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In Schongau 

„Ich habe nachts Angst vor der Security“

Schongau - Massive Vorwürfe gegen den Sicherheitsdienst für Flüchtlingsheime erhebt der Schongauer Peter Haggenmiller. Asylbewerber würden zu nachtschlafender Zeit drangsaliert. Deckungsgleich lauten die Berichte von Erika Schönenborn aus Peiting.

Anlass sowohl für den Schongauer Peter Haggenmiller als auch für die Peitingerin Erika Schönenborn, an die Öffentlichkeit zu gehen, ist der aktuellen Vorfall in der Schongauer Rentamtstraße. Vergangene Woche war in dem Haus in der Altstadt, in dem zwölf Asylbewerber untergebracht sind, durch den vom Landratsamt Weilheim-Schongau beauftragten Sicherheitsdienst eine Kontrolle durchgeführt worden, die im wahrsten Sinne des Wortes außer Kontrolle geriet (wir berichteten). Die Schongauer Polizei ermittelt noch, sowohl ein Mann der Security als auch zwei Asylbewerber wurden bei den Handgreiflichkeiten verletzt.

Ohne Ausweis soll es Schläge hageln

Letzteres bringt vor allem Peter Haggenmiller auf, denn seine Schützlinge in der Rentamtstaße fühlen sich vom Sicherheitsdienst bedroht, und nicht erst seit jenem Donnerstag. Mehrmals wöchentlich würde ein Sicherheitsteam nachts in der Rentamtstraße die Ausweise kontrollieren – und zwar meist im Zeitraum nach Mitternacht bis etwa 3 Uhr. Die Security würde lautstark klopfen, in alle Zimmer stürmen, Schlafende rüde aufwecken, sie mit der Taschenlampe blenden und aggressiv nach dem Ausweis verlangen. „Hat einer keinen Ausweis, wird er auf die Straße gestoßen, geschlagen und zur Rede gestellt“, so Haggenmiller weiter, der das Verhalten des Sicherheitsdienstes einen „unhaltbaren Zustand“ nennt. Und keiner der Betroffenen wehre sich, „zu groß könnten die Nachteile sein“.

Die Flüchtlinge wiederholen gegenüber den Schongauer Nachrichten diese Darstellung. „Ich habe in der Nacht Angst vor der Security“, sagt Mohamad (Name der Redaktion bekannt). Dem Pakistani wird vorgeworfen, vergangene Woche die Wachleute trotz einbandagierter rechter Hand mit einem Messer bedroht zu haben, einen Besitz streitet er bis heute ab – eine Waffe war auch von der Polizei nicht gefunden worden. Allerdings war Mohamad beim Polizeieinsatz leicht verletzt worden – auch dies hinterfragt Haggenmiller. Denn der Pakistani spricht kaum ein Wort Englisch und noch viel weniger Deutsch. „Wie haben die Beamten denn den ,unmittelbaren Zwang‘ ausgesprochen? Ich glaube kaum, dass jemand Hindi oder Paschtu spricht“, so der Schongauer.

Die Kontrollen der Security erfolgten „unangemeldet, oft überfallartig, teilweise auch mitten in der Nacht, sie reißen die Leute aus dem Schlaf“. Dies berichtet den Schongauer Nachrichten auch die Peitingerin Erika Schönenborn. Es sei diesbezüglich bereits seitens der Peitinger Asylkoordinatorin Gabi Sanktjohanser-Pfeffer eine Beschwerde beim Landratsamt erfolgt, die Vorfälle hätten sich aber nun wiederholt – in einer anderen Unterkunft. Schönenborn betont, dass es sich bei der Security nicht um ein staatliches Organ handele: „Der Sicherheitsdienst müsste zurückgepfiffen werden.“

Beauftragt ist das Unternehmen, das nicht nur im Landkreis Weilheim-Schongau tätig ist und beispielsweise auch Großveranstaltungen wie die Wiesn in München absichert, vom Landratsamt. Man arbeite sehr eng und gut zusammen, erklärt Michael Dürr, Bezirksbetreuer im Landratsamt für die Unterkünfte der Flüchtlinge. Die Mitarbeiter der Firma – ein fester Stab – bekämen täglich Anweisungen, was sie kontrollieren sollen. Vor allem gehe es darum, die Sicherheit der Flüchtlinge zu gewährleisten. Dazu gehöre auch zu kontrollieren, dass sich nicht mehr Bewohner in einer Unterkunft oder Wohnung aufhalten, als gemeldet seien.

Landratsamt lobt Zusammenarbeit

„Die Streife ist nicht grundlos unterwegs“, so Dürr. Dem Verdacht auf „Fremdschläfer“, wie es im Amtsdeutsch genannt wird, könne man aber erst nach 22 Uhr nachgehen, da die Asylbewerber zwischen 8 und 22 Uhr von ihrem Besuchsrecht Gebrauch machen dürften. In der Regel solle die Kontrolle zeitnah geschehen, passiere bei entsprechendem Verdacht tatsächlich auch mal nachts, „weil wir können nicht mehr als 24 Stunden am Tag arbeiten“. Wenn es sich nicht um die Suche nach einem „Fremdschläfer“ oder eine Beschwerde handele, betrete der Sicherheitsdienst die Wohnungen nur dann, wenn Licht brenne – „sonst nicht“.

Und was ist mit der angeblichen Bedrohung der Flüchtlinge? „Ein Hemd von 50 Kilo kann man bei einem Sicherheitsdienst natürlich nicht brauchen, dann haben sie noch ihre Schutzausrüstung an – das kann massiv wirken“, erklärt Dürr. „Bedroht muss sich aber keiner fühlen.“

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