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Die Bauernfamil ie und ihre Gäste beim Pressetermin in Hochstadt: (v.l. stehend) Philipp Grenzebach, Norbert Grenzebach, Alois Fersch, Christine Grenzebach (knieend v.l.) Nina Grenzebach mit Kindern Paul und Laura, Susanne Schwärzler und Irmgard Strobl.

25 Jahre Demeter-Milchbauerngemeinschaft

Hier hat die Kuh noch Hörner

Milchkuh sein bei  Grenzebachs in Hochstadt: Von April bis November stehen die Tiere auf der Weide, im Laufstall haben sie viel Platz. Und deshalb auch Hörner. Was wiederum für den Menschen wichtig ist. Eigentlich ging’s gestern in Hochstadt aber um 25 Jahre Demeter-Milchbauerngemeinschaft.

Der Hof der Familie Grenzebach ist ein Vorzeigehof. Daher hatten sich Irmgard Strobl von der Molkerei Scheitz, Susanne Schwärzler als Kuhhorn-Beauftragte von Demeter Bayern und Alois Fersch, Geschäftsführer der Demeter-Milchbauerngemeinschaft auch den in Hochstadts Mitte gelegenen Betrieb ausgesucht, um dort gestern Jubiläum zu feiern (siehe Kasten). Es ging aber noch um mehr: Norbert Grenzebach ist nicht nur Demeter-Milchbauer – einer von insgesamt fünf im Landkreis –, sondern auch Hornkuh-Halter aus Überzeugung. Und mit dem Horn der Kuh, da hat es eine Menge auf sich.

Den Laufstall hat die Familie Grenzebach vor wenigen Jahren selbst gebaut. „Andere bringen hier 60, 70 Kühe unter. Wir haben etwa 45“, sagt Norbert Grenzebach. Das ist eine Grundsatzentscheidung. Er möchte, dass sich die Tiere wohlfühlen, und da gehören auch die Hörner dazu. In dem Moment, in dem die Tiere weniger Platz haben, werden die Hörner zum Problem. „Die ranghöhere Kuh kann den Abstand zu der rangniederen nicht einhalten, dann gibt es Rangkämpfe.“ Aus diesem Grund werden den Kälbern die Hörner abgeschnitten.

Das wird seit vielen Jahren mehr oder weniger gedankenlos gemacht, bei 80 Prozent aller Kühe. Dabei könnte dies durchaus Auswirkungen auf die Qualität und Verträglichkeit der Milch haben, die Misere mit der Milchmenge und sogar dem Mist, der unsere Felder überdüngt und das Grundwasser gefährdet. Susanne Schwärzler jedenfalls ist sich sicher: „Wenn wir nur noch Kühe mit Hörnern hätten, hätten wir weniger Kühe, halb so viel Milch und halb so viel Mist. Den Milchpreis haben wir uns selber kaputtgemacht.“ Sie bezieht sich auf Untersuchungen, die Unterschiede in der Struktur bei Milchkühen mit und ohne Hörnern nachweisen. Im Zusammenhang mit der Futterqualität hat dies laut Schwärzler auch Auswirkungen auf Unverträglichkeiten und Allergien. Diese von Demeter unterstützten Thesen allerdings sind wissenschaftlich nicht belegt und werden von der konventionellen Landwirtschaft heftig angefochten. Die Anthroprosophen sehen das gelassen. „Wir freuen uns, wenn ein Landwirt seiner Kuh die Hörner lässt, Auch wenn er konventionell arbeitet“, sagt Alois Fersch und zeigt ein Schild, auf dem sich Demeter für die Hörner stark macht – ohne Demeter-Logo.

Norbert Grenzebach hat seine eigene Haltung zum Horn der Kuh. Schon als Bub reiste er einmal im Jahr auf eine Alm und hütete dort die Rinder. „Einige hatten Hörner, manche nicht“, erinnert er sich. „Die mit den Hörnern waren geschickter im Gelände, hatten einen besseren Gleichgewichtssinn. Es gab keine ranghohe Kuh, die keine Hörner hatte.“ Er habe zu den Tieren mit Hörnern eine viel bessere Beziehung aufbauen können. „Es ist fast so, als würden sie es einem nicht verzeihen, wenn man ihnen die Hörner abschneidet“, sagt er.

Fakt ist: Wenn sich eine Kuh am Horn verletzt, verliert sie bis zu zwei Liter Blut, die Heilung ist mühsam. Bei Grenzebachs im Laufstall geschieht dies einmal im Jahr, auf der Weide nie. Das Horn ist temperiert, an ihm kann der Bauer erkennen, wie es um die Kuh bestellt ist. Es ist durchblutet und gilt als Organ. Man erkennt am Horn das Alter des Tieres und die Anzahl der Kälbchen. Kühe haben bemerkenswert stark ausgebildete Stirnhöhlen, die sich bis in die Spitzen des Hornzapfens fortsetzen. Was genau geschieht während des Verdauungsvorgangs, bei dem die Kuh in ihrem Pansen Silage produziert, darüber gehen die Meinungen auseinander. Werden die gebildeten Gase ins Innere zurückgestrahlt und aus ihnen etwa dann Eiweiße gebildet? Möglich – oder eine Glaubensfrage? Das Horn hätte somit wirklich einen Einfluss auf den Stoffwechsel der Kuh und damit der Milch, die am Ende des Tages unser Lebensmittel wird. Es gibt Ärzte, die davon überzeugt sind, dass die Verschlechterung der Milchqualität eine Rolle spielt bei der Häufung der Allergien und Unverträglichkeiten. Wissenschaftliche Studien zu diesem Thema gibt es (noch) nicht.

Zurück zur Familie Grenzebach. Bei der Hofführung ist auch Jungbauer Philipp Grenzebach mit Ehefrau Nina und seinen beiden Kindern dabei. Die Besucher werden von den Kühen in dem großzügigen luftigen Laufstall neugierig beäugt. Im Stroh liegen einige stattliche Sauen, die nur entspannt grunzen. „Auf dem Hof leben jetzt zwei Familien. Wir diskutieren natürlich schon, ob die Anzahl der Kühe reicht“, sagt Norbert Grenzebach. Er treibt seine Kühe noch durch Hochstadt auf ihre Weiden. „Wenn ich bei der letzten hinten drück, geht das durch bis zum ersten Tier“, sagt Norbert Grenzebach. Bei 50 Tieren sei das schon nicht mehr so. „Da ist die erste Kuh auf der Wiese und die letzte steht noch im Stall.“ Eine Entscheidung ist also noch nicht gefallen. Tatsächlich haben die Tiere Namen bei den Grenzebachs. Ihre älteste Kuh hat 19 Kälber zur Welt gebracht und zählt 17 Lenze. Üblicherweise werden Milchkühe in konventionellen Betrieben nach vier bis fünf Jahren, wenn die Milchmenge nachlässt, aussortiert.

Im Laufstall der Grenzebachs stehen im tiefen Stroh auch ein paar kleine Bullen. Jeder kennt das Bild der angeketteten Kälber in den Plastik-Hütten. Da sieht das bei den Grenzebachs schon schöner aus. In die Mast kommen die Bullen trotzdem. Norbert Grenzebach verkauft sie, bis zu 400 Euro kann ein Bulle einbringen. Auch hier taucht wieder das Thema Horn auf. „Weil ich sie nicht abschneide, zieht mir der Mäster zehn Euro ab“, sagt Grenzebach. Das ist es ihm Wert.

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