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Jetzt noch auf, bald im Auto: (v.l.) Sabrina Rupprecht, Karoline Kadletz und Philipp Reich sowie Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer und Philipp Rupprecht beim Fototermin am Ballenhaus mit zwei der drei Mercedes-Kombis.

Mit Team dabei

Schongauer Kindsköpfe auf Orient-Rallye

Schongau - Zum elften Mal startet am Samstag die Allgäu-Orient-Rallye von Oberstaufen nach Antalya. Unter den 70 Fahrerteams sind heuer vier Schongauer dabei, das Team Madcaps, zu deutsch die Kindsköpfe. Als Hauptgewinn winkt ein echtes Kamel – Abenteuer und Action gibt es obendrauf.

Gerade hat Vize-Bürgermeister Tobias Kalbitzer den Beitrag der Stadt Schongau überreicht, eine Black Forest Rose aus der Stadtgärtnerei, die in Istanbul gepflanzt werden soll, und sich mit einem „grüßt mir den Istanbuler Bürgermeister“ verabschiedet. Nun sitzen Karoline Kadletz, Sabrina Rupprecht und ihr Bruder Philipp nebst „Bordmechaniker“ Philipp Reich neben ihren Fahrzeugen am Ballenhaus und schnaufen erst einmal durch. Denn die vergangenen Monate waren gespickt mit Arbeit – schließlich stiegen die Schongauer verspätet ein.

Als Nachrücker blieb nicht viel Zeit zur Vorvereitung

Erst nachdem die Semesterklausuren vorbei waren, kam Philipp Rupprecht dazu, sich über die Rallye zu informieren. Weil der Meldeschluss lange vorbei war, musste er sich auf der Warteliste, „so an 40. Stelle“, eintragen. „Im September kam dann kam der Anruf von einem anderen Team“, erinnert sich Philipp. Das konnte nicht mehr mitfahren und telefonierte die Warteliste ab, bis sie bei den Kindsköpfen landeten. „Ich hab natürlich erst einmal zugesagt“, so der Maschinenbaustudent, und musste dann sein Team zusammenbekommen. Da kamen nur engste Freunde und Familie in Frage. Denn drei Wochen lang können sich die Teams nicht mehr aus dem Weg gehen, müssen sogar zusammen in ihren Autos schlafen. Aber von allen kam die Antwort: „Wir haben Bock.“ Teilnehmer fünf und sechs sind Alexander Andy und Julian Kleinknecht, die am Freitagvormittag noch nicht in Schongau waren – Andy musste noch arbeiten, Kleinknecht studiert in Rumänien und landete später am Tag in München. Das Sextett ist in etwa so alt wie ihre drei Mercedes-W124T-Modelle, alle Baujahr zwischen 1990 und 95. Das ist schon mal eine der Voraussetzungen für die Teilnahme.

Bei der Allgäu-Orient-Rallye müssen die Autos älter als 20 Jahre sein oder nicht mehr wert als 1111,11 Euro. Nicht jedes Fahrzeug muss ankommen, aber alle sechs Teammitglieder, zwei je Auto, müssen gemeinsam in wenigstens einem Auto das diesjährige Ziel im südtürkischen Antalya erreichen. Die Autos bleiben vor Ort und werden versteigert – der Erlös kommt den Erdbebenopfern in der Türkei zugute. Das ist eine der Spielregeln der Rallye, Spaß und der humanitäre Zweck stehen im Vordergrund. Gefahren wird nach der Straßenverkehrsordnung. Nicht erlaubt sind natürlich Navigationsgeräte sowie Autobahnen und Fähren, außer der über den Bosporus. Transportiert wird auch Equipment, mal medizinische Güter, gebrauchte Computer oder was auch immer vor Ort gebraucht wird in Schulen oder Krankenhäusern.

Bei der verrückten Rallye ist Planung schwer: "Es kommt immer irgendwie anders."

Noch am Donnerstag mussten Sabrina und Karoline unplanmäßig nach Karlsruhe fahren, um die bestellten Reifen abzuholen. Durch einen Serverabsturz beim Hersteller waren seit einer Woche keine Lieferungen mehr rausgegangen. Weil drei Ersatzreifen pro Auto eingeplant sind, muss das Team am Tag vor dem Start noch 18 Reifen auf die Felgen aufziehen, die auch erst am Vortag angekommen sind. Das ist aber normal für die verrückte Rallye: Man wisse man von den anderen Teams, so Karoline, die in München Biochemie studiert, dass man nicht zu viel planen solle. „Es kommt immer irgendwie anders.“

Die drei Mercedes-Kombis wurden per Kleinanzeigen in Unterdießen, am Bodensee und in Stuttgart erworben. Die Präferenz für den Stuttgarter Autobauer rührt von der nahezu unverwüstlichen und robusten Technik. Die Madcaps haben sich Sponsoren gesucht, mit deren Hilfe Fahrzeuge, Ausrüstung und Equipment sowie die Rückflüge bezahlt wurden.

Vor den Fahrern liegen 5555 Kilometer

Im Auto wird es eng. Im Heck wird auf einer großen Matratze geschlafen, auf dem Dach müssen die Ersatzreifen, Benzin- und Wasserkanister und die Verpflegung verstaut werden. Die besteht bei den Madcaps nicht nur aus dem Essen, sondern auch aus 15 Litern selbst gebrautem Bier, womit die sechs schon einige Kilometer weit kommen wollen.

5555 Kilometer liegen vor den Fahrern. Nach dem Start in Oberstaufen geht es über Österreich und Ungarn nach Bulgarien, dort wird die türkische Grenze Richtung Istanbul überquert. Es folgen Etappen durch die ländliche Türkei, erzählt Karoline, wobei man die Kurdengebiete meide. Deshalb musste heuer die Strecke zwei Mal geändert werden.

Ursprüngliches Ziel ist seit jeher Jordanien. Da aber das Königreich auf dem Landweg derzeit nicht erreichbar ist, wurde umgeplant. Östlichster Punkt der Rallye ist nun die Hauptstadt Georgiens, Tiflis. Von dort führt die Strecke zurück an die türkische Südküste nach Antalya. Wer dort als Erster über die Ziellinie fährt, bekommt das Kamel. Ehrensache, dass die Schongauer bei ihrer Rückkehr auf dem Tier um den 21. Mai herum in Schongau einziehen wollen.

Wer wissen will, wo die sechs Kindsköpfe stecken, was sie erlebt haben, kann sich auf der Homepage www.themadcaps.de informieren. Weitere Details finden sich auch auf der Seite allgaeu-orient.de

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