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Für Martha Schmölz, die auf dem Weg nach Wildsteig ist, gab es Schokolade. Gute Miene zeigt Klassenleher Matthias Igerl, seine Schülerinnen sind auf Zack.

Geschwindigkeitskontrollen

Süßes oder Saures für Autofahrer

Schongau - Eine Woche lang werden in Oberbayern an gefährlichen Stellen an Landstraßen und auch in den Ortsstraßen durch die Polizei Kontrollen durchgeführt. Die Beamten bekommen dazu tatkräftige Unterstützung durch Schüler, die mit in die Aktion eingebunden sind. Wie in Bernbeuren, wo sie Temposünder belehren und sie in eine Zitrone beißen lassen.

Süßes oder Saures? Dieser Spruch kommt einem irgendwie bekannt vor. Ist denn schon wieder Helloween? Weit gefehlt. Es ist eine ganz besondere Aktion, mit der Temposünder auf ihr zu schnelles Fahrverhalten hingewiesen werden sollen. Hat sie es erwischt, haben sie die Wahl. Entweder der Griff in den Geldbeutel oder ein Biss in eine Zitrone.

Was sich vielleicht lustig anhört, ist gut durchdacht. Denn diesen Moment, wo man unter dem kritischen Blick von Kindern in die Zitrone beißt, vergisst man bestimmt nicht mehr. Auch nicht den Ort, wo man zu schnell unterwegs war.

Für die Schüler der vierten Klasse der Grundschule Bernbeuren ist der 13. Juli ein besonderer Tag. Unterricht in freier Natur. Besser gesagt inmitten ihrer Heimatgemeinde. Dort, wo jeden Morgen vor Schulbeginn der Verkehr vorbeirollt, werden sie mit ihrem Schulleiter und Klassenlehrer Matthias Igerl von vier Beamten der Polizeiinspektion Schongau empfangen. Mit ihnen starten sie eine Aktion, die allen lange im Gedächtnis bleiben soll.

Diesen Biss in die Zitrone wird Willi Pitzl sicherlich nicht vergessen. Das Schülertrio Julian, Simon und Marius passt genau auf, dass alles seine Richtigkeit hat.

„Im Heimat- und Sachunterricht wird bei uns das Thema Verkehrserziehung ganz groß geschrieben“, verrät Igerl. Deshalb hat er sofort der Aktion zugestimmt. Und die Aktion hat es in sich. Lob und Tadel, ähnlich wie im Klassenzimmer. Nur hier viel eindrucksvoller. Wer sich richtig verhält, darf sich einen Schokoriegel nehmen, wer zu schnell unterwegs ist, dem wird eine Zitrone gereicht. Alles auf einem goldenen Tablett, man hat ja Stil.

Die Rollenverteilung vor Ort: Polizei Hauptkommissar Manfred Maier übernimmt die Einweisung der Kinder. Dabei vergisst er nicht, auf die traurige Unfallbilanz des vergangenen Jahres hinzuweisen: 614 Unfalltote. Die Kinder zeigen sich beeindruckt. Und haben richtig Insiderwissen. Wie David (10), der sofort erklären kann, wie man über WhatsApp Polizeimeldungen abrufen kann. Er hat sich schon im Vorfeld über diese Aktion informiert.

Auch Franziska (11) ist im Bilde. Mit ihren Eltern verfolgt sie die Meldung der Blitzaktion im Radio. Polizei-Hauptkommissar Udo Mewes hat sein Laser-Messgerät in Stellung gebracht. Das Piepsen bei der Messung macht neugierig. Die Kinder blicken gespannt in Richtung ankommender Autos.

„48 Km/h“, ruft Mewes. Eigentlich alles im grünen Bereich. Doch Polizei-Oberkommissar Reinhard Medenwald greift zur Kelle und winkt den Fahrer in die Parkbucht. Es übernimmt Polizei-Hauptmeisterin Sandra Sturm. Sie grüßt mit einem freundlichen guten Morgen die Fahrerin. Ein kurzes „Fahrzeugkontrolle“ folgt.

Jetzt sind Frauen unter sich. Tina Kunzmann aus Schwabsoien ist auf dem Weg in die Arbeit. Sie hat’s erwischt. Im positiven Sinne. Der Griff zu den Fahrzeugpapieren klappt wie am Schnürchen. Alles vorhanden, keine weiblichen Ausreden von Nöten. Das muss belohnt werden. Joshi (9) und Silja (9) treten mit ihrem Tablett heran. Beide bedanken sich für Tinas angepasste Fahrweise. Tina darf zur Schokolade greifen, Vollmilch-Haselnuss ihre Wahl.

„Eine ganz liebe Morgenüberraschung“, nennt die Aktion Martha Schmölz. Sie ist auf dem Weg von Burggen nach Wildsteig in die Arbeit. Martha wird ebenfalls mit Schoki verwöhnt.

Spitzenreiterin Martina Gebler mit ausdrucksvollem Zitronenbissgesicht.

Das ändert sich blitzschnell. Die 50 Km/h erstmals überschritten. „52“, hört man Mewes rufen, darauf haben die Kinder förmlich gewartet. Kim (10) und Marilena (9) rücken mit dem Tablett an. „Es kostet noch nichts“, erklärt Manfred Maier. Aber der Fahrer Siegfried Blass aus Landsberg zeigt Herz. Er beißt in eine Zitrone. Um nie mehr zu vergessen, wie man tempomäßig richtig durch einen Ortsbereich fährt.

Heute ist es nicht „die Christl“, sondern „der Willi von der Post“, der ein wenig mehr auf dem Tacho hat. Auf die Frage des Schülertrios Julian, Simon und Marius (alle 10), warum er so schnell unterwegs war, ist Willi Pitzl aus Schwabniederhofen ehrlich. „Ich hab einfach nicht aufgepasst, ich war unaufmerksam.“ Einfach frei heraus, kein Herumgeeiere. Trotzdem wird ihm die Zitrone gereicht. Mit dem Hinweis von Julian, der mahnt, langsam zu fahren, um Unfälle zu vermeiden.

„Super gefahren, deshalb Schoko“, kommentiert Alicia (10) den Fahrer Tom Oertel. Mit Maya (10) hält sie Oertel das Tablett an das Seitenfenster. 51 Km/h durch die Ortschaft auf dem Weg nach Füssen. Isabell setzt noch eins drauf: „Der hat einen Q3, der geht ab wie eine Rakete.“ Isabell kennt sich in Sachen Automobil aus. Auch beim nächsten, der etwas flotter ankommt. Ein A3, ebenfalls auf dem Weg nach Füssen. Quasi die Spitzenreiterin in dieser Stunde. Richtig gelesen, eine Frau macht das Rennen. Martina Gebler ist einsichtig, mit dem Biss in die Zitrone kommt sie ja gut weg. Die Sünderin zeigt Reue, sie putzt das ganze Ding weg. Zur Freude der Schüler. Und die wetten darauf, dass Martina auf dieser Strecke nicht mehr zu schnell fährt.

Hans-Helmut Herold

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