Unterhaltszahlungen "die verdammte Pflicht eines Vaters"

Schongau - Für seine in Schongau bei der Mutter lebenden Kinder den gesetzlichen Unterhalt zu leisten, sah sich ein in Eching lebender Mann nicht im Stande. Jetzt stand er deshalb vor Gericht.

Seine beiden schulpflichtigen Söhne leben bei der Ex-Frau in Schongau. Im Mai vergangenen Jahres, beklagte der Angeklagte, wären ihm endgültig die Mittel ausgegangen. „Unterhalt war da einfach nicht mehr drin“, sagte der 40-Jährige und bat das Gericht zu berücksichtigen, das auch er „ein Anrecht auf ein bisschen eigenes Leben“ haben sollte: „Um 20 Uhr ist Feierabend. Dann fahre ich noch eine Stunde heim, gehe ins Bett, stehe morgens um 5 Uhr wieder auf, und alles geht von vorne los.“ Das Mitgefühl der Prozessbeteiligten war ihm sicher. Allerdings verpflichtet ihn der Gesetzgeber, das Leben, das er in die Welt setzte, zu achten. Dazu gehört an erster Stelle die Pflicht, seine Kinder zu versorgen, rief ihm der Richter in Erinnerung. Grundsätzlich hierbei gilt: Kindsunterhalt kommt immer zuerst, hat Vorrang vor allen anderen Verpflichtungen. Der Vorsitzende Richter ermahnte den Angeklagten, seine Vaterschaft ernst zu nehmen und nicht immer zu warten, „bis jemand auf Sie zugeht“, womit er auf frühere Verurteilungen anspielte.

Nach einer gemeinsam durchgeführten Überschlagsrechnung gelangten das Gericht und der Echinger zu dem Ergebnis, dass ihm nach Abzug der Standards, wie Miete, Strom und Wasser, tatsächlich wohl nur 300 Euro für den eigenen Bedarf zur Verfügung stehen. „Das mag nicht viel sein“, signalisierte das Gericht Verständnis. An der Unterhaltspflicht führe aber kein Weg vorbei. „Ich tue ja mein Möglichstes“, hielt der Echinger dagegen. Bevor er den Job im Lager angenommen hatte, war er mit einem eigenen Speditionsbetrieb in Insolvenz gegangen. Auf seinem Unglück und den Verbindlichkeiten ruhe er sich aber keineswegs aus, ließ er das Gericht wissen, an seinem Limit angelangt zu sein. Im Angesicht der Tatsache, dass der Angeklagte seinen Söhnen den Unterhalt lediglich für kurze Zeit vorenthielt, stellte das Gericht das Strafverfahren trotz einschlägiger Voreintragungen gegen Auflagen ein. Der Echinger muss mit 250 Euro büßen und wurde zudem verpflichtet, seinen Aufgaben gegenüber der Mutter und den Kindern nachzukommen.

„Ich weiß, das ist anstrengend“, beklatschte der Richter die sichtbaren Bemühungen des 40-Jährigen, seit den früheren Verurteilungen daran zu arbeiten, den Auflagen nachzukommen: „Aber das ist nun einmal auch die verdammte Pflicht eines Vaters!“, fügte er noch hinzu.

Andreas Sachse

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