig nur die Ausweiskarte hervor, „um feststellen zu können, wem der Geldbeutel gehört“, schildert Catic der Heimatzeitung. Dadurch ließ sich feststellen, dass die Besitzerin der Geldbörse eine Frau aus Peiting ist. Die hatte kurz zuvor auf dem Norma-Parkplatz in Schongau ihre Geldbörse auf dem Autodach abgelegt und beim Wegfahren nicht mehr daran gedacht.

Erst in Altenstadt merkte die Frau den Verlust. Sie hat die komplette Wegstrecke von Schongau nach Altenstadt abgesucht – ohne Erfolg. Enttäuscht kehrte sie nach Peiting zurück. Zuhause klingelte dann das Telefon. „Haben Sie was verloren?“, fragte Redzep Catic die Frau. Und die hätte dann vor Freude am liebsten einen Luftsprung gemacht, weil ihr Geldbeutel gefunden worden ist.

Finderlohn lehnt er eigentlich ab

Die Peitingerin ist sofort nach Schongau zum ehrlichen Finder Hadzi gefahren. Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass sie ihre Geldbörse mit all den Ausweispapieren so schnell wieder zurückbekommen würde. Mit 50 Euro Finderlohn wollte sich die Frau bedanken, doch Redzep Catic lehnte ab. Nein, einen Finderlohn will er nicht haben. Doch die Peitingerin ließ nicht locker und bat den ehrlichen Finder, wenigstens 20 Euro anzunehmen. Da ließ sich der 66-Jährige dann doch erweichen und gab nach.

Rund vier Wochen zuvor hat Catic in Schongau ebenfalls einen Geldbeutel gefunden und bei der Polizei abgegeben, weil der Besitzer telefonisch nicht erreichbar war. Auch in diesem Fall hat der Bosnier auf einen Finderlohn verzichtet.

Rückblickend hat der 66-Jährige, der verheiratet ist und drei erwachsene Kinder hat, in den vergangenen 15 Jahren mehr als zehn Geldbeutel gefunden – und alle abgeliefert bzw. die Besitzer selber ausfindig gemacht. Und die haben sich alle immer recht herzlich bedankt.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man einen Geldbeutel verliert“, erzählt Hadzi. Einst, als er noch berufstätig war, hat er in einer Telefonzelle am Bahnhof in Schongau versehentlich seinen Geldbeutel liegen lassen. „Den hab ich leider nicht wiederbekommen“, sagt er. So kann er gut mit den Leuten mitfühlen, die sich schon mal in einer ähnlichen Situation befunden haben.

Als Rentner hat Catic viel Zeit

Er ist oft zu Fuß und mit dem Radl unterwegs – und hält natürlich nach verlorenen Geldbeuteln Ausschau. Vergangenes Jahr ist er dabei unverschuldet in einen Unfall verwickelt worden. Er wurde von einem Auto erfasst und prallte mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe. Auch an Schulter und Rippen hat er schwere Verletzungen davongetragen. „Ich war klinisch bereits tot“, berichtet der 66-jährige Großvater. Er hat zum Glück überlebt, ohne größere Folgeschäden – und kann weiter auf Geldbeutelsuche gehen!

Michael Gretschmann

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