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Mutet fast idyllisch an: Sickerteich für den Leistungspumpversuch. Alle Maßnahmen sollen voraussichtlich bis zum Jahr 2018 fertiggestellt sein.

Wasserversorgung Schongau

Kostbares Lebenselixier gesichert

Schongau - Seit mehreren Jahren arbeitet die Stadt Schongau inzwischen an einer Optimierung ihrer Wasserversorgung. Nutznießer davon sind auch zahlreiche kleine Gemeinden, die davon im Hinblick auf ihre eigene Versorgung profitieren. Derzeit werden gerade die Trassenfindung und die Leitungsverlegung ausgetüftelt, wo man aber noch in Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern steht.

Es ist schon eine Zeitlang her, seit man mit ersten vorbereitenden Maßnahmen für eine Verbesserung der Schongauer Wasserversorgung befasst war. Walter Frömmrich, der bei den Stadtwerken quasi die Oberaufsicht über dieses Unternehmen führt, erinnert sich. „Wir sind da vor vier bis fünf Jahren gestartet. Hintergrund ist, dass jede Kommune eine zweite Versorgung braucht, die von den vorgesetzten Behörden (Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und Gesundheitsamt) gefordert werden. Der Grund hierfür ist simpel. „Wenn etwas ausfällt und keine Versorgung sichergestellt ist, gibt’s auch kein Leben, formuliert Frömmrich es kurz.

Eine Wasserleitung für den Leistungspumpversuch verläuft durch den Wald bei Denklingen.

Initialzündung sei letztlich das Wasserschutzgebiet in Hohenfurch gewesen, das in seiner ursprünglichen Planung sehr groß ausgefallen wäre und bis zum Schongauer Krankenhaus gereicht hätte. In diesem Fall, so Frömmrich, „wäre das Gebiet Schongau-Nord für uns quasi gestorben gewesen“.

Parallel dazu wurden die bereits bestehenden Wasserschutzgebiete neu beurteilt und bewertet. Zu diesem Zeitpunkt war auch gerade die Beurteilung des Wasserschutzgebiets Schwabsoien im Laufen. Dabei gelangte man schließlich zu dem Entschluss, das Thema einer zweiten Wasserversorgung zu diskutieren, zumal auch die Schönachgemeinde Hohenfurch eine solche brauchte. Es folgten Vorschläge, die vom Stadtrat abgesegnet und somit auf den Weg gebracht wurden.

„Wir wussten zu diesem Zeitpunkt schon, dass nördlich Hohenfurch Wasservorkommen sein müssen und haben deshalb auf unseren eigenen Grundstücken danach gesucht, aber nichts gefunden“, erklärt Frömmrich. Das Waldgebiet nördlich des Schönachorts hatte weder eine Quelle, noch einen Bach oder einen See. Der Stadtwerke-Chef weiter: „In dem riesigen Gebiet kam nirgendwo Wasser raus, aber es musste ja etwas da sein“. Außerdem, so ergänzte er noch, sei ein Waldgebiet bestens geeignet für die Ausweisung eines Schutzgebiets.

„Wir wussten, dass nördlich Hohenfurch Wasser sein muss“

Bei der weiteren Suche habe man schließlich die eigenen Grundstücke verlassen und habe sich im Staatsforst kundig gemacht und zehn Bohrungen durchgeführt. Erst bei der letzten wurde man schließlich nach eineinhalbmonatiger Bohrphase fündig. Die letzte Chance quasi, denn die Bohrfirma musste wegen eines anderen Auftrags dringend weg und hätte keine elfte Bohrung mehr durchführen können. Das war 2011.

Im darauf folgenden Jahr wurden noch eine größere und eine weitere Bohrung gemacht, um das Umfeld besser sondieren zu können. Hier ging es dann auch um die Raumkernsondierung und die Geoelektrik. Und es wurde abgeklärt, dass das Wasser aus Schwabsoien oder dem Staatsforst problemlos mischbar war und zu keinen Schwierigkeiten führte. Es folgten weitere Bohrungen und kleine Pumpversuche, bevor schließlich im Jahr 2014 noch mal gebohrt wurde, um auszuloten, wie hoch es wird, wie schnell es nachströmt und wie der Untergrund beschaffen ist. Insgesamt 16 Bohrungen lagen damit hinter den Schongauern.

Im Jahr 2015 schließlich konnte man infolge der Untersuchungsergebnisse und der Geologie umreißen, wie groß ein Schutzgebiet sein könnte. Anschließend wurden drei Brunnen gebohrt, wobei die Bohrungen bei einem Durchmesser von 1,20 Metern bei einer durchschnittlichen Tiefe von 30 Metern erfolgten.

Im August des gleichen Jahres wurden dann Leistungspumpversuche gemacht, die sich über zwei Wochen erstreckten, um herauszufinden, wieviel man rauspumpen kann und ob es auch auf Dauer leistungsfähig ist. Dazu wurden über zwei Kilometer provisorische Leitungen verlegt und ein Sickerteich gebaut, um das Wasser wieder loszuwerden, wobei der Rückfluss unterirdisch entstehen durfte.

Im Jahr 2015 wurden schließlich drei Brunnen gebohrt

Als man das Ergebnis vorliegen hatte, wurde beschlossen, im Staatsforst auf Gemeindeflur von Denklingen und Epfach weiterzumachen. Mittlerweile haben die drei Brunnen übrigens auch einen Namen, was auf einen Vorschlag von Stadtrat Friedrich Zeller zurückgeht – sie heißen alle Heilig-Geist-Brunnen und liegen insgesamt 700 Meter auseinander.

Warum es drei sein mussten, erklärt Frömmrich auch gleich. „Schongau hat einen gewissen Wasserbedarf, der bei annähernd 60 Litern – auch für die angeschlossenen Gemeinden – liegt.“ Jeder der Brunnen hat dabei eine Kapazität von ziemlich genau 20 Litern, womit die erforderliche Gesamtmenge spielend garantiert werden kann.

Seitdem befindet man sich nun in der aktuellen Planungsphase, was bedeutet, dass die Brunnen ausgebaut werden, eine Planung für den 1000 Kubikmeter fassenden Tiefbehälter erstellt wird und der gesamte Leitungsverlauf (Tiefbehälter mit Pumpanlage) bis nach Schongau konzipiert wird. „Das planen wir augenblicklich“, erläutert Frömmrich den Ist-Stand, zu dem auch die Trassenfindung sowie die Leitungsverlegung gehören. Und natürlich noch das ein oder andere Gespräch mit den Grundstücksbesitzern, die hierfür Land abtreten und mit denen derzeit noch die Verhandlungen laufen.

Was den momentanen Kostenrahmen anbetrifft, so geht der Stadtwerke-Chef von etwa 7,5 Millionen Euro aus. Baubeginn soll im kommenden Jahr sein, mit der Fertigstellung ist vermutlich dann im Jahr 2018 zu rechnen.

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