Aus dem Gericht

Sozialstunden für Fehlalarm

Schongau - Ein 19-jähriger Afghane soll im März in der Schongauer Berufsschul-Turnhalle betrunken die Glasscheibe des Feuermelders eingeschlagen und damit einen Alarm ausgelöst haben. Rund 170 Mitbewohner wurden evakuiert, da man von einem Brand ausging. Ein größerer Feuerwehreinsatz war notwendig. Jetzt stand der Asylbewerber vor Gericht.

Der 19-jährige Afghane saß ziemlich ratlos auf der Anklagebank des Weilheimer Amtsgerichts. „Ich verstehe hier so viele Dinge nicht und kann einiges nicht nachvollziehen“, ließ er durch seinen Dolmetscher verkünden. Von zwei Polizeibeamten war der Asylbewerber in den Gerichtssaal geführt worden, denn er war zum geladenen Termin nicht pünktlich erschienen. Zu seiner Unterkunft in Rottenbuch war die Vorladung geschickt worden, aber die ganze Sache war wohl irgendwie untergegangen, nicht weitergeleitet oder schlicht nicht zur Kenntnis genommen worden.

Ein Zeuge, dessen Aussage bei der Polizei vor Gericht verlesen wurde, hatte eindeutig den 19-Jährigen identifiziert und bei der damaligen polizeilichen Untersuchung den jungen Mann für den Fehlalarm verantwortlich gemacht. Kein anderer Mitbewohner sei zu diesem Zeitpunkt in dem Treppenhaus gewesen, in dem sich der Meldeknopf befindet.

Nach vehementem Leugnen gestand er schließlich die Tat

Der zu den Hazara, einer verfolgten Minderheitengruppe in Afghanistan, gehörende junge Mann, leugnete zunächst vehement seine Tat. Er habe schlafend im Bett gelegen, das könne auch ein Freund bezeugen, erklärte er durch seinen Dolmetscher. Aber Richterin Claudia von Hirschfeld blieb hartnäckig und appellierte an den jungen Mann, ein Geständnis anzulegen. „Das entlastet Sie deutlich“, machte sie ihm klar.

Nach einiger Bedenkzeit gab der 19-Jährige schließlich zu, deutlich betrunken gewesen zu sein und vollkommen sinnlos auf den Alarmknopf geschlagen zu haben. Der junge Mann hat weder in Afghanistan eine Familie, noch hier irgendeinen Verwandten. Er hat keinerlei Schulausbildung.

Die Richterin verurteilte den jungen Mann wegen Sachbeschädigung zu 40 Stunden sozialer Arbeit, die er in drei Monaten ableisten muss. Sie sah darin eine Chance für den Mann, seine geringen Deutschkenntnisse zu verbessern und möglicherweise dadurch danach eine Art Hilfsarbeit zu finden. Und sie gab ihm noch einen sehr deutlichen Rat: „Das mit dem Alkohol muss sofort aufhören“. Denn dass man in Deutschland Asyl beantrage und betrunken die Unterkunft beschädige, könne nicht akzeptiert werden, so die Richterin.

Angeklagter wurde nach Hause gefahren

Nach Ende der Verhandlung wusste der junge Mann nicht, wie er wieder zu seiner Unterkunft nach Rottenbuch kommen sollte. Als die Polizei ihn abholte, hatte er kein Geld mitnehmen können. „Ich hätte mich auch besser angezogen, wenn ich das gewusst hätte“, sagte er über seinen Dolmetscher. Ein Polizeibeamter aus Schongau, der zu dem Fall ausgesagt hatte, erklärte sich schließlich bereit, den jungen Mann nach Rottenbuch zurückzufahren.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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