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Werben für Spenden: Hans Atzenbeck und Elisabeth Penczek vom Schongauer Helferkreis.

Ihm fehlt aber das Geld für ein Ticket

Obwohl Tod droht: Flüchtling will heim zur Familie

Schongau - Der Schongauer Helferkreis startet eine ungewöhnliche Aktion: Ein Flüchtling möchte wieder in seine Heimat zurück. Weil ihn dies das Leben kosten könnte, bekommt er offiziell kein Geld für ein Flugticket. 

Die Sachlage ist nicht nur äußerst tragisch, sondern auch lebensbedrohlich. Seit fast eineinhalb Jahren ist der junge Mann in Deutschland, seit mehr als einem Jahr in Schongau. Zuhause lebt seine Familie, Frau und Kinder, Brüder, Schwestern, Eltern, unter einer strengen Staatsregierung. Die Machthaber haben nicht nur alle in der Hand, ihr Arm ist so lang, dass er selbst noch Bürger im Griff hat, die bereits im Ausland leben. Es herrschen Terror und Verfolgung, noch immer verlassen viele das Land.

Der Asylbewerber, der mittlerweile ganz passables Deutsch spricht, eine gute Schulbildung und sogar einen gefragten Beruf hat, hätte in Deutschland die besten Aussichten auf Anerkennung. Aber die Heimat des Schongauer Flüchtlings zählt leider auch zu jenen Ländern, die eine Familienzusammenführung nicht gestatten oder zumindestens zehn, fünfzehn Jahre verzögern. Antragsteller werden drangsaliert und bedroht, berichtet Hans Atzenbeck vom Schongauer Helferkreis. Das macht alles noch tragischer: Zwar wagte der Familienvater die Flucht nach Europa. Doch nun sitzt er in Schongau, kann weder seine Familie zu sich holen, noch sie auf irgendeine Weise unterstützen.

Allein, dass man nicht mal sein Herkunftsland, geschweige denn seinen Namen und das Alter verraten darf, um ihn zu schützen, zeigt die Brisanz, die hinter dieser Geschichte steckt. Der junge Mann hat Angst. Große Angst. Aber noch größer ist seine Sorge um seine Lieben daheim. Jetzt hat er sich entschlossen: „Der fromme Christ bereut, dass er seine Familie alleingelassen hat und möchte deshalb nach Hause“, so Elisabeth Penczek vom Schongauer Helferkreis.

Doch so einfach ist das nicht. Zwar besitzt der Flüchtling mittlerweile wieder einen Pass – dieser wurde ihm vom Generalkonsulat seines Landes ausgestellt. Eine Garantie für eine sichere Rückkehr ist dies jedoch keineswegs. Und Geld für ein Flugticket bekam er dort auch nicht – da müsse er schon zur deutschen Regierung gehen oder bei Freunden und Verwandten fragen.

Rückkehrer einiger Staaten müssen um Leib und Leben fürchten

Eine finanzielle Hilfe in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern für die Rückführung von Flüchtlingen in ihre Heimat gibt es sehr wohl. Organisationen haben jedoch Berichte, dass Rückkehrer einiger Staaten um Leib und Leben fürchten müssen. Nach Auskunft der International Organisation for Migration (IOM) ist derzeit keine offizielle Rückführung direkt in das Land des Schongauer Flüchtlings möglich, da es sich um einen jungen Mann handelt, der bei der Einreise möglicherweise sofort zum Wehr- und Kriegsdienst verpflichtet werden könnte. „Das schließt nicht die freiwillige Rückkehr aus, aber mit amtlicher Unterstützung geht das nicht“, so die Auskunft der IOM.

Was nun? Der Schongauer Flüchtling kann sein Ticket nicht selbst finanzieren. Dafür fehlen im die Mittel. Offiziell darf er nicht unterstützt werden, auch nicht seitens der Caritas oder des Landratsamtes. Aber helfen, wie Hans Atzenbeck bekräftigt, will man ihm unbedingt und trotz aller widriger Umstände. „Es kann sehr, sehr gefährlich sein, aber er begibt sich aus freier Entscheidung in diese Situation.“

Weil der Helferkreis Schongau kein eingetragener Verein ist, kann er keine offizielle Spendenaktion starten. Atzenbeck hat daher jetzt privat ein Spendenkonto ausschließlich für diesen Zweck eingerichtet und hofft, dass sein Name und der Helferkreis mental im Rücken ausreichen, damit genügend Geld für das Flugticket, den weiten Heimweg des Schongauer Flüchtlings zusammenkommt. Der Weg nach Hause ist schon so schwer genug.

Spendenkonto:

Die IBAN-Nummer des Spendenkontos, das Hans Atzenbeck bei der Kreissparkasse Schongau eingerichtet hat: DE82734514500036206001.

Er weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass er selbst oder der Helferkreis keine abzugsfähigen Spendenquittungen ausstellen darf, die Gelder kommen steuerrechtlich keinem förderfähigen Zweck zugute, sondern stellen eine rein private humanitäre Hilfe dar. Rückfragen an Hans Atzenbeck unter 08861/8482 oder Elisabeth Penczek unter Telefon 08861/909200.

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