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Von außen nur schwer einsehbar: Die Bio-Molkerei versteckt sich nun auch im Westen hinter einem neuen Erdwall und einer Lärmschutzwand.

Bio-Molkerei Scheitz

Hundertwasser-Paradies lebt nun auch in Andechs

Erling – Das Paradies auf Erden wollte Friedensreich Hundertwasser den Menschen bieten. Der Architekt und Künstler liebte die Natur und ihre Farben. Seit Herbst 2015 trägt auch die Bio-Molkerei Scheitz in Erling den unvergleichbaren Stil und die Philosophie des Wiener Querdenkers; wenn auch in abgespecker Form.

Hier fliegen noch ein paar Funken von der Flex, dort werkeln die Handwerker am Zaun, der demnächst das Molkereiglände umschließen wird. Es ist noch nicht alles fertig an dem Hügel, hinter dem sich Europas größte Bio-Molkerei versteckt. Auch der Westen des Klosterdorfes Erling mit seinen neuen Wohngebieten bekommt nicht viel mit von dem, was sich hinter neu aufgeschüttetem Erdwall und Lärmschutzwand abspielt: Rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche läuft der Betrieb: Lkw liefern Milch von 630 Bio-Bauern. Sie wird verarbeitet: zu Joghurt, Butter, Käse und vielen anderen Milchprodukten mit dem Gütesiegel. 

"Jedes Büro hat einen Zugang ins Grüne"

An dem rosafarbenen Logistikbau docken die Lastwagen an und bringen die Produkte vom Hochregallager über die „Biomilchstraße“ in die große weite Welt des Lebensmittelhandels. Das alles hätte sich eigentlich hinter einem Gesamtkunstwerk des Wiener Künstlers abspielen sollen: An Stelle des heutigen Erdwalls würde ein Hügelhaus im Hundertwasser-Stil eine Symbiose mit der Natur bilden. Im Inneren arbeitet die Verwaltung, obendrauf blühen die Obstbäume. Überragen würde den Hügel ein 28 Meter hoher Turm, von dem die Besucher in eine Schaukäserei blicken. Das Vorhaben war lange in Arbeitskreisen geplant worden, erst als der Gemeinderat die Pläne absegnen sollte, wurden sie öffentlich. 

Der Aufschrei im Dorf war gewaltig. Scheitz musste die Pläne ändern lassen und den Turm stutzen. Das wiederum ließ die Hundertwasserstiftung nicht zu, von der die Entwürfe stammten. Es war das Ende von Hügelhaus und Turm, die Pläne verschwanden in Scheitz’ Schublade – wohl für immer. Woanders könne man das Haus nicht bauen, sagt sie. „Es war ein Original-Hundertwasser-Projekt“, seufzt die Molkereichefin. Dass ihr Traum am Leben blieb, verdankte Scheitz dem Hundertwasser-Architekten, der an Bord blieb und umplante. Die Verwaltung residiert nun in zwölf Metern Höhe über dem Hochregallager und der Logistik. Optisch ist der Wiener Künstler allgegenwärtig: mit geschwungenen Mosaiken auf der begrünten Dachterrasse, bunten kugelförmigen Ziersäulen in den Gängen und sehr viel Natur: „Jedes Büro hat einen Zugang ins Grüne“, betont Scheitz. 

"Ich hoffe, dass es zu einem friedlichen Nebeneinander kommt"

Und natürlich ist die Verwaltung autark, der Strom kommt von einer Fotovoltaikanlage, die Wärme von der Abluft der Produktion. Und Erling hat sich beruhigt. Auch die Auseinandersetzung mit dem Kloster, die zuletzt in einem Markenstreit ausgefochten wurde, hält Scheitz für beendet: „Ich hoffe, dass es zu einem friedlichen Nebeneinander kommt.“ Die Mittelstandsunion im Landkreis ehrt sie am heutigen Mittwoch zur Unternehmerin des Jahres 2015. Das Jahr hatte es für Scheitz durchaus in sich: Neben der Betriebserweiterung gelang ihr die Trennung von der französichen Firma Bongrain. Auf Weisung des Bundeskartellamts kaufte sie vorzeitig fast 25 Prozent der Unternehmensanteile zurück. Über den Kaufpreis war Stillschweigen vereinbart worden. Er dürfte hoch gewesen sein.

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