Schafft Treffpunkte für sich und Dießen: Peter Kaun

Porträt

So schafft man Lieblingsorte

Dießen - Es gibt Menschen, denen geht die Energie scheinbar nicht aus und auch nicht die Ideen: Peter Kaun junior ist so jemand.

„Bei mir ist es tatsächlich so, dass die Leute zu mir kommen“, freut sich Peter Kaun junior. Es ist auch kaum möglich, an ihm vorbeizuschauen. Der 46-jährige Dießener hat seine Treffpunkte selbst geschaffen. Ob Viktualienmarkt, Flohmarkt oder sein Tanzclub. Eigentlich ist Kaun Informatiker. Ein bunter Hund ist er aber auch. „Und natürlich ecke ich auch an. Ich bin halt eine Person, die häufig aneckt. Ich mache aber auch viel.“ So ist es in der Tat.

Am ehesten trifft man ihn dort, wo er sich am liebsten aufhält. Zu Hause. Sein Zuhause ist der Hof an der Von-Eichendorff-Straße in Dießen, auf dem jeden Mittwoch der Viktualienmarkt stattfindet. Ein gut besuchter Markt, an dessen Tischen sich bei schönem Wetter Einheimische und Touristen treffen, die sich wie an diesem Tag nach dem Einkauf noch gemütlich eine Fischsemmel vom Fischheini, Bio-Limonade oder auch einen Cappuccino schmecken lassen. Kaun beobachtet dies zufrieden und schenkt sich selbst einen Schluck Limo ins Glas.

„Regionalvermarktung begleitet mich seit einer Ewigkeit. Das kommt auch daher, weil wir immer schon auf die Ernährung achteten“, sagt er und verweist auf den großen Gemüsegarten gleich nebenan. „Mein Vater ist Gartenbauingenieur. Wir haben uns immer selbst versorgt. Wir haben auch schon immer selbst geschlachtet.“ Dabei hat die Familie weder Tierzucht noch Metzgerei. Aber ein Freund war Landwirt, „bei dem habe ich auch unsere Milch geholt“, und geschlachtet wurde eben bei den Kauns. Das hat den Junior geprägt. Obwohl er nach der Schule doch erst einen ganz anderen Karriereweg am Computer suchte.

Dort sitzt Kaun noch immer häufig am Schreibtisch. Nicht nur um seine Märkte zu verwalten. Für Freunde wie Herwig Stuckenberger gestaltet er dann auch mal eine Homepage. Stuckenberger ist Vorsitzender des Arbeitskreises Heimatforscher Ammersee. „Das ist auch mein Hobby. Zusammen haben wir eine Karte erstellt mit allen Bodendenkmälern in Dießen“, erzählt Kaun begeistert. Kelten, Römer und später das Mittelalter haben viele Spuren in dieser Region hinterlassen. „Das fasziniert mich“, sagt Kaun. Genauso wie Regionalität.

Und Außergewöhnliches, das sammelt er auch. Wie das alte Feuerwehrauto auf seinem Hof, das er zum Verkaufswagen umbaute. In diesem Jahr muss es aber erst noch durch den TÜV, um wieder im Einsatz sein zu können.

Manch Dießener meint Kaun habe einen Spleen. „Wenn ich Lehrer wäre, würde ich auch nicht so auffallen.“ Ist er aber nicht. „Man kann es nicht jedem recht machen.“ Kaun gefällt ja auch nicht alles. Darum ist es ihm egal, was die Leute denken.

Aufgewachsen in Dießen, kennt Kaun natürlich jeden und jeder kennt Kaun. Die Musiker oder bildenden Künstler, von denen viele in Dießen leben und die sich auf seinem Markt beim Gemüse-einkauf treffen und danach noch beim Kaffee zusammensitzen, genauso wie die Alteingesessenen.

Kaun liebt es überschaubar, auch wenn der Flohmarkt, den er einmal im Sommer in den Seeanlagen organisiert gerade dies aufgrund seiner Größe schon lange nicht mehr ist. „Für mich aber schon“, sagt Kaun, dem ein zugegeben leichtes Durcheinander um ihn herum offensichtlich beflügelt. So sehr, dass ihn die vielen Menschen, die während des Gesprächs immer wieder etwas von ihm wollen, nicht aus der Ruhe bringen können. Da geht es ihm wohl wie seinen Schafen. „Die habe ich auch. Aber nicht zum Schlachten“, betont er. Die 15 Ouessant-Schafe seien zu klein und leicht, gerade recht zur Gartenpflege, „wir haben hier noch viele Flächen“. Wie gesagt, der Senior ist Gartenbauer und anerkannter Baumsachverständiger. Auch er sitzt mittlerweile an einem der Tische, die auf dem Viktualienmakrt zum Verweilen einladen.

Den Junior indes treiben noch weitere Leidenschaften als Regionalität, Geschichte und Natur. Zweimal in der Woche wird getanzt, im Club 1516. „Salsa“, sagt er und bekommt ein Leuchten in die Augen. Den Club hat er selbst vor vier Jahren eröffnet, die Zahl markiert die Jahreszahl des Reinheitsgebots. So schafft man sich seine Lieblings-Orte selbst, und so gibt es Menschen, die in der Tat von sich behaupten können, „die Leute kommen zu mir“. Anders geht es ja kaum noch. Auch wenn es nicht jedem gefällt. In diesem Punkt ist Kaun ganz Dießener. „Es ist nicht immer leicht hier.“

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