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Frater Stephan (Foto aus 1984) war die feste Größe für die Lebende Krippe.

40 Jahre lebende Krippe in Andechs

Einmal Josef, immer Josef

Andechs - Seit 40 Jahren gibt es die lebende Krippe in Andechs. Paul Trauner ist seit 40 Jahren dabei. 

„Wenn du schon mal den Josef gespielt hast, kannst du ihn doch auch wieder spielen.“ Mit diesem unschlagbaren Argument hatte Dr. Helmut Klein im Jahr 1977 Paul Trauner schnell überredet. Klein kam als Wissenschaftler am Erlinger Max-Planck-Institut in die Klostergemeinde und hat ihr seine Wurzeln geschlagen. Der heute 80-jährige Trauner erinnert sich noch gut an dieses Gespräch mit Klein damals bei einem Pfarrfamilientag. „Wir haben uns so unterhalten“, sagt Trauner. Nur beiläufig hatte er dem Klein erzählt, dass er schon als Bub in der Weihnachtsgeschichte den Josef gespielt hatte. Für Klein kam dies gelegen, denn er, Altbürgermeister Ludwig Mörtl und Frater Stephan hatten eine wunderbare Idee und setzten alles daran, sie umzusetzen: eine Lebende Krippe auf dem Heiligen Berg. Eine, in der alle Generationen vertreten sind, eine, in der echte Tiere stehen, eine, die für Aufsehen sorgt. Das war 1977. In diesem Jahr gibt es die Lebende Krippe zum 40. Mal.

Paul Trauner erinnert sich gut an diese Zeit. Zehn Jahre war er der Josef, dann war er der Hirt. Auch in diesem Jahr wird er am Donnerstag vor dem zweiten Advent die Werkzeuge einräumen und sich um Schafe, Ochs und Esel kümmern. „Wir hatten früher eine kleine Landwirtschaft, da kenn ich mich aus“, sagt Trauner, der gelernter Steinmetz ist. Auch ausgestopfte Tiere drapiert er im Stall. „Die sind schon 40 Jahre alt“, einige Hühner und ein Fuchs. „Die gehören dringend ausgetauscht.“

In 40 Jahren hat der Erlinger einige Marias und Josefs kommen und gehen sehen. „Auch die Tochter vom Dr. Klein, die war schon als Kind dabei.“ Und sie ist hilft heute noch im Hintergrund. „Eine Frau, auf die man sich verlassen kann“, sagt Trauner voller Respekt.

Nicht jeder eigene sich für die Lebende Krippe, sagt der Erlinger. Es gibt Regeln: „Man muss sich zurückhalten können.“ Denn um die andächtige Stimmung der Heiligen Nacht nicht zu stören, sollen die Teilnehmer möglichst jeden Kontakt zu dem doch meist zahlreichen Publikum vermeiden. Den einheimischen Darstellern ist das immer gut gelungen: „Hier kommt die tiefverwurzelte Frömmigkeit der urwüchsigen Bayern noch so recht zum Ausdruck“, hatte seinerzeit der mittlerweile verstorbene Pater Daniel gerührt festgestellt.

Diese Frömmigkeit, die eindrucksvolle Stimmung der Heiligen Nacht am Heiligen Berg – sie ist berühmt und vielfach kopiert. „Mit dem Bild von uns haben die sogar in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) Werbung gemacht“, weiß Trauner. Die Andechser Lebende Krippe in ihrer Ursprünglichkeit bleibt gleichwohl unerreicht. „Das Fernsehen war auch schon da.“ Zuletzt im vergangenen Jahr. Da hat sich der Hirte Trauner dann aber doch geärgert. Als man ihm Fragen zur aktuellen Flüchtlingspolitik stellte, habe er forsch reagiert, gesteht er. „Politik wollen wir hier nicht haben. Das g’hört nicht da nei.“ Sprach er, und das Kamerateam zog davon.

Selbst die Tiere scheinen sich dieser Frömmigkeit zu unterwerfen und sind in der Regel brav. In 30 Jahren als Hirte hat Trauner natürlich Ausnahmen erlebt. „Einmal ist mir eine Kälbin durchgebrannt“, erzählt er. Normalerweise steht ein Ochs im Stall, in dem Jahr war es eine Kälbin. Und da er selbst eine kleine Landwirtschaft hatte, weiß er, dass Kälbinnen nervös sind. Diese Kälbin war es auf jeden Fall. „Die wollte die Mauer runterspringen, da hab’ ich gerade noch den Strick um die Kastanie umgebracht, sonst hätt’ ich die nicht halten können.“ Wer die Örtlichkeit auf dem Heiligen Berg kennt, weiß, dass dies auch anders hätte ausgehen können.

„Das war bei den Schafen genauso. Frater Thomas Schafe haben wir nicht nehmen können, die sind Menschen nicht gewohnt. Wenn einer kommt, dann brechen die aus. Die vom Schafzüchter Weigl unten im Dorf aber kennen das, die stehen in den Gärten.“ Und einmal, sagt Trauner mit einem Glänzen in den Augen, gab es sogar das Wunder der Geburt zu erleben, als ein Lamm geboren wurde. Das war 2001.

Es sind schöne Erinnerungen, die Trauner aus 40 Jahren Lebende Krippe schöpft. Für ihn ist es in diesem Jahr der letzte Auftritt. Es sei Zeit Jüngeren den Vortritt lassen. Wie er hat niemand so lange durchgehalten. Die Maria, der er damals als Josef zur Seite stand, war Anna Schroll. Sie ist auch nicht mehr dabei. „Heute wird die Maria von ihrer Enkelin Verena dargestellt.“

Unterdessen gesundheitlich angeschlagen ist Frater Stephan. Er war immer ein wichtiger Ansprechpartner für die Erlinger „oben auf Andechs“. Der Leiter des Klosterladens hatte ja damals die Idee mit dem Altbürgermeister und Klein ausgeklügelt. Bekannt als Krippenbauer und Fatschenkindl-Sammler, hat der Mönch auch den Nikolaus gespielt, kam mit dem hubschrauber geflogen oder mit dem Ballon. Frater Stephan gehörte einfach dazu. Die Gewänder für die Lebende Krippe hat alle er genäht – auch die der Heiligen Könige. Diese prächtigen Gewänder werden auch diesmal am zweiten Advent wieder bestaunt werden können.

Am Freitag, 2. Dezember, dreimal, Samstag und Sonntag, 3. und 4. Dezember, jeweils fünfmal kehrt Leben in die mehr als 100 Jahre alte Krippe, die seit 40 Jahren vorm Josefihaus auf dem Heiligen Berg aufgebaut wird. Für rund eine Stunde stellen Erlinger Bürger als Maria, Josef, Hirten und Kinder die Heilige Nacht nach. Zweimal am Tag ziehen die Heiligen Drei Könige mit Kinderbegleitung ein. „Früher haben wir das in einer einfachen Besetzung gemacht, seit einigen Jahren teilen sich die Auftritte mehrere Erlinger“, sagt Trauner und erinnert daran, dass die komplette Besetzung zudem nach der Christmette – begleitet von der Blaskapelle Erling – bereitstehen muss. „Das ist dem Stephan und dem Mörtl so drunten nei eingefallen“, sagt Trauner lachend. Ein großer Aufwand, aber eine schöne Tradition.

Am nächsten Donnerstag wird er mit seinem Hirtenkollegen Siegbert Berchtold ein letztes Mal ins Lager über den Klosterladen gehen, um die Requisten für den Stall zu holen, wird das Stroh, dass die Machtflinger jedes Jahr ebenso wie den alten Stadl liefern, im Stall auslegen und er wird die Tiere holen. „Woher der Esel dieses Jahr kommt, weiß ich noch nicht.“ Aber auch das wird sich finden, wie die vergangenen 40 Jahre auch.

Was Trauner noch nicht weiß, sich aber gewiss riesig darüber freuen wird – wenigstens gibt es einen neuen ausgestopften Fuchs. Der liegt nämlich bereits im Rathauskeller.

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