Leidenschaft pur: Die Brüder Janoska und Schwager Darva am Kontrabass sorgen im Florianstadl für ein wunderbares Hörerlebnis.

AmmerSeerenade

Furioser Festvial-Endspurt

Andechs - Mit einem Konzert des Janoska Ensmebles und viel russischer Leidenschaft endet die AmmerSeerenade 2016. 4000 Besucher wurden in diesem Jahr gezählt - ein neuer Rekord.

Die sehr zahlreichen Besucher waren schier außer sich vor Begeisterung. Und dies zu recht. Sie erlebten mit dem Janoska Ensembles im Florianstadl ein Konzert, das mit der extrem virtuosen „Russian Passion“ einen starken Akzent erhielt.

Die in Batislava geborenen, in Wien lebenden Brüder Ondrej Janoska, ehedem Mitglied der Ersten Violinen der Wiener Philharmoniker, und Roman Janoska (Violine), Frantisek Janoska (Klavier) und der einer ungarischen Musikerfamilie entstammende Schwager Julius Darva (Kontrabass), Mitglied des Bühnenorchesters der Wiener Staatsoper und Substitut der Wiener Philharmoniker, stellten ihren ureigenen Janoska-Style vor. Das waren vor allem auch Bearbeitungen volkstümlicher Stücke, die niemals etwa als einseitig auf Breitenwirkung hin oder gar flach-unterhaltsam erschienen. Dafür verband das Ensemble slawische Klangkultur und musikantische Spielfreude zum faszinierenden Hörerlebnis. Zwei Violinen und Kontrabass waren schon vor Jahrhunderten die unerlässliche Basis von Zigeunerkapellen. Beim Janoska Ensemble wechselten sich die Geiger in der Melodieführung ab, bis auch der vom Kontrabassisten harmonisch gestützte Pianist solistisch hervortrat. So bereicherte das Ensemble die musikalischen Gattungen geradezu um eine Facette der Weltmusik.

Bei der „Fledermaus“-Ouvertüre nutzte es Verve und effektvollen Wechsel der Motive, wo Strauß eine Muster- Operette gelang, samt Einwürfen auch aus dem Jazz, zu jubelnden und schmachtenden Momenten. Mit Kreisler-Rachmaninows „Liebesleid“ vermochte es zu berühren. Einen Csárdás zupften die Geiger wie Gitarrenmusik, mit dem Tempo wuchs die Spannung. Konnte nach den Geigern auch der Pianist Tschaikowskys „Melodie“ kaum aus dem Dunst der Salonmusik befreien, so rechtfertigten er und die Kollegen vollauf die Bearbeitung von Prokofjews „Sonate für Violine und Klavier“ D-Dur op. 94. Stürmische Passagen, die vom Bassisten kraftvoll verstärkt wurden, wechselten mit kantablen, von sich einmal mehr instinktsicher abwechselnden Violinisten expressiv und leuchtkräftig gestaltet.

Mit dem ausdrucksvollen Klavierpart ergaben das plastische und farbige Eindrücke, der Bedeutung eines Klassikers der Moderne gemäß.

Aus Rachmaninows „Vocalise“ samt „Russian Romances“ sprach die russische Seele eine gefühlvolle Sprache. Rasend schnell aber spielten die Geiger beim „Moscovite Night-flight“-Suite den unverwüstlichen „Hummelflug“. Am Schluss der Zugaben war die Melodie von Schillers „Freuden-Ode“ aus Beethovens Neunter Sinfonie zu hören, die künstlerische Vision der Janoskas weitete sich zum völkerverbindenden Friedenswunsch.

Eine Erfolgsbilanz:

Mit einem deutsch-russischen Weißwurstfrühstück, russisch-japanischem Klangzauber, Streichvirtuosen aus Berlin und einem der führenden Schlagzeugsolisten seiner Generation ist die diesjährige AmmerSeerenade erfolgreich beendet worden.

Rund 4000 Besucher kamen während des einwöchigen Klassikfestivals zu den 43 Veranstaltungen mit 135 Künstlern und Künstlerinnen aus der Region, Deutschland, Taiwan, Russland, Österreich, Italien, Serbien und Polen.

Allein die täglichen Abendkonzerte in Bootshäusern, Klöstern, Kirchen und Scheunen rund um den Amemrsee besuchten gut 2000 Klassikfans. Im Braunviehstall in Achselschwang mit seiner Festivalausstellung „Augenfutter“ und der allabendlichen Happy Classic Hour mit jungen Talenten wurden rund 600 Besucher gezählt.

Der Tag der offenen Haus- und Hofkapellen, an dem sich in diesem Jahr 23 kleine Gotteshäuser beteiligten, lockte gut 1300 Besucher an.

Von einer rundum erfolgreichen Festivalwoche sprach Leiterin Doris Pospischil. Höhepunkte waren der Auftritt des Janoska-Ensembles aus Wien im Florianstadl in Achselschwang, das Konzert des Szymanowski-Quartetts im Haus der Bayerischen Landwirtschaft in Herrsching, der Große Carl Orff-Tag sowie das Eröffnungskonzert mit der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg zusammen mit der viel beachteten Cellistin Raphaela Grommes und Taiwans Vorzeigegeigerin Sophie Wang in der Klosterkirche Herz Jesu der Erzabtei St. Ottilien.

Am Abschlussabend begeisterte der Percussionist Alexej Gerassimez sowie das Vision String Quartet das Publikum im Braunviehstall. Zuvor hatten die in St. Petersburg geborene und in Berlin lebende Pianistin Zarina Shimanskaya und die japanisch-australische Bratschistin Hiyoli Togawa das Podiumsgespräch „Russland in Europa“ mit dem früheren Berater von Altkanzler Helmut Kohl, Horst Teltschik, musikalisch umrahmt.

Viel Zuspruch erhielt auch die Festivalausstellung „Augenfutter“ mit zehn nationalen und internationalen Künstlern sowie die Auftritte junger Nachwuchstalente auf der Bühne mit dem roten Steinway im Braunviehstall in Achselschwang. Besondere Aufmerksamkeit erzielte zudem gleich zum Auftakt die Talkrunde mit dem diesjährigen Bayreuth-Dirigenten Marek Janowski.

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