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Über jede Rückmeldung ist Hans Panschar froh. Von Findern aus England, Frankreich und den Niederlanden hat der Künstler schon Nachrichten bekommen. Weitere sollen folgen – auch wenn es Jahre dauern könnte.

Projekt von Hans Panschar

Berger Kunst im Ozean

Allmannshausen – Hans Panschar lässt seine Flaschenpost auf Schiffsreisen von Hamburg nach New York abwerfen. Bisher gab es vier Finder.

Hans Panschar lässt seine Kunstwerke wegwerfen – und zwar ins Meer. Der Künstler aus Allmannshausen fertigte für drei achttägige Schiffsreisen von Hamburg nach New York insgesamt 30 Miniatur-Kunstwerke in Flaschen an, die dann in schöner Regelmäßigkeit – jeden Tag um 12 Uhr – ins Meer flogen. Der 54-Jährige hofft, dass die Flaschen mitsamt Kunstwerk und Brief gefunden werden. 2014 und 2015 stach er mit dem Projekt in See, heuer im Juli soll es das letzte Mal gewesen sein. Vier Rückmeldungen gab es bisher. „Wenn du dann eine E-Mail mit dem Betreff ´Flaschenpost´ bekommst, das ist super“, schwärmt Panschar. 

Flaschenpost: Die Leute waren begeistert über archaisches Mittel

„Es kann sein, dass weitere Flaschenpost erst in zehn Jahren gefunden wird. Sie sind sehr gut versiegelt.“ Vor zwei Jahren hat es angefangen, die Wochenzeitung „Zeit“ fragte den Künstler, ob er eine Reisegruppe auf der alljährlichen Schiffstour begleiten würde. Panschar ließ sich etwas einfallen: Flaschenpost, eine uralte Idee. „Die meisten Leute stecken Zettel rein. Aber ich habe mir viel Arbeit gemacht.“ Drei mehrsprachige Briefe, wasserfeste Tinte, Korken, Versiegelung – und natürlich ein Kunstwerk. „Das sind alles Minitaturansichten, eigentlich gibt es sie alle in groß. Ich neige dazu, Sachen zu vergrößern oder zu verkleinern“, erklärt der gelernte Schreiner und Bootsbauer. 

Für jede Reise versuchte der 54-Jährige, neue Motive zu entwickeln. Inspirieren ließ sich der Künstler von seinen eigenen Weltreisen. „Zehn Jahre lang war ich auf einem selbst gebauten Katamaran unterwegs. Den Großteil der Strecke Hamburg-New York bin ich schon selbst gefahren.“ Von dieser Strecke sind auch Elemente in den Kunstwerken wiederzufinden: Das Schiff Queen Mary 2 oder die Skyline von New York. „Jedes Stück hat etwas zu bedeuten.“ Auch die Heimat hat es ins Meer geschafft: Ein Holzstück, das ein Schiff und Berge zeigt. Auch die Kirche aus Allmannshausen soll in einer Flasche auf Wellen treiben. Anfangs wurde die Flaschenpost auf der Schiffsreise fast unbemerkt ins Meer geworfen Später wurde das Manöver zu einem der Höhepunkte, etwa 200 Gäste wohnten der Zeremonie am Heck schließlich bei. „Die Leuten waren begeistert, dass jemand in Zeiten von E-Mail noch so ein archaisches Mittel verwendet.“

Panschar hofft: "2015 wurde auch eine 100 Jahre alte Flaschenpost gefunden"

Fund mit Aufsehen: Adie Butler kam mit drei gefundenen Flaschen an einem Tag ins Lokalfernsehen.

Die meisten Finder greifen dann aber doch auf die E-Mail zurück, um Panschar zu kontaktieren. Der kurioseste Fall: Adie Butler von der Isle of White. Der junge Mann säuberte auf der Insel vor dem englischen Southampton gerade den Strand. Noch nie hatte er eine Flaschenpost gefunden – dann waren es an einem Tag gleich derer drei. Im Juli 2014 bekam Panschar eine Postkarte von einem Ehepaar aus Ameland (Niederlande), drei Monate darauf von einer Familie aus der Bretagne. „Diese Flasche hatten wir in Irland abgeworfen, 450 Meilen entfernt. Die ist zwei Monate lang geschwommen.“ Panschar lebt im beschaulichen Allmannshausen, bleibt aber mit der Welt in Kontakt. „Viele sagten, ich könne so viel Arbeit doch nicht über Bord werfen. Es ist aber ungleich mehr Wert, wenn jemand die Flaschen findet. 2015 wurde auch eine 100 Jahre alte Flaschenpost gefunden.“ 

Er habe mit einem Meeresforscher gesprochen. Mit dem Passat treibe es die Flaschen wohl nach Europa – hoffentlich zu weiteren Findern. „Ich glaube daran.“ Heuer war er wohl das letzte Mal mit dem Projekt unterwegs, er hat es als Trilogie geplant. „Es war ein künstlerisches Highlight für mich, aber irgendwann ist die Geschichte aus künstlerischer Sicht auserzählt.“ Der 54-Jährige verspürt aber eine solche Begeisterung – ist eine Neuauflage ausgeschlossen? „Zwei meiner Töchter waren auf den Reisen bisher dabei – aber ich habe ja drei“, deutet er an.

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