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So soll sie aussehen, die Stele: Dr. Toni Aigner, Bürgermeisterin Anna Neppel und Franziska Ghirardo (r.) stellten das Kunstwerk vor.

Heimatgeschichte

Gestern wie heute aller Ehren wert

Machtlfing - Stele soll in Machtlfing an die mutigen Menschen erinnern, die den Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer  nach dem Hitlerattentat versteckten und versorgten. Nicht alle finden das gut. 

Machtlfing ist dafür bekannt, dass die Einwohner das Dorfleben aktiv mitgestalten. Das 550-Seelen-Dorf hält zusammen – und das hat Tradition, wie die Geschichte um den im Ort vor den Schergen des Naziregimes versteckten Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer deutlich macht. Am Donnerstag versammelten sich rund 50 Interessierte im Feuerwehrhaus, lauschten den Ausführungen des Historikers Dr. Toni Aigner und betrachteten das Modell einer Stele, die an die vergessenen Helden Machtlfings erinnern soll. Die Diskussion bewies, dass man sich in einer Demokratie nicht immer einig sein muss.

Auf die Idee, mit einem Kunstwerk der mutigen Bürger zu gedenken, kam Johann Albrecht (BG) nach dem Besuch der Tutzinger Ausstellung über den Widerstandskämpfer. Im Frühjahr nahm die Verwaltung Kontakt mit dem Erlinger Bildhauer Franz Nickel und seiner Tochter, Bildhauerin Franziska Ghirardo, auf. Aufgestellt werden soll das Denkmal auf dem Dorfplatz beim Pavillon. Ursprünglich dachte man an einen Findling mit einer Tafel. Der sei jedoch zu schwer, wirke eher wie ein Grabstein und der Blick der Betrachter ginge nach unten, argumentierte die Bildhauerin dagegen. Stattdessen schlug sie die Stele mit einer aus Bronze gegossenen Inschrift vor, die den Mut der Machtlfinger wiederspiegelt. Vorstellbar wäre unter anderem das Gedicht „Heimat“ des Widerstandskämpfers: „Ich wollte nicht aus meiner Heimat gehen. Sie schien mir lang guten Schutz zu gönnen.“ Das Sonett schlägt in Anbetracht der Schutzsuchenden in unserem Land eine Brücke von der Gegenwart in die Vergangenheit.

Ein wichtiger Aspekt, wie der emotionale Ausbruch eines älteren Machtlfingers in der Diskussion am Donnerstag zeigte: „Des Ganze ist über 70 Jahre her. Irgendwann muaß amol a Rua sei. Des Dritte Reich is aufgearbeitet worden“, schimpfte er und forderte, man solle sich lieber um die Zukunft kümmern, denn die, die Deutschland wiederaufgebaut hätten, „sitzen im Altenheim und verrecken“. Die jungen Leute, mit denen er gesprochen habe, interessierten sich nicht für diese Geschichte, behauptete er.

Die Wortmeldungen darauf aus dem Publikum waren besonnen, aber deutlich. „Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann seine Zukunft gestalten“, wiederholte Aigner die Worte einer Besucherin, Unter Applaus erinnerte er: „Das Thema ist bei Weitem nicht aufgearbeitet, die Rattenfänger kommen ganz neu.“ Eine Zuschauerin wies darauf hin, dass man das nicht ausschließlich im Zusammenhang mit dem Nazi-Regime sehen müsse. „Hier handelt es sich um eine Form der Zivilcourage.“ Mut und Zivilcourage, stimmte Grünen-Gemeinderat Walther Galli zu, „sind für eine demokratische Freiheit wichtig“.

Bürgermeisterin Anna Neppel wollte es schließlich dann doch noch genau wissen, ob die Machtlfinger sich ein Denkmal vorstellen könnten, und holte sich eine fast einmütige Zustimmung ab. Im Oktober liegt dem Gemeinderat ein entsprechender Antrag vor. „Sie ist nicht ganz billig“, warf die Rathauschefin ein, aber man sei bereits auf der Suche nach Sponsoren.

Der vorgesehene Text

für die Stele

„Machtlfinger Bürger, vor allem die Familie Dr. Otto setzten Leben und Gesundheit ein, um nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 den Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer vor den Nazischergen zu schützen. Wir wollen sie nicht vergessen.“ Das Gedicht: „Ich wollte nicht aus meiner Heimat gehen. Sie schien mir lang guten Schutz zu gönnen. Dann hat auch sie mich nicht mehr bergen können. Ich werde lebend kaum sie wiedersehen.“ Auszug aus dem Gedicht „Heimat“ aus dem Zyklus der Moabiter-Sonette von Albrecht Haushofer 1903-1945“.

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