Gesetzesänderung in Planung

Schöner wohnen neben Gewerbe?

Schongau/Peiting - Der Bau von Wohnungen in stärker lärmbelasteten Stadtgebieten soll künftig erleichtert werden. Eine Option für Schongau und Peiting, um zusätzliches Bauland zu erschließen? Schongaus Stadtbaumeister ist skeptisch, auch aus Peiting kommen zurückhaltende Töne.

Geplant ist laut Bundesbauministerium, die neue Kategorie des urbanen Gebiets einzuführen und dies in die Baunutzungsverordnung mit aufzunehmen. Ziel sei, den Kommunen mehr Spielraum zur Erschließung zusätzlichen Baulands einzuräumen.

In einem solchen urbanen Gebiet soll das Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe – anders als bislang im Mischgebiet – uneingeschränkt möglich sein. Dafür sollen auch die Lärmschutzstandards gelockert werden – auf 63 Dezibel am Tag und 48 Dezibel in der Nacht.

Eine große deutsche Tageszeitung zitierte aus einem entsprechenden Gesetzentwurf, „dass urbane Gebiete dem Wohnen und der Unterbringung von Gewerbebetrieben sowie sozialen, kulturellen und anderen Einrichtungen in kleinräumiger Nutzungsmischung dienen, soweit diese Betriebe und Einrichtungen die Wohnnutzung nicht wesentlich stören“.

„Interessant ist dies im innerstädtischen Bereich, wo beispielsweise die Schlosserei, der Tante Emma-Laden und die Wirtschaft aufeinandertreffen“, erläuterte Schongaus Stadtbaumeister Ulrich Knecht. Im Klartext: Wo bisher ein allgemeines Wohngebiet vorgegeben sei, wäre im Zuge der Neuerung dann Wohnen und Gewerbe miteinander möglich.

„Die Variante bewegt sich zwischen einem Mischgebiet und einem reinen Gewerbegebiet“, so Knecht weiter. Er sieht die Idee allerdings als ungeeignet an für ein Neubaugebiet auf der grünen Wiese. „Weil dort weder dem Gewerbe noch dem Wohngebiet gedient wären.“

Bewohner müssten Lärm aushalten

Knecht spricht im Zusammenhang mit den genannten Plänen von einem „klassischen Instrumentarium zur Sicherung innerstädtischer Quartiere, damit die betreffende Stadt keine Sorgen wegen möglicher Klagen haben muss“. Und weiter: „Wer in der Innenstadt in ein solches Gebäude einzieht, weiß schließlich ganz genau, was da auf ihn zukommt.“

Eigentlich wäre es nach den Worten Knechts eine typische Lösung für die Altstadt, „doch haben wir da keine Interessenten“. Er glaubt auch, dass das sogenannte urbane Gebiet eher für größere Städte von Nutzen sei, zum Beispiel Kaufbeuren und Landsberg. Die einzige Region, die er sich in der Lechstadt vorstellen könnte, wäre das Areal der ehemaligen Südbayerischen Transportgesellschaft an der Marktoberdorfer Straße. „Da könnte ich mir ein Nebeneinander zwischen Wohnen und Gewerbe durchaus vorstellen.“

Bevor man dies jedoch zur Disposition stelle, müsse man zunächst mal eruieren, „ob es überhaupt jemanden geben würde, der bereit wäre, dort hinzuziehen angesichts des damit verbundenen immensen Lärms, den er dort zu erdulden hätte“.

In Peiting sieht man der Idee wesentlich nüchterner entgegen, macht sich noch nicht wirklich Gedanken darüber, wie man im Fall des Falles vorgehen will. „Noch ist es nur ein Entwurf“, lässt Marktbaumeister Jochen Rohrmoser wissen. Und weiter: „Ich denke, dass die Verantwortlichen das Für und Wider ordentlich abwägen werden.“ Seitens des Marktbauamts werde man sich mit eventuell kommenden Änderungen und Neuerungen der Bau NVO auseinandersetzen, „wenn sie rechtskräftig sind“.

Rubriklistenbild: © dpa

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