Asyl

Angst um schwarz-rosa Schweine

Berg - Martin Schmid aus Berg hat Angst um seine Schweine, wenn die Asylbewerber vom Norden in den Süden Bergs ziehen. Sein Hof liegt neben der geplanten Containeranlage.

Körperkontakt passt dem Schwein offenbar gar nicht. Als Landwirt Martin Schmid es auf den Arm nimmt, quiekt es vernehmlich – erst leise und in hoher Tonlage und so, als ob es einen Schluckauf hätte. Dann wird der Ton tiefer und lauter und hört gar nicht mehr auf. Es schreit regelrecht vor Wut. Nein, das hübsche rosa-schwarze Tier mit dem schwarzen geringelten Schwanz will nicht auf den Arm genommen werden.

Die Tiere auf dem Hof von Martin Schmid aus Berg geben ein gutes Beispiel: Hühner scharren neben Gänsen, im selben abgezäunten Bereich sind die Ziegen untergebracht. Neben dem schattenspendenden Baum ist ein kleiner Weiher, in dem sich im Frühjahr die Nachkommen des eigenwilligen Schweins suhlen werden. Es herrscht ein meist freundliches Miteinander, mal zischen die Gänse die Geißen an, dann wieder stupsen die Ziegen die Gänse, wenn sie nicht schnell genug Reißaus nehmen. Grundsätzlich sind alle friedlich.

Landwirt Schmid sieht dieses Idyll bedroht, wenn ab Herbst die Containersiedlung für Asylbewerber auf dem Grundstück nebenan bewohnt wird. „Ich habe Bedenken, dass jemand meine Schweine holt oder ihnen etwas antut“, sagt er.

Heute Abend ist die Containeranlage Thema im Gemeinderat. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 19.30 Uhr im Rathaus, einer der Tagesordnungspunkte ist der Bauantrag für die vom Landratsamt geplante Containeranlage. Wie berichtet, soll am Berger Ortseingang, wenn man von Aufkirchen herunterkommt, eine Anlage mit 16 Wohnungen für 96 Asylbewerber entstehen. Ein Privatmann hatte dem Landratsamt den 6200 Quadratmeter großen Grund im Außenbereich angeboten. In nicht öffentlicher Sitzung hat Rathauschef Rupert Monn mögliche Standorte besprochen, der Platz gegenüber vom Kreuzmöslberg fand eine Mehrheit.

Voraussichtlich ab Mitte Oktober soll die Anlage bezogen werden. Im Frühjahr rechnet Landwirt Schmid mit neuen Ferkeln – und mit Ungemach, wenn die Wiese direkt nebenan bewohnt ist. „Bei uns ist alles offen, es gibt einen privaten Durchgang von der Isartalstraße zum Lohacker – wie soll ich das alles abschließen?“ Schmid ist ratlos. „Die werden alle bei uns durch den Hof laufen“ ist er überzeugt. „Wir wissen offiziell von nichts.“

Sein Protest gegen den geplanten Standort blieb ergebnislos. „Ich habe mit Karl Roth telefoniert“, sagt er, aber gebracht habe es ihm nichts. Schmid fragt sich, wieso die bereits voll erschlossene Festwiese in Höhenrain kein Thema bei der Containerstandortwahl mehr war. Er vermutet wegen der Anfeindungen, die der Bürgermeister in seinem Heimatort erfahren hatte, nachdem die Wiese als Standort für eine Leichtbauhalle im Gespräch war. Und dass das Landratsamt seine bestellten Container irgendwo aufstellen muss.

Das Landratsamt hatte noch weitere Angebote, Berg erschien am sinnvollsten (wir berichteten). Die Asylbewerber, die derzeit am nördlichen Ortseingang in Zelten leben, müssten nur an den östlichen Ortseingang ziehen. Mit Problemen rechnet die Kreisbehörde nicht. „Die Asylbewerber sind schon ein Jahr bei uns und kennen unsere Gepflogenheiten“, sagt Kreissprecher Stefan Diebl. „Wir haben in Berg nur gute Erfahrungen gemacht.“ Das beruhigt Schmid nicht: „Wenn andere nachkommen?“

Sicher ist jedenfalls: Sobald sich jemand an einem Schwein vergreift, gibt das Alarm. Lautstark.

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