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So könnte im Vollausbau der Schongauer Norden am Hohen Graben einmal ausschauen. Im Modell würde rechts das Krankenhaus kommen, links die Franz-Josef-Strauß-Straße Richtung Altenstadt. Unten links ist noch im Ansatz die Sportanlage der Berufsschule erkennbar.

Stadt plant Stadtviertel

Schongau: 166 neue Häuser am Hohen Graben

Schongau - Die Stadt will die Planungen für das neue Stadtviertel im Schongauer Norden weiterführen. Doch der Grundsatzbeschluss fiel nur knapp mit 10:6 Stimmen – wie erwartet hat vor allem die ALS große Bedenken.

Als es Anfang Mai um den Neubau des Marie-Eberth-Altenheims am Krankenhaus ging, lüftete die Stadt das Geheimnis: Am Hohen Graben, wo es derzeit nur einen Panorama-Spazierweg und Wiesen gibt, soll ein komplett neues Wohngebiet entstehen. Noch vor der Sommerpause werde man die Pläne detailliert vorstellen, hatte Stadtbaumeister Ulrich Knecht versprochen, jetzt hielt er Wort – und freute sich sichtlich über das Thema, Schongau ein Stück weiterentwickeln zu können. Dabei ist das Thema uralt. „Es wurde erstmals 1984 im Stadtrat behandelt“, so Knecht. Damals wurde ein sogenannter Rahmenplan für die Bebauung erstellt, der jetzt konkret wird, weil in Schongau das Bauland ausgeht, wie Knecht wie schon im Mai noch einmal betonte.

Landschaftsarchitekt Georg Dinger vom Büro Eger&Partner erklärte die Planungen, die einen komplett neuen Stadtteil bedeuten würden. Er betonte gleich zu Beginn, dass die Hangkante als Naturdenkmal ausgewiesen ist und der Blick auf die Alpenkette unbedingt erhalten werden müsse. Da das Gelände im weiteren Verlauf allerdings etwas abfällt, ist es mit dem Alpenblick wenige Meter Richtung Norden schon wieder vorbei, was Dinger mit unzähligen Bildern aus allen möglichen Perspektiven verdeutlichte. Das bedeutet: Mit ausreichend Abstand zur Hangkante kann problemlos zweistöckig gebaut werden, da werde auch keine Aussicht verbaut.

Einfamilienhäuser sollen bewusst nicht an die schönsten Plätze

Ins Detail ging Stadtplaner Frank Reimann. Er verdeutlichte die Dimensionen: Auf 15,8 Hektar Fläche skizzierte er fünf getrennte Quartiere, auf denen nach vorläufiger Planung 21 Einzelhäuser, 76 Doppelhäuser und 69 Reihenhäuser Platz hätten. Vor allem im geplanten ersten Bauabschnitt, nahe der Franz-Josef-Strauß-Straße, könne man natürlich auch mit Geschosswohnungen nachverdichten, so Reimann. Die Straße durch die Wohngebiete, die mit kleinen Grünzügen abgetrennt sind, würde er nicht direkt mit dem Krankenhaus verbinden, um Durchgangsverkehr draußen zu lassen – ein Parkplatz am Ende müsste seiner Meinung nach reichen, um die Anbindung von Altenstadt aus sicherzustellen. Direkt an der Hangkante, also mit der besten Aussicht, hat der Planer bewusst keine Einzelhäuser vorgesehen, um möglichst vielen Bürgern dieses Wohngefühl zu ermöglichen. Die Bevölkerungsentwicklung sage eine Zunahme bis zum Jahr 2034 von 2,5 bis 7,5 Prozent voraus, deshalb sei die Nachfrage da.

Stadtbaumeister Knecht ging anschließend auf einige kritische Punkte ein. Zum einen der Abstand zur Franz-Josef-Strauß-Straße und dem Betonwerk Lang, der zur bestehenden Bebauung bisher 60 Meter beträgt. „Da dort aber keine Rüttelmaschinen mehr in Betrieb sind, könnte man mit einem kleinen Wall viel näher an die Straße rücken“, so Knecht. Außerdem würde damit die Nettogrundbaufläche steigen – ein wesentlicher Faktor für die Grundstücksbesitzer.

Grundstücksbesitzer sind aufgeschlossen

Die meisten stünden den Plänen „sehr aufgeschlossen“ gegenüber, sagte Knecht über die Eigentümer. „Denn wenn jemand sagt, er braucht die Fläche für seine Landwirtschaft, tun wir uns schwer.“ Ursprünglich habe man mit der Planung nur 43 Prozent Nettgrundbaufläche gehabt und damit sogar alle nötigen ökologischen Ausgleichsflächen auf dem Gelände untergebracht, was außergewöhnlich sei. Doch weil Baugrund natürlich mehr Geld wert ist wie Wiese und die Stadt zusätzlichen Wohnraum auch gut gebrauchen kann, ging man auf die üblichen 65 Prozent hoch. „Da müssen wir die Eigentümer mitnehmen“, so Knecht – zumal die sich dann bereit erklären würden, auf anteilige Kosten die 110 KV-Hochspannungsleitung, die mitten durch das Wohngebiet führen würde, zu verlegen oder gleich in die Erde zu versenken. Das kostet je nach Methode 700 000 bis 1,7 Millionen Euro. „Insgesamt ist das ein super-gelungenes Konzept“, frohlockte Knecht.

Michael Eberle (CSU) lobte die Planung. „Das ist eine wichtige und richtige Entwicklung, weil junge Familien in Schongau bauen wollen und wir fast nichts mehr anzubieten haben.“ Im Norden des Baugebiets könnte er sich auch mehrgeschossigen Wohnungsbau vorstellen, der störe dort nicht. Ganz toll fand er, dass der Planer auch Flächen für Gemeinbedarf inklusive eines Kindergartens eingeplant habe. „Dafür haben wir damals in der Lechvorstadt vergeblich gekämpft“, erinnerte Eberle. Nur die Zufahrt sah er kritisch: Dass alle Autos durch das komplette Wohngebiet fahren müssen, sei schlecht. Wenn die Zufahrtsstraße nach Norden gelegt und außen um das Wohngebiet herumgeführt werde, man Stichstraßen in die Siedlung baue, könnte man den Anschluss ans Krankenhaus besser sicherstellen. Das war auch der dringende Wunsch von Paul Huber (CSU).

"Sollen wir die Bürger nach Peiting schicken?"

Nina Konstantin (ALS) war dagegen komplett anderer Ansicht. „Muss Schongau wachsen?“, fragte sie, zumal auf Kosten von massiven Eingriffen in die Natur? Reicht die Infrastruktur oder brauche man dann mehr Turnhallen, Schulplätze etc.? Was ist mit Sozialwohnungsbau? Im Mittelzentrum habe man ausreichend Flächen. Außerdem sollte man die Bürger einbinden. Da konnte Eberle nur den Kopf schütteln. „Jedes Dorf schafft Wohnraum für seine Bürger, und wir sagen: Ihr könnt nach Peiting gehen“, regte er sich auf.

Doch auch Bettina Buresch (ALS) konnte nicht verstehen, „dass wir unsere schönsten Flächen vollbauen“. Die Bevölkerung Schongaus sei trotz gegenteiliger Prognosen zuletzt nicht gewachsen, obwohl es große Baugebiete in Schongau gegeben habe. „Das wird eine Satellitenstadt da draußen, eine reine Schlafstadt. Schon die Lechvorstadt ist überhaupt nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden“, so Buresch. Auch Schongau-West „rottet vor sich hin“, behauptete sie, was ihr lautstarke Proteste einbrachte.

"Das wird dort eine Trabantenstadt wie in Amerika"

Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) betonte, man habe Menschen, die nach Schongau ziehen wollen, „weil hier die Welt noch in Ordnung ist. Die wollen nicht nach Peiting.“ Man müsse sicher einige Probleme abarbeiten, „aber es muss möglich sein, hier ein neues Quartier entstehen zu lassen“. Auch Stephan Hild (UWV) betonte den Druck der Bürger: „Bis da die ersten Bürger einziehen, werden noch Jahre vergehen. Und der Bedarf ist jetzt schon da.“ Doch auch Martin Schwarz (SPD) war „erschüttert“, dass auch der letzte freie Hang in Schongau zugebaut werde. „Das ist dort eine Trabantenstadt wie in Amerika, wo man nur mit dem Auto hinkommt."

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