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Besonders überzeugend war an diesem Konzertabend in der Wies Sophia Brommer (mit Blumenstrauß).

Musik im Pfaffenwinkel

Sophia Brommer wird zur Lichtgestalt in der Wies

Wies - Eine ganz andere Klangsprache erwartete diesmal die Konzertbesucher bei Musik im Pfaffenwinkel in der Wieskirche, deren prachtvoller Innenraum durch das strahlende Sonnenlicht besonders golden glänzte.

Weit ab von barocker Innerlichkeit, einer Leicht- und Luftigkeit zur Zeit der Wiener Klassik, hatte sich der Dirigent und Künstlerische Leiter von Musik im Pfaffenwinkel für eine französische Mischung der ausgehenden Romantik entschieden. Wuchtig, pompös, unüberhörbar an italienische Operntradition gemahnend standen Bizets „Te Deum“ und Gounods „Cäcilienmesse“, der Heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Kirchenmusik, gewidmet, auf dem letzten Sonntagsprogramm der erfolgreichen Sommer-Konzertreihe.

Vorangestellt hatte man den „Orgelreißer“, die 5. Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor. Alle drei Komponisten kannten sich, schätzten sich, pflegten zum Teil freundschaftlichen Umgang miteinander. Alle stammten aus einem musikalisch wie künstlerisch geprägten Elternhaus, waren unverkennbar stilistischen Traditionen ihrer Epoche verhaftet. Mit dem Organisten und Kirchenmusiker von Mariae Himmelfahrt in Schongau, Andreas Wiesmann, hatte man auf einen bereits seit längerem eingebundenen Partner zugegriffen. Leitet er doch gemeinsam mit Christian Fröhlich die Proben des höchst energiegeladen agierenden Gemischten Chores im Pfaffenwinkel. Seine sehr eigenwillige, oft gedeckte, gedämpft klingende Registrierung des geliebten wie gefürchteten Paradestücks für Organisten, die 5. Orgelsymphonie von Widor, machte den Zugriff für den Hörer nicht ganz einfach. Trotz kunstvoller Virtuosität wird es zur Herausforderung, die Variationen des Kopfsatzes differenziert wahrnehmen zu können.

Spieluhrencharakter entwickelt Wiesmann im Allegro cantabile, choralartig auf und abschwellend bewegt sich das Adagio, wie eine Tausendfüßler-Musik rauscht die weltbekannte Toccata durch die Wies, beeindruckend in jedem Fall. Das federleichte Beben, der Swing, der in diesem Werk steckt und den man im Konzert oft erleben kann, entfaltet sich in dieser Interpretation jedoch nicht. Plakativ ist die Sprache von Bizet, massig und opernhaft der üppige Chorklang in seinem „Te Deum“, der Vertonung des „Ambrosianischen Lobgesanges“ aus dem 4. Jahrhundert.

Der Gemischte Chor im Pfaffenwinkel schöpft an diesem Abend ganz aus dem Vollen. Groß, mächtig und imponierend wallt, packt und rüttelt es am filigranen Barock der Wies. Wie gewohnt gestaltet Fröhlich mit den Fäusten, mit ganzem Körpereinsatz, völlig hingegeben an die Musik. Für die beiden jungen Solisten, den Tenor Joshua Owen Mills, der sich mit feiner Kopfstimme jedoch ohne überzeugende Höhe etwas zu sehr aufs operntheatralische Parkett begibt, dessen Italianità aufgesetzt wirkt, und den warm strömenden Bass Thomas Stimmel, ist es schwierig, eine stimmliche Balance dem Orchester gegenüber zu wahren. Allzu vehement lassen sich die wie immer hervorragend disponierten Mitglieder der Münchner Philharmoniker von Christian Fröhlich mitreißen.

Mühelos hingegen überstrahlt die in allen Nuancen berührende Sopranistin Sophia Brommer diesen Abend. Großbogig nutzt sie nicht nur in Bizets „Te ergo“, sondern auch im von Solohorn weich eingeleiteten „Gloria“, im ergreifenden „Benedictus“, im liebevoll zarten „Domine Deus“ alle Möglichkeiten ihrer wundervollen Stimme, wird so auch in Gounods „Cäcilienmesse“ zur Lichtgestalt der Interpretation. Sanft fließend, klar, mühelos, technisch souverän gleitet ihr Gesang zu den staunenden Zuhörern.

Trotz leichter Verständigungsschwierigkeiten zwischen Orchester und Chor wie beim Eingangs-Kyrie oder dem Miserere nobis schenkt Fröhlichs Zugriff immer wieder starke, bewegende Momente mit gefühlvollen Orchesterzwischenspielen, sanft im Holz, weich im Streicherapparat, enthusiastisch im Chor.

In Solidarität mit der durch den Terror erschütterten französischen Nation erhebt sich das ganze Auditorium auf Christian Fröhlichs Zeichen bei Gounods Schlussgebet „Prière de la Nation“, er dirigiert symbolisch mit gefalteten Händen.

Trotz des anschließenden großen Publikumsjubels für alle Mitwirkenden doch schade, dass der von Wiesprälat Fellner zu Beginn erbetene Moment der Stille am Ende des Werkes von einigen Besuchern nicht abgewartet werden konnte. Man hätte ihn, um die monumentale Wucht dieser Musik zu bewältigen, gebraucht.

Dorothe Fleege

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