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Der Blick vom Heiligen Berg in die Berge: Abt Johannes Eckert (l.) im Gespräch mit Merkur-Redakteur Peter Schiebel. Für ihn steht fest: Eine Bergtour mit ihren Höhen und Tiefen ist auch die Beschreibung des Lebens.

Abt Johannes Eckert im Interview

Ist man auf dem Gipfel wirklich Gott näher?

Andechs – Der Abt von Andechs, Johannes Eckert, hat sein neues Buch vorgestellt. In „Hoch und Heilig“ (ab 28. November im Handel) beschäftigt sich der 47-Jährige mit Bergen als Wegen zu Gott. Bereits vorab sprach er mit Merkur-Redakteur Peter Schiebel über die Leidenschaft Bergwandern.

-Abt Johannes, Ihr neues Buch heißt „Hoch und heilig“. Wie hoch hinaus zieht es Sie?

Wenn ich einen freien Tag habe, gehe ich gerne in die Berge. Dabei geht es mir aber nicht um die Höhe an sich, sondern mehr um die Tour. Das Loslassen, das Aufbrechen, etwas hinter sich lassen, marschieren, in der Natur sein, den Gipfel vor Augen haben, der Perspektivenwechsel. Das ist es, was es für mich ausmacht.

-Was empfinden Sie beim Bergwandern?

Es ist ein Gefühl von Freiheit und frei werden. Und manches, was im Alltag sehr mächtig ist, relativiert sich, wenn man auf dem Gipfel steht. Das finde ich wichtig. Ein Abt in der Barockzeit hat einmal gesagt, man muss ab und zu auf einen Berg steigen, damit das Kloster wieder kleiner wird ...

-Ist man auf dem Gipfel auch dem Himmel ein Stück näher?

Dieses Gefühl von Freiheit kann jemand anderes genausogut am Meer spüren, wenn er diese Urgewalt erlebt. Das Göttliche, wofür der Himmel steht, kann man an vielen Orten fühlen.

-Wie definieren Sie dieses Gipfelglück?

Das Glück ist schwer zu beschreiben, und der Moment des Glücks ist auch nicht zu konservieren. Den kann man nur erleben. Wir können zwar versuchen, den Sonnenuntergang oder die Fernsicht in einem Bild festzuhalten, aber wirklich spüren kann ich nur das unmittelbare Erlebnis. In diesen Augenblicken fühlt der Mensch, es bricht etwas Ewiges herein. Genauso wie wenn man endlich eine Prüfung geschafft hat, wenn man zum ersten Mal verliebt ist oder wenn ein Kind geboren wird. Das Gefühl kennen wir alle, aber wir können es nicht richtig beschreiben. Für mich steht fest: Das muss ein Abglanz von dem sein, was grenzenloses Glück bedeutet.

-Können wir diesen Moment trotzdem festhalten?

Die Bibel ist der Versuch, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Und auch am Berg kann es Momente geben, wo mich die Stille so anrührt, dass ich etwas von einer ganz großen Tiefe spüre.

-Gibt es eine Anleitung, diese Glücksmomente zu finden?

Das Glück kann einem zufallen, ohne dass man etwas dafür tut. Oder man kann sich aktiv darum bemühen. Ich habe eine Bekannte, die jeden Morgen Yoga macht und bei ihren Übungen in der Stille Momente des Glücks erfährt und sich Gott nahe fühlt. Bei uns im Chorgebet erlebe ich das auch manchmal. Wenn ich mich jeden Morgen diesen Psalmen stelle, ist das zunächst wie ein Training. Der Rhythmus des monotonen Betens ist wie, wenn ich am Berg gehe, Schritt für Schritt. Aber auf einmal bleibe ich an einem Wort hängen, das mich im Innersten berührt. Das ist dann mein Wort für diesen Tag und diese Stunde. Es braucht dafür aber auch die Übung. Das ist für mich das Bild des Berges.

-Also auch eine gewisse Anstrengung ...

Das gehört dazu. Eine Bergtour ist anstrengend, am Berg muss man auch mal umdrehen. Das ist auch die Beschreibung des Lebens.

-Fühlen Sie sich auf dem Gipfel Gott näher?

Oft genug ja. Aber es gibt auch andere Orte, wo ich Gott nahe bin. Zum Beispiel, wenn ich von Herrsching oder Starnberg nach Andechs raufgehe. Das ist für mich eine kleine Bergtour. Und das kann jeder empfinden. Gott kann man ganz stark in der Schöpfung spüren. Das kann auch das Gewitter am Berg sein, wenn man auf einmal ausgeliefert ist. Oder wenn das Wetter plötzlich umschlägt. Auch das sind Grenzerfahrungen. Man empfindet Ehrfurcht und Respekt ...

-... und man gewinnt Abstand von den Dingen und Problemen des Alltags ...

Ja, man kann vieles verarbeiten. Das funktioniert auch auf einer langen Forststraße, die man vielleicht nicht so gerne geht, wo einem aber trotzdem ein guter Gedanke kommt. Da kann man im wahrsten Sinn des Wortes etwas abgehen. Ich habe immer den Eindruck: Wenn ich eine Bergtour hinter mir habe, gehe ich als Veränderter heim.

-Muss man dafür alleine unterwegs sein?

Nein, das geht zu zweit oder zu dritt genauso gut.

-Woher kommt Ihre Liebe zu den Bergen?

Die Eltern sind mit uns Kindern schon sehr gerne in die Schweiz gefahren. Unser Vater hat dann mit meinem Bruder und mir einige Viertausender im Wallis bestiegen. Die Berge waren übrigens einer der Gründe, warum es mich nach Bayern verschlagen hat

-Welche Bedeutung hat für Sie der Heilige Berg?

Natürlich eine hohe. Ich war schon immer gerne hier, auch, als ich noch nicht Abt war. Dieser Wallfahrtsort Andechs mit seiner großen Tradition ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort, der sie bewegt. Für die Menschen da zu sein, sehe ich auch als meine Aufgabe an.

-Sie beenden jedes Kapitel Ihres Buches mit einer Gipfelbotschaft. Was sind Ihre wichtigsten Gipfelbotschaften generell?

Zum Aufbrechen gehört erst einmal das Loslassen. Dann folgt das Dranbleiben: Ich kann nur zum Gipfel kommen, wenn ich Schritt für Schritt gehe. Dann ruhig werden: Mit dem Ein- und Ausschnaufen beginne ich, auf mich selbst zu hören. Schließlich muss ich es zulassen, auf dem Gipfel in die Weite zu gehen und die Gedanken schweifen zu lassen. Das sind für mich auch wichtige Gipfelbotschaften für den Alltag: An manchen Dingen muss ich dranbleiben. Bei bestimmten Herausforderungen muss ich ruhiger werden. Und ich muss überlegen, was ich in welcher Lebenssituation unbedingt mitnehmen muss – und vielleicht nicht mehr in meinen Rucksack reinpasst.

-Haben Sie eigentlich irgendein Ritual am Berg?

Nein, das Einzige ist: Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, nehme ich gerne zwei Flaschen Andechser mit.

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