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„Das Aufstreichen ist das Langweiligste.“ Frau Lebkuchens Lebkuchenbäckerei.  

91-jährige Hobbybäckerin

Frau Lebkuchen und ihre Lebkuchen

Dießen - Hildegard Lebkuchen aus Dießen macht - wie könnte es anders sein - Lebkuchen. Damit macht sie vielen Menschen in ihrer Umgebung eine große Freude. Wir haben die 91-Jährige besucht.

Es gibt Dinge im Leben, die kann man sich nicht aussuchen. Seine Geschwister, das Wetter, die Höhe der Zugspitze – und seinen Nachnamen. Die lustige, topfitte, 91-jährige Hildegard aus Dießen am Ammersee, die wir gerade in ihrer Küche besuchen, heißt mit Nachnamen zum Beispiel: Lebkuchen. Früher, als sie noch klein war, das erzählt sie, während sie im Teig rührt, haben andere Kinder sie oft veräppelt. „Lebkuchen, Lebkuchen, bäh, bäh, bäh.“ Solche unverschämten Sachen haben sie ihr nachgerufen.

Frau Lebkuchen ist der Lebkuchen-Engel vom Ammersee

Ein Auswahl aus Frau Lebkuchens Back-Repertoire: kleine Lebkuchen, große Lebkuchen und Schwarz-Weiß-Gebäck.

Inzwischen ist Frau Lebkuchen sogar ein bisschen stolz auf ihren Namen, der gerade in der Weihnachtszeit seine volle Schönheit entfaltet. Frau Lebkuchen beim Glühweintrinken. Frau Lebkuchen und der Weihnachtsengel. Frau Lebkuchen unterm Christbaum. Man muss sich die Sätze nur mal selbst vorlesen – und schon zaubern sie einem ein Lächeln ins Gesicht. Lebkuchen ist gerade im Advent ein beneidenswerter Name. Und in unserem speziellen Fall ist noch etwas Magisches passiert. Eine Sache, die man nicht glaubt, wenn man sie nicht jeden Tag in Frau Lebkuchens Küche riechen könnte. Name und Berufung gehen bei der früheren Hausarbeits- und Handarbeitslehrerin die schönste Verbindung ein, die man sich ausdenken kann: Hildegard Lebkuchen backt für ihr Leben gerne Lebkuchen. Kein Scherz: Frau Lebkuchen ist der Lebkuchen-Engel vom Ammersee.

Hildegard Lebkuchen backt bereits seit drei Wochen

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit macht sie um die 300 Stück des süßen Gebäcks. Der Frauenbund kriegt welche, der ökumenische Seniorenkreis, die Busfahrerin, die Apotheke, die Nachbarn, der Turnverein, die Verwandtschaft und viele andere Menschen, die ihr ans Herz gewachsen sind und die auf einer langen Liste stehen: auf Frau Lebkuchens Lebkuchenliste.

Dort hat sie feinsäuberlich notiert, wer jedes Jahr wie viele Lebkuchen von ihr bekommt. Weil: Schenken ist gut, aber Kontrolle ist besser. Gerade die Stückzahl ist ein entscheidendes Kriterium: Erstens muss Frau Lebkuchen den Überblick darüber behalten, wie viele Bleche sie noch in den Ofen schieben muss. Seit drei Wochen backt sie jetzt schon. Und zweitens haben Stückzahlen, so ist der moderne Mensch nun mal, immer was mit Wertschätzung zu tun.

„Das Aufstreichen ist immer das Wichtigste“

Wenn, nur ein Beispiel, die Busfahrerin letztes Jahr zwei große Lebkuchen bekommen hat, dann müssen es heuer natürlich wieder zwei sein. Aber auf keinen Fall drei, sonst muss Frau Lebkuchen nächstes Jahr womöglich schon an Ostern anfangen. Man sieht ja immer nur das Ergebnis, also die prächtigen Lebkuchen, die Frau Lebkuchen in gigantischen Schüsseln zwischenlagert – aber dahinter steckt eine ausgeklügelte Lebkuchen-Ökonomie. Da ist, sagen wir Söders Haushaltsplan für den Freistaat, auch nicht wesentlich komplizierter.

Frau Lebkuchen ist inzwischen so weit, dass sie die Masse aus Orangeat, Zitronat, Zitronenschale Eiern, Zucker, Lebkuchengewürz, Haselnüssen, Mandeln und einer gekochten Kartoffel vorsichtig auf die Oblaten bugsiert. „Das Aufstreichen“, sagt Frau Lebkuchen, „ist immer das Langweiligste.“ Aber es muss gemacht werden. Lebkuchen ist Arbeit, Lebkuchen ist Kunst. Wenn sie dann aber mal fertig sind, ausgedampft und auch noch mit dunkler Kuvertüre überzogen, dann packt Frau Lebkuchen ihre Lebkuchen in weiße, geschenkfertige Papiertüten. „Manchmal“, sagt sie, „klebe ich noch einen Aufkleber mit ,Frohe Weihnachten‘ drauf, manchmal auch ein Glücksschwein.“ Sie hat auch Aufkleber, auf denen „Alles Liebe von Hildegard“ steht, oder nur „Hildegard Lebkuchen, Dießen am Ammersee“, Dem Zufall wird hier jedenfalls nichts überlassen.

Wer möchte, bekommt eines ihrer handgeschriebenen Rezepte

Das Rezept, das sie seit weit über einem halben Jahrhundert verwendet, ist schon immer das selbe, es stammt wahrscheinlich von Frau Lebkuchens Urgroßmutter, aber ganz sicher ist sie sich nicht. Viele Bäcker und Köche machen ja ein großes Tamtam um ihre Rezepte, sie sind ihr Geheimnis. Frau Lebkuchen ist da anders: Sie teilt grundsätzlich gerne. Auf dem Küchentisch hat sie mehrere Kopien ihres handgeschriebenen Rezepts liegen. Jeder, der will, bekommt eins. „Ich bin schon ein bisschen älter“, sagt sie, „damit es nicht verloren geht.“ Damit es nie verloren geht. Sie hat das Rezept allerdings vor einigen Jahren modernisiert. „So viel Zucker wie früher“, sagt sie, „braucht man nicht mehr.“ Statt 200 nimmt sie nur noch 150 Gramm. Und sie gibt, das steht auch nicht im Rezept, einige Tropfen Bittermandel-Öl in die Masse. Aber nicht zu viel. „Da kann einem schlecht werden.“ Da braucht’s Fingerspitzengefühl.

Hildegard Lebkuchen arbeitete früher an der Berufsschule in Weilheim, an der Mädchenrealschule in Dießen und im Chiemgau. Damals hatte sie eine Fahrgemeinschaft. Mit ihr im Auto saßen manchmal zwei Kolleginnen. Sie hießen Frau Hering. Und Frau Rindfleisch. Das glaubt einem zwar keiner, aber es ist trotzdem wahr. Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise in einem Auto. Sehr, sehr lustig. Aber Frau Lebkuchen hat jetzt keine Zeit für Scherze. Sie muss weiterbacken. Denn, das weiß niemand besser als sie: Es ist noch kein Lebkuchen vom Himmel gefallen.

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