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Wunderschöne Aussicht ist der Lohn für Bergsteiger Hans Kammerlander. Und doch hatte der Südtiroler bereits schlimme Erlebnisse bei seinen Expeditionen.

Kammerlander beim Tag des Berges

Erstbesteigung in Andechs

Andechs - Der 59-jährige international bekannte Bergsteiger Hans Kammerlander hält am Sonntag zum Tag des Berges in Andechs einen Vortrag über „Matterhörner der Welt“.

Der international bekannte Bergsteiger Hans Kammerlander ist beim Tag des Berges am Sonntag in Andechs zu Gast. Mit seinem Vortrag „Matterhörner der Welt“ möchte der 59-Jährige von 18.30 bis 20 Uhr die Besucher begeistern. Im Anschluss steht er für Autogramme und Gespräche zur Verfügung. Im Vorfeld spricht Kammerlander mit dem Starnberger Merkur über den Landkreis, sein schlimmstes Erlebnis am Berg und wie er dem Tod entging.

Sie haben zwölf Achttausender bestiegen. Am Sonntag wartet der Heilige Berg in Andechs.

Hans Kammerlander : Das ist ganz nett. Ich war vor kurzem in der Steiermark, auch in einem Kloster. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich freue mich auf Kloster Andechs.

Sie haben Berge in Asien oder Südamerika bestiegen. Das Fünfseenland bietet andere Möglichkeiten. Sie sollen auch wassersportbegeistert sein.

Kammerlander: Nicht direkt. Seit ein paar Tagen ist die Kletter-Saison vorbei. Ich bin müde. Deshalb war ich in Sardinien, einfach nur die Beine hochlegen. Meine Schwimmkünste halten sich in Grenzen. Aber vor 16 Jahren war ich im Starnberger See Wasserski fahren. Es gab Wellen, da hat es mich richtig runtergehauen. Aber es war spaßig. 

Können Sie den Starnberger Landkreis-Bürgern eine Klettermöglichkeit in der Nähe empfehlen? 

Kammerlander: Der Münchner Raum ist nicht weg von der Welt. Der Wilde-Kaiser-Fels ist gut erreichbar und ein Traum für Kletterer. 

Mit Stephan Glowacz wohnt ein bekannter Bergsteiger in Berg. Kennen Sie ihn? 

Kammerlander: Mit ihm war ich mehrere Monate in Patagonien unterwegs für den Film „Schrei aus Stein“. Ich schätze ihn ganz hoch. Er ist nicht nur ein außergewöhnlicher Kletterer, sondern auch ein sehr intelligenter Mensch. 

Was erwartet die Besucher Ihres Vortrags? 

Kammerlander: Ich hoffe, dass sie Spaß haben werden. Es ist mein neuer Vortrag. Ich habe 50 Expeditionen gemacht, immer wieder Berge entdeckt und gedacht: Das gibt es doch nicht, der sieht aus wie das Matterhorn. Es wird um schöne Berge, Landschaften und Kulturen gehen. 

Wie ist das Gefühl, nach langer Tortur den Gipfel eines Achttausenders zu erklimmen? 

Kammerlander: Auf dem Gipfel ist es eine Erleichterung, die große Schinderei ist vorbei. Das Hochgefühl, die unwahrscheinlichen Glücksgefühle, das kommt erst an den Tagen danach. 

Nach dem Gipfel wartete dann noch der Abstieg... 

Kammerlander: Da muss man aufpassen, dass die Konzentration erhalten bleibt. Man ist müde – aber erst bei der Hälfte angekommen, das darf man nicht vergessen. Beim Aufstieg kann man noch umdrehen, beim Abstieg nicht. 80 Prozent der Unfälle am K2 (zweithöchster Berg der Erde, d. Red.) sind beim Abstieg passiert. 

Wie viel gibt Ihnen das Bergsteigen für den Alltag? 

Kammerlander: Wenn ich von einer Expedition zurückkomme, habe ich viel Energie. Über Dinge, die im Alltag sonst für mich mühsam sind, kann ich dann nur lachen. Wenn ich merke, der Alltag erreicht mich wieder, ist es Zeit für mich, aufzubrechen. 

Sie bergsteigen mit voller Überzeugung, aber stets ohne Sauerstoffflasche. 

Kammerlander: Bergsteiger mit Sauerstoffflasche sind für mich Schwindler. Die betrügen sich selbst. Das ist erlaubtes Doping. 

Und Menschen, die es ohne diese Hilfe nicht hinauf schaffen? 

Kammerlander: Ich lasse jedem diese Freiheit. Solange derjenige das Leergut wieder mit runterbringt, kann er es machen. Er war dann zwar oben, aber bestiegen hat er den Berg nicht. 

Sie sind schon mit Skiern vom Gipfel des Mount Everest heruntergefahren. Wie kam es dazu? 

Kammerlander: Das war im Zuge des Wettlaufs. Der hat für mich an der Seite von Reinhold Messner begonnen. Da war ich – ohne es zu wollen – drin und konnte mich nicht mehr lösen. Ich überlegte, was man Neues machen kann. Messner und andere gute Bergsteiger sind keine Skifahrer. Ich konnte zwei ganz große Hobbies verbinden. Die intensivsten Stunden, die ich je erlebt habe, waren auf den Skiern vom Gipfel runter. 

Ihre Einstellung hat sich geändert. Nun suchen Sie weniger die Extreme, mehr die Schönheit an den Bergen. 

Kammerlander: Genau. Aber das ist normal. Ich bin klar in meinen Entscheidungen. Ich merke mein Alter, die Jungen machen es einfach schneller. Der Berg ist nur noch ein Teil meiner Expedition. Die Leute, Kulturen und Landschaften interessieren mich. 

Was war Ihr schönstes Erlebnis am Berg? 

Kammerlander: Schwer zu sagen. Das schlimmste Erlebnis ist da leichter. 

Sie sprechen von der Besteigung des Manaslu in Nepal 1991, bei der Sie zwei Freunde verloren. 

Kammerlander: Das war sowas von schmerzhaft. Ich war ein paar Tage alleine unterwegs, ohne eine Chance zu haben. Ich wollte einfach in Bewegung bleiben. Ich kam unten an, ohne meine beiden Freunde. 

Davor hatten Sie den Tod selbst vor Augen. Eine schlimme Vorstellung. 

Kammerlander: Die Situation war ausweglos – Schneesturm, Gewitter, überall Gletscherspalten. Jeder Schritt konnte der letzte sein. Der Abstieg war ein Blindflug. Ich hatte aber keine Angst mehr, ich ging einfach. Ich dachte: Wenn es zu Ende geht, geht es eben zu Ende. 

Wie geht Ihre Familie damit um, dass Sie sich diesem Risiko aussetzen? 

Kammerlander: Meine Mutter starb, als ich zehn Jahre alt war. Sie wäre sehr ängstlich gewesen. Mein Vater war entspannt. Meine Ex-Frau ist teilweise mit hoch, bis knapp 8000 Meter. Aber ich glaube, sie hatte viel Angst, wenn ich alleine ging. Meine Freundin, die Mutter meiner achtjährigen Tochter, hat zum Glück nicht das Gespür für die Berge.

Überraschend kündigten Sie im Sommer an, sich dem Manaslu noch einmal stellen zu wollen. 

Kammerlander: Ich möchte den Weg zu Ende gehen. Je mehr ich darüber nachdenke, bekomme ich das Gefühl, es ist besser, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Das ist definitiv. Ich gehe mit zwei Partnern hoch, einer davon ist Sherpa. Es ist auch ein Kino-Film darüber geplant. 

Nach dem Tod ihrer beiden Freunde an diesem Berg wird das ein extremes Projekt. 

Kammerlander: Ich muss ehrlich sagen: Es ist komisch, aber ich bin sehr motiviert und freue mich darauf. Ich möchte noch einmal dort sein, wo meine Freunde sind. 

Sie dachten zwischendurch über einen Wegzug aus Südtirol nach. Ist das noch ein Thema?

Kammerlander: Ich habe noch nie Heimweh verspürt. Es könnte sein, dass ich wegziehe, einen Tapetenwechsel mache. Mir wird es ein bisschen zu eng. Mein Wunsch wäre ein kleiner Bauernhof in Osttirol, dort zurückgezogen leben. Aber so, dass ich die Berge nicht aus den Augen verliere.

Das Gespräch führte Sebastian Raviol.

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