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Hans Drexler auf der Viehweide, wo seine Angus-Rinder grasen. Jetzt sind sie wieder vollzählig.

Vom Tierarzt betäubt

Durchgedrehtes Rind fünf Tage auf der Flucht

Böbing - Hans Drexler vom Leitner-Hof in Böbing stand vor einem Rätsel. Fünf Tage war eines seiner fünf Angus-Rinder spurlos verschwunden – wie vom Erdboden verschluckt. Die Suche verlief ergebnislos – bis gestern Nachmittag ein Tierarzt mit dem Betäubungsgewehr erfolgreich war.

Am Freitag stand auf dem Leitner-Hof in Böbing-Leithen der erste Viehtrieb an. Die fünf Angus-Rinder, alle ein Jahr alt, sollten aus dem Stall heraus auf die Weide. Da die Rinder beim „ersten Run“ meistens recht ungestüm sind und wie verrückt draufloslaufen, hat Drexler vorsichtshalber einen sogenannten Treibwagen zu Hilfe genommen. Dieser Wagen ist ein großer fahrbarer Laufstall, in dem die Viecher zur Weide geleitet werden – bei Drexler rund 100 Meter vom Hof entfernt. So können die Tiere beim ersten Ausgang etwas im Zaum gehalten werden, ohne dass sie gleich davonstürmen.

Acht Rinder rannten in eine Richtung, nur das eine walzte den Zaun nieder

An der Weide angekommen, wurde der Treibwagen geöffnet – und sofort stürmten die Angus-Rinder zusammen mit vier anderen Rindern (von einem Bauern aus dem benachbarten Holzleithen) auf die eingezäunte Wiese. Acht Rinder rannten in die eine Richtung, eines der fünf Angus-Tiere in die andere. Letzteres war so ungestüm, dass es auch vom elektrischen Weidezaun nicht Halt machte, sondern die Begrenzung regelrecht niederwalzte.

Anschließend rannte das Angus-Rind auf einen Hohlweg in Richtung Talmühle davon, Hans Drexler und Helmut Dreher (aus Holzleithen) hinterher. Doch sie hatten keine Chance. Das flüchtende Tier ließ sich sogar von Stacheldrähten nicht aufhalten und stürmte alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte.

Der Fluchtweg führte kurz von der Talmühle wieder zurück Richtung Leithen, südlich an dem kleinen Ortsteil vorbei, dann quer über die Betonstraße am Hatzel-Hof in Richtung Holzleithen und Schnalz. Das konnte Hans Drexler anhand durchbrochener Weidezäune rekonstruieren. Doch dann verliert sich jede Spur.

Tierarzt war mit drei Betäubungsschüssen erfolgreich

In den folgenden Tagen wurde die Suche fortgesetzt. Drexlers Hoffnung, dass Besucher der Bergmesse auf der Schnalz am 1. Mai entscheidende Hinweise geben könnten, zerschlug sich schnell, denn wegen des schlechten Wetters fand die Bergmesse gar nicht statt. „Das Rind ist sehr scheu und flüchtet, wird aber aggressiv, wenn es sich in die Enge getrieben fühlt“, warnte Hans Drexler und dachte dabei an alle Wanderer, die im Gebiet der Schnalz unterwegs sind. Sie sollten dem Tier auf keinem Fall zu nahe kommen.

Entdeckt hat das flüchtige Tier gestern Nachmittag schließlich kein Wanderer, sondern Drexlers Nachbar. Der war mit Reparaturarbeiten an einem Weidezaun beschäftigt, als das Angus-Rind plötzlich aus dem Wald heraussprang, ehe es kehrtmachte und wieder im Unterholz verschwand. Doch diese erste Sichtung nach fünf Tagen ließ sich Drexler nicht entgehen. „Ich habe bereits im Vorfeld einem Tierarzt Bescheid gesagt, dass er notfalls schnell mit einem Betäubungsgewehr kommen muss.“ Bereits nach 20 Minuten war er da, und weil sich das scheue Tier partout nicht einfangen ließ, musste der Fachmann mit dem Betäubungsgewehr ran. „Nach dem dritten Schuss ist das Rind umgefallen“, berichtet Drexler. Per Frontlader brachte er das Tier wieder zurück auf die Weide zu den anderen Angus-Rindern – dort, wo es eigentlich seit fünf Tagen sein sollte.

Michael Gretschmann

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