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Kreative Brauer: Martin Hug (l.) und Claus Bakenecker sind stolz auf ihre Dießener Brauerei. Ihre Event-Location im Craft Bräu stellen sie auch gerne für private Feiern zur Verfügung.

Brauereien im Landkreis

Die Bier-Experimentierer

Dießen - Zwei Väter, die sich eine Leidenschaft teilen  in diesem Fall wurde daraus das Craft-Bräu Dießen, dessen Sorten so krativ wie schmackhaft sind. 

Kennen gelernt haben sie sich vor etwa zehn Jahren durch ihre Kinder – Claus Bakenecker und Dr. Martin Hug – und sehr schnell festgestellt, dass sie auch eine gemeinsame Leidenschaft für gutes Bier verbindet. Am besten nach eigenem Geschmack selbst gebraut. Vor fünf Jahren haben sie mit einer Minianlage angefangen, hobbymäßig ihr erstes Bier zu machen. Auf die Frage nach dem Hauptantrieb dafür, antworten beide spontan „Durst!“, und lachen. Vergrößern konnten sie ihr „Craft Bräu“ dann durch den Erwerb einer Immobilien in der Mühlstraße in Dießen.

„Eigentlich wollten wir nur für uns brauen, aber das Interesse an unserem Bier war riesig groß. Sogar ohne Ausschankmöglichkeit haben die Leute bei uns im Schnee gestanden und unser Bier getrunken“, erinnern sie sich. Dann haben sie den heutigen Ausschankraum zu einer kleinen Kneipe ausgebaut, in der Dienstag und Donnerstag ab 16 Uhr Bier gezapft wird. Dienstags gibt’s außerdem leckeren französischen Käse und donnerstags Livemusik zum Selbstgebrauten.

Drei Biere sind immer ab Fass erhältlich, aber auch gegenüber in der CineBar kann man sich Craft-Bräu-Bier ausschenken lassen. „Die Flaschenabfüllung, außerhalb in Mindelheim, ist sehr aufwändig und verändert, wie wir finden, auch den Geschmack des Bieres. Deshalb machen wir nur eine kleine Flaschenproduktion, quasi aus Folklore, damit man was mitnehmen kann“, erläutert Hug. „Am besten schmeckt Bier halt immer in der Brauerei frisch vom Fass“, fährt er lachend fort.

Bakenecker und Hug brauen Craft-Biere im besten Sinne: handwerklich hergestellt, süffig, vollmundig, malzig, nicht zu stark und unfiltriert – und entgegen häufigen Unterstellungen gegenüber Craft-Bier-Brauern, wird hier ganz korrekt nach dem Reinheitsgebot gebraut. Nur unter Verwendung von Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. Ohne jegliche Zusätze, um Geschmack oder Haltbarkeit zu beeinflussen. Der Hopfen stammt aus der Hallertau und das Malz aus dem Schwarzwald. „Dort kennen wir einen Mälzer, der tolles Malz macht.“

Problematisch ist das harte Wasser in Dießen, deshalb muss es aufwändig aufbereitet werden. „Aber das lohnt sich geschmacklich“, wissen sie aus Erfahrung. Sie brauen bevorzugt untergärige Biere „weil wir keine Weißbiertrinker sind“. „Aber Weißbierliebhaber kommen mit unserem Craftstoff, einem bernsteinfarbenem Hellen, sehr gut zurecht, weil es so schön sprudelig ist“, sagt Bakenecker. Ein weiteres hopfenbitteres Helles heißt „Hellmut“. Daneben gibt es saisonale Biere, zurzeit haben sie noch einen Vorrat an dunklem Bock, der im Winter gebraut wird, sowie einen Frühbock namens „Craftprotz“.

„Es ist noch nicht Mai, deshalb können wir ihn nicht Maibock nennen“, verrät Bakenecker schmunzelnd. Die drei Eckpfeiler für die anders schmeckenden Biere von Craft Bräu sind eine längere Lagerung, andere Hopfensorten und dass es nicht gefiltert ist, berichten die beiden. Sie betreiben die Brauerei mehr oder weniger nebenberuflich, „aber bei inzwischen fast 40 Wochenstunden für jeden, rutscht es schon in die Hauptberuflichkeit ab“, erläutert Martin Hug.

Sie haben viel Geld investiert in den Umbau der Räumlichkeiten, die Anmeldung der Gaststätte und natürlich die Brauanlage. „Jeder Euro, den wir mit unserem Bier verdienen, geht direkt wieder in die Brauerei zurück“. Seit zwei Jahren brauen sie jetzt an der Mühlstraße, und den Ausschank gibt es seit einem Jahr. Gerade haben sie durch Erweiterung ihrer Anlage ihre Braukapazität verdoppelt, „wir brauen jetzt neun bis zehn Hektoliter pro Woche, vorher war es die Hälfte“. Wobei das Brauen nicht das Problem ist, die Menge ließe sich erweitern, aber die Lagerkapazität ist der Engpass. „Großbrauereien lagern ihr Bier nur kurz und können deshalb viel mehr brauen. Geschmacklich ist es für das Bier aber besser, wenn es, wie bei uns, vier bis fünf Wochen lagert“, so Bakenecker.

Die Anlage wurde aus alten Milchtanks selbst zusammengebaut und wird gasbefeuert. „Sie funktioniert hervorragend“, sagen sie, „aber wir müssen dabei bleiben und ständig die Temperatur ablesen, weil wir keine Steuerung haben.“ Bestes Handwerk also.

Natürlich experimentieren die beiden Hobbybrauer auch und probieren neue Rezepte aus. „Demnächst vielleicht mal ein Altbier oder ein Ale“, sagt Hug. „Aber jedes Experiment blockiert uns fünf Wochen lang einen Lagertank“, ergänzt Bakenecker. „Bei uns ist es schön, dass auch Stammkunden mal einen Biervorschlag machen können. So haben wir kürzlich mal ein Dunkles gemacht, das kam toll an, und der Gast war stolz darauf, es erfunden zu haben“, ergänzt Hug. „Wir haben den Nachteil, dass alles sehr klein und eng ist, aber der Vorteil ist, dass wir mitten im Ort sind“, freut sich Bakenecker, denn der Laden läuft.

„Perspektivisch werden wir die Anlage wohl in dieser Größenordnung belassen“, sagen die leidenschaftlichen Brauer über ihre Zukunftspläne. Aber die Lagerkapazität soll durch einen zusätzlichen Raum auf 5000 Liter erweitert werden. „Dadurch können wir pro Woche 1000 Liter Bier mehr brauen, aber dann ist Feierabend.“

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