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Polizei Schongau am Limit

Mehr Belastung, weniger Beamte: Ein Sicherheits-Risiko?

Schongau - Einbruchs-Serien, Querelen in Flüchtlingsunterkünften: Immer mehr Einsätze für Schongaus Polizei. Bei gleicher Personaldecke bringt es die Beamten im Schichtdienst zum Rotieren. Die Überstunden häufen sich in schwindelerregende Höhen. Abbau-Möglichkeiten nicht in Sicht – ebenso wenig wie personelle Unterstützung. Eine Gefährdung für die allgemeine Sicherheit im Schongauer Land? Jetzt moniert auch die Politik.

Stress, Schlafstörungen, familiäre Dauer-Belastung. Das Gefühl von Burn-Out: Wenn Polizist X vom Dienst nach Hause kommt, findet er keine Ruhe mehr. Die Arbeitsbelastung für die Schongauer Polizisten ist enorm, die Situation für jeden einzelnen kaum mehr zu ertragen. Hinzu kommt: Die Besetzung der Dienststelle – vor allem nachts – ist mehr als schlecht. Fast schon kriminell schlecht, könnte man flapsig sagen.

Doch eine Bagatelle ist das alles nicht. Das untermauern Zahlen, geliefert von Landtagsabgeordneten, die jetzt nachbohren. „Die Polizei im Landkreis Weilheim-Schongau ist im Vergleich zur vorgesehenen Personalstärke deutlich unterbesetzt“, kritisiert MdL Andreas Lotte (SPD). Er spricht von 148 Vollzeit-Soll-Stellen. Tatsächlich liege die Personalstärke nur bei 114 gesamt. Die Folge: Immense Überstunden.

MdL Florian Streibl, Freie Wähler, listet es auf: Die Polizeiinspektion Schongau bringt es mit Januar 2016 auf 4250 Überstunden insgesamt. Kein Einzelfall im Vergleich zu anderen Inspektionen. Und doch nicht hinnehmbar, finden die Abgeordneten. Zumal die Unsicherheit auch in der Bevölkerung größer wird, so Streibl: „Ich vernehme zunehmend Stimmen, dass den Sicherheitsbedürfnissen im Alltag nurmehr bedingt Rechnung getragen werden kann.“ Streibl spricht von „wachsender Einbruchskriminalität“, fordert „Präsenz“ der Polizei vor Ort.

Und ärgert sich über eine Antwort des Staatsministeriums zu einer personellen Verstärkung der Polizeidienststellen unter anderem im Landkreis Weilheim-Schongau. „Zahlenmäßig darstellbare Sollstellenveränderungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterbringung haben im Ergebnis noch nicht stattgefunden“, heißt es da. Sprich: Passiert ist nichts.

Tatsächlich müsste die Staatsregierung „die bisherige Personalstärke der Polizei fast um ein Drittel verstärken“, rechnet MdL Lotte vor. Der Sparkurs der CSU dürfe nicht „zu Einsparungen beim Thema Sicherheit führen“.

Alter Urlaub, 100 bis 150 Überstunden pro Beamter und vielleicht auch mal ein Krankenstand im Kollegium: Es ist ein Rattenschwanz, wie es ihn in vielen Firmen geben mag: Versucht einer Überstunden abzubauen, müssen die anderen wieder mehr arbeiten. Und die Sache geht an anderer Stelle von vorne los. Nur, dass die Schongauer Polizei eben nicht irgendeine Firma ist. Die Schongauer Polizei soll der Freund sein, der Helfer in Notsituationen.

Was schwierig werden dürfte, wenn es wirklich einmal „brennt“. Kommt es unvorhergesehen zum krankheitsbedingten Ausfall, arbeitet eine Streife oft nur mit drei Beamten – zwei im Streifenwagen und einem, der in der Polizeiinspektion die Stellung halten muss. Was also, wenn die eine Streife vielleicht einem Einbrecher hinterherjagt und es ergibt sich zugleich ein anderer Einsatz, bei dem Beamte vor Ort gebraucht werden? „Die nächste Streife aus Weilheim oder Landsberg braucht mindestens 20 Minuten bis sie zur Unterstützung da ist“, schildert der Beamte. Ein schneller Einsatz vor Ort im Einzugsbereich der PI Schongau sei dann nicht möglich.

Steigende Einbruchszahlen, dazu Partys an den Wochenenden – und knapp 1000 Asylbewerber, für die die Polizeiinspektion Schongau nachts und an den Wochenenden in der Regel mit einer Streifenbesatzung zuständig ist: Das macht die Sache nicht einfacher.

Die Folge neben der enormen Stress-Belastung für die Beamten: Der Papierkram stapelt sich, weil immer weniger Zeit für den Verwaltungs-Akt hinter dem Einsatz bleibt. Früher – bei weniger Einsätzen und mehr Beamten – hätte noch alles funktioniert. Wie es zu einem solchen Berg an Überstunden kommen konnte? Das sei ein schleichender Prozess gewesen, erklärt Polizist X. Besonders schlimm sei die Situation seit zwei Jahren.

Sein Vorwurf: In der Vergangenheit seien fünf Pensionsabgänge schlichtweg nicht nachbesetzt worden. Damit alles gut funktioniert, bräuchte man alleine in Schongau acht Mann mehr, fordert er. Mindestens vier, einer pro Schicht, sei das Minimum. So wie es jetzt ist, dürfe es nicht bleiben. Denn: „Passieren darf nichts.“

Das ist schlimm für alle Beteiligten. Für die betroffenen Polizisten. „Die Situation zehrt an unseren Kräften, wir sind nervlich am Ende“, traut sich einer der betroffenen Beamten mit dem prekären Thema an die Öffentlichkeit. Für eben diese ist die Angelegenheit überdies genauso schlimm. Die Personalplanung bei der Polizei: ein Sicherheits-Risiko für alle Bürger?

Diensstellenleiter Herbert Kieweg möchte sich zu der Sache nicht äußern, verweist auf die Pressestelle des Präsidiums. Dort beruft man sich darauf, dass Schongau nicht schlechter aufgestellt sei als andere Dienststellen. Und dass, vor allem auch wegen der regionalen Zusammenarbeit mit benachbarten Inspektionen, die Sicherheit garantiert nicht zu kurz käme.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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