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410 PS auf zwölf Rädern: Mit diesen stylischen Rallye-Autos bereisten Rupprecht und Co. den Orient. 

Schongauer fuhren vom Allgäu in den Orient

Abenteuer-Rallye: 9700 Kilometer in 21 Tagen

Schongau/Istanbul - Mit Vollgas durch die bosnischen Berge, polizeibegleitet über den Bosporus und Teetrinken mit den ärmsten der Armen: Die Allgäu-Orient-Rallye ist kein Wettbewerb, sie ist Abenteuer pur. Philipp und Sabrina Rupprecht über den aufregendsten Urlaub ihres Lebens.

Überhitzungsprobleme, kaputter Bremsschlauch, Reifenplatzer und eine gerissene Antriebswelle – eigentlich hätte Mechaniker Philipp Reich auf der Allgäu-Orient-Rallye alle Hände voll zu tun gehabt. Aber: „Die Leute waren so begeistert und hilfsbereit, die haben uns gar nichts selber machen lassen wollen“. Philipp und Sabrina Rupprecht, die mit Reich und zwei weiteren Gleichgesinnten on Tour waren, schwärmen noch immer. Sie wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen mit dem Erzählen. Zu viele unvergessliche Momente haben sie auf ihrem „mit Abstand größten Abenteuerurlaub“ erlebt.

Das erste Etappenziel: Istanbul

Mit drei alten Mercedes im Wert von rund 500 Euro sind die drei Zweier-Teams an den Start der Allgäu-Orient-Rallye gegangen (wir berichteten). Das erste Etappenziel: Istanbul. 4000 Kilometer in vier Tagen, ein straffes Programm. Vor allem für diese alten Autos mit zwei Mal 150 und einmal 100 PS. Angst vor dem Liegenbleiben haben die sechs Abenteurer im Alter von 20 bis 25 Jahren aber nicht. Im Gegenteil: Jede Panne schreibt eine neue Geschichte, denken sie sich.

Der Mechaniker: Philipp Reich musste weniger eingreifen als gedach

So wie diese in einem kleinen Dorf mitten in Bosnien, als den Rallye-Rasern am frühen Morgen nach nur 100 Metern ein Reifen platzt. Ersatzschlauch haben sie keinen dabei. Kein Problem. Die ersten Einheimischen eilen schon zur Hilfe. In kürzester Zeit schart sich das halbe Dorf um die Jungspunde, nach nur 20 Minuten kommt einer mit dem passenden Schlauch. Wahnsinn. Vor allem Mechaniker Reich ist begeistert. In Deutschland, ist er sich sicher, hätte man mindestens eine halbe Woche gebraucht, um dieses Ersatzteil aufzutreiben. Da wusste er allerdings noch nicht, dass in Bosnien jedes zweite Auto ein Mercedes ist.

Dank der schnellen Hilfe kommen Reich, Rupprecht und die anderen rechtzeitig in Istanbul an, treffen dort auf die anderen Rally-Teilnehmer. Mit diesem riesigen Pulk ziehen sie dann über die Bosporus-Brücke, begleitet von einer Polizeieskorte. „Das war ein unglaublicher Moment“, schwärmt Sabrina, die in diesem Moment auf dem Heck des Autos sitzt, besten Blick auf Brücke, Meer, Menschen, Verkehr und die Bauten Istanbuls hat.

Derweil kämpfen die Jungs gegen das andauernde Überhitzungsproblem der überlasteten Motoren – mit äußerst ungewöhnlicher Taktik: Das Auto mit dem kühlsten Motor schiebt die zwei anderen Wagen an. Wie bitte? Philipp grinst und sagt: „Wir wollten auf gar keinen Fall etwas mutwillig kaputt machen, nicht dass uns da jemand falsch versteht. Aber das war die beste Lösung. Mit einem neuwertigeren Auto geht das natürlich nicht.“

Von Anfang an haben sich die vier Jungs und zwei Mädchen geschworen, die Gaudi über den Wettbewerb zu stellen. Deshalb auch die günstigen Autos, die zwar noch fahrtüchtig sind, aber so gut wie keinen Wert mehr haben. Bei 1111 Euro liegt die Budget-Grenze von Autos für eine Teilnahme an der Allgäu-Orientrallye. „Wir sind deutlich drunter geblieben.“

Atemberaubender Moment: Sabrina Rupprecht (links) und die anderen bei der Bosporus-Überfahrt. 

Das interessierte auch den alten Fischer an der Schwarzmeerküste. „Der kam urplötzlich hereingeschneit, hat seine Jacke über unseren Stuhl gehängt und ist wieder abgehauen“, erzählt Philipp Rupprecht. Eine halbe Stunde später kommt er wieder. Mit dabei: „Den besten Lachs, den wir je gegessen haben.“ Ein cooler Typ, extrem gastfreundlich und über die Wintermonate Kapitän eines Fischerbootes.

Diese wertvollen Begegnungen mit fremden Menschen fremder Kulturen erlebten die Sechs zuhauf. Immer wieder werden sie von armen Dorfbewohnern zum Teetrinken eingeladen. Die zum Teil große Sprachbarriere spielt keine Rolle. Zur Not wird mit Händen und Füßen kommuniziert. Fußball geht immer. Es sei denn, die Stadt ist größer, touristischer. „Da merkst du sofort, dass die Leute unfreundlicher und nur aufs Geld aus sind“, sagt Philipp Rupprecht. Auch eine wichtige Erfahrung.

Vor allem wichtiger als der Sieg, der den Allgäu-Orient-Rallye-Teilnehmern allgemein nicht viel bedeutet. Mit Abstand am wenigsten aber Rupprecht und Co. Umso witziger, dass ausgerechnet sie als allererste die Ziellinie überqueren. Wie dass denn? „Weil wir die letzte Etappe ausgelassen haben“, sagt Sabrina kurz und schmerzlos. Rüffel haben sie dafür von niemandem bekommen. Stattdessen einen unberührten Strand, „wo wir endlich mal wieder gebadet haben“, sagt Philipp. Aber auch daran gewöhne man sich schnell.

Dach heruntergeflext - die letzten Meter als Cabrio

Allerdings nicht ganz so schnell wie sie mit dem Auto unterwegs waren. 9700 Kilometer durch neun Länder legten sie in diesen drei Wochen zurück, die letzten sogar mit Cabrio. „Wir haben die Dächer heruntergeflext.“ Und jetzt? Jetzt stehen die überhitzten Autos beim türkischen Zoll, werden in Einzelteile zerlegt und – hoffentlich – für einen guten Zweck verkauft.

Und was ist mit Rupprecht, Reich und den anderen? Die sind zurückgeflogen. Noch schneller. Und komplett pannenfrei.

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