Regenerative Energien

Strom aus dem Lüßbach

Martinsholzen - Die Familie Siebenwirth lässt am Lüßbach eine alte Tradition aufleben: Sie nutzt die Wasserkraft. Eine Turbine kann dort bis zu 64 000 Kilowattstunden Strom produzieren.

Die Gegend am Lüßbach bei Martinsholzen ist zweifellos ein Idyll. Das landwirtschaftliche Anwesen der Familie Siebenwirth ist gepflegt, entlang der Kiesstraße blühen überall Blumen, der Berner-Sennenhund-Mischling Marei tapst freundlich daher und begrüßt Wanderer und Besucher, dazu plätschert der Lüßbach. Und ja, offenbar wurde dort massiv gearbeitet.

Die Siebenwirths haben im Frühjahr mit den Bauarbeiten für ein Wasserkraftwerk begonnen. Seit 20. Juli ist die Anlage am Netz, inzwischen hat sie bereits mehr als 5000 Kilowattstunden Strom produziert. Ihren eigenen Bedarf hat die vierköpfige Familie Siebenwirth bereits damit fast schon gedeckt. Wie viel Geld das Ganze gekostet hat, wollen sie nicht sagen. In jedem Fall sieht man: Das war teuer.

Das Häuschen aus Glas und Holz, das die Turbine beherbergt, ist in den Hang hineingebaut, und hat eine eigene Ästhetik. Links daneben tost das Wasser aus der Turbine heraus, bevor es 34 Meter weiter nördlich wieder im Lüßbach landet. Doch besser ist es, etwa 1,2 Kilometer bachaufwärts zu beginnen.

Raue Rampe und Fischtreppe ersetzen Wehr

Wo der Hälsbach in den Lüßbach fließt, zweigt der Mühlkanal ab. Früher war dort ein Wehr, jetzt haben die Siebenwirths, die eine homöopatische Arztpraxis in Wolfratshausen haben, dort ist ein neues Bauwerk errichtet. „Wir haben das Wehr abgebaut, um eine Fischtreppe und eine raue Rampe zu bauen“, sagt Dr. Joachim Siebenwirth (57). Das Vorhaben im Landschaftsschutzgebiet sei nur deshalb in Ordnung, weil es zuvor bereits das Betonwehr gegeben habe, sagt Markus Hannwalder vom Wasserwirtschaftsamt.

Das Gras wächst bereits nach, und auf den Granitsteinen, die die Siebenwirths verbaut haben, hat sich zartes Grün angesiedelt. Zwei 600-Millimeter-Röhren speisen den Mühlkanal und garantieren, dass maximal 360 Liter pro Sekunde eingeleitet werden. „Für diese Menge haben wir die Genehmigung auf 30 Jahre – jederzeit widerrufbar“, sagt er. Auch an der Turbine musste baulich garantiert werden, dass sie nicht mehr Wasser als genehmigt aufnimmt.

Die neue Fischtreppe am ehemaligen Wehr hat elf Stufen. Das Wasser fließt durch einen Spalt in einer kleinen Betonmauer. Das garantiert die 70 Liter pro Sekunde, die die Siebenwirths im Lüßbach mindestens belassen müssen. Mehr sollten es gar nicht sein, weil sonst die Fischtreppe nicht funktioniere, sagt der Experte vom Wasserwirtschaftsamt.

Idealer Brutplatz für den Eisvogel

Meist gibt es mehr Wasser im Lüßbach, und das ergießt sich dann über die so genannte raue Rampe. Sie drosselt die Geschwindigkeit des Wassers. Das sucht sich dennoch seinen Weg: Ein Stück Ufer ist schon ausgespült. „Der Fischbiologe, der sich alles angeschaut hat, war begeistert“, berichtet Siebenwirth. „Das sei ein idealer Brutplatz für den Eisvogel.“

Durch den Mühlkanal – seine Ursprünge gehen laut Dr. Monika Demmler-Siebenwirth (60) auf das 18. Jahrhundert zurück – kommt das Wasser zur Turbine. Damit nicht mehr als erlaubt ankommt, gibt noch einen Überlauf vor dem Reininigungsrechen. Der ist wesentlich feiner, als es die wasserrechtliche Erlaubnis verlangt. Die Zinken haben zwölf Millimeter Abstand, ausreichend wären 16 Millimeter. „Das schont die Fische und tut auch der Turbine gut“, sagt Siebenwirth. Ganz nebenbei fischt er damit jede Menge Müll aus dem Wasser. „Plastikflaschen vor allem und Tictac-Dosen“, berichtet er. „Offenbar geht jemand gerne am Lüßbach spazieren und isst dazu Tictac.“

Unter der Kiesstraße gelangt das Wasser in die Turbine. „Eine Ossberger-Turbine, sie wurde eigens für uns gefertigt, reinigt sich selbst und ist auf Niedrig- und Hochwasser eingestellt“, berichtet Siebenwirth. Maximal kann sie 360 Liter pro Sekunde schaffen. Der Generator läuft mit 1000 Umdrehungen pro Minute, er surrt so laut wie ein Zug. „Wir rechnen mit 64 000 Kilowattstunden im Jahr“, sagt Siebenwirth. Derzeit wirke es, als ob es mehr würde. „Erst dachten wir, dass wir unsere Rente aufbessern könnten, dann, dass die Kinder profitieren. Vermutlich werden es eher die Enkel“, sagt Siebenwirth. Ja, Idealismus sei natürlich dabei, ergänzt seine Frau. „Wir wollten zeigen, dass es geht“, sagt er. „Und ja, es geht!“

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