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Freuen sich über die neuen Chorherren im Klostergarten von Steingaden. Pater Pertus Adrian und Roberta Leimbach vom Obst- und Gartenbauverein Steingaden.

Gartenwinkel Pfaffenwinkel

Acht neue Chorherren für Steingaden

Steingaden - Seit gestern bereichern acht ganz besondere Mönche den Steingadener Klostergarten. Bei einem kleinen Festakt im Rahmen des ersten Aktionstages Gartenwinkel Pfaffenwinkel wurden die acht Skulpturen der Steingadener Künstlerin Marion Werner der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der eine schiebt eine Schubkarre vor sich her, der andere trägt eine Gießkanne. Ein dritter geht mit einem Sonnenschirm spazieren, und am Eingang zum Klostergarten steht ein vierter Mönch mit einem Apfelpflücker. Eigentlich wäre es ihm ja lieber von Chorherren zu sprechen, meinte Pater Petrus Adrian zur Begrüßung der zahlreichen Gäste. Denn Mönche habe es im Steingadener Kloster ja nie gegeben.

Doch dem Hausherren war anzusehen, dass er die neuen Mitbrüder schon ins Herz geschlossen hat. „Die Figuren lassen einen schon schmunzeln“, meinte der Bruder mit Blick auf die doch unterschiedlichen Charaktere, die man erkennen könne. „Und sie laden ein, die Seele baumeln zu lassen an diesem Ort“.

Der Klostergarten, so Pater Adrian, sei von je her ein wichtiger Ort gewesen, als Lehrgarten für die Ordensbrüder und als Anbaumöglichkeit für die Heilpflanzen, die in der klostereigenen Apotheke genutzt wurden. Und natürlich war und ist der Klostergarten ein Ort der Besinnung, wo man zur Ruhe kommen könne. Die acht neuen Mitbrüder machten ihm schon Hoffnung, so der Hausherr im Klostergarten. „Dass ich nicht weiterhin hier der Einzelkämpfer bin“.

Bei diesen acht Mitbrüdern müsse es aber nicht bleiben, so Marion Werner. Ideen für weitere Figuren habe sie schon, gestand die Künstlerin, die im Auftrag des Obst- und Gartenbauvereins die Mönche entworfen hat. „Ich stelle mir einen in der Hängematte liegend vor mit dem Brevier auf dem Bauch“. Auch einen Mönch, der mit einem Stapel Bücher bis unters Kinn gerade aus der Bibliothek kommt, fände sie schön, skizziert Werner ihre Ideen. Gut zwei Wochen benötige sie für zwei Figuren, dazu kommt in etwa noch einmal dieselbe Zeit für die Gießerei, wo aus ihren Ideen kleine Kunstwerke für die Ewigkeit entstehen.

Apropos kleine Kunstwerke: Nicht einmal einen halben Meter messen Pater Petrus‘ neue Mitbrüder. Jeweils auf einer Steinstele sitzend, gehend oder stehend, haben sie ihren Platz inmitten des Klostergartens St. Johannes gefunden. Es sei eine große Ehre für sie gewesen und natürlich habe es ihr auch Spaß gemacht, die Figuren zu entwerfen, und ihr gefalle die Idee, dass man die Mönche quasi auf den zweiten Blick erst entdecke. Weil es eben keine solch protzigen Kunstwerke seien, so Marion Werner. Sondern liebevoll gestaltete Figuren, die die Tätigkeiten der Mönche von früher aufgreifen.

Dieser Vorstellung sei sie bei der Umsetzung gefolgt, so Werner. Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen seien nicht beabsichtigt gewesen, „aber es kommt vor“.

So stellt eine der Figuren einen blinden Mönch dar, der in einem Buch mit Brailleschrift liest. Der sei in Teilen Werner Rupp nachempfunden, vor allem seine Augen eben, erzählt die Künstlerin. Werner Rupp ist zusammen mit seiner Frau einer der Spender, die die Figuren ermöglicht hatten.

Die Idee für das Kunstwerk sei aber nach den Blütentagen entstanden, erzählt Roberta Leimbach. Man wollte den Gewinn seinerzeit nutzen, und als Marion Werner ihre Idee vorstellte, gab das Team der Blütentage spontan den Auftrag für die ersten beiden Figuren. Dank einer Spende der Finanzinstitute Steingadens sowie weiterer Privatleute kamen dann die restlichen Figuren hinzu, die sich auf den 2008 eingeweihten Klostergarten verteilen.

Gleichsam wie auf einer Entdeckungstour durch den Garten solle man die Figuren entdecken, ist der Wunsch der Beteiligten. Darüber müsse man sich aber keine Gedanken machen, denn der Klostergarten ist viel frequentiert, weiß auch Steingadens zweiter Bürgermeister Leo Eicher. Selbst unter der Woche wären immer Menschen hier im Garten und würden die Ruhe und Stille suchen. „Der Garten ist schon eine bärige Sache“, so Eicher, in die die 14 Damen um die Projektleiterin Monika Kramkowsky viel (ehrenamtliche) Zeit und Arbeit investieren. Daher habe man auch lange diskutiert, ob man eine Spendenbox aufstellen solle, so Roberta Leimbach. Nach dem Zuspruch von den Besuchern, die im Gästebuch nicht nur Anregungen hinterlassen sondern viel Lob für das Klostergartenteam, und nachdem man noch eine besondere Spende von der Firma Johann Sieber erhalten habe, eben jene Spendenbox, so Leimbach, habe man sich dafür entschieden. Und wie meinte Pater Petrus noch: „Es lohnt sich, in die Spendenbox zu investieren“. Der Klingelbeutel, den der kleine Mönch den Besuchern entgegenstreckt, ist dafür auch wirklich zu klein.

Apropos klein: Pater Petrus Adrian sollte vielleicht nicht unbedingt von acht neuen Mitbrüdern sprechen. Scheint es doch, als ob auch der Hausherr seinen Platz im Klostergarten schon gefunden hat unter den Mitbrüdern. Zumindest die Nase weise gewisse Ähnlichkeiten auf, haben die Besucher und scharfen Beobachter schon festgestellt. Wer nun also wissen möchte, ob Pater Petrus, und vielleicht nicht nur er, als Mönch in Kupfer verewigt im Steingadener Klostergarten steht, der sollte etwas Zeit mitbringen und dieses Gartenjuwel neben dem Prämonstratenserkloster selbst entdecken. Und vielleicht findet er ihn ja, den Chorherren, der andere zu gern zum Schmunzeln bringt und als Frohnatur auch selbst gerne über und mit seinen Mitbrüdern schmunzelt.

Oliver Sonmer

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